Titel: Sperlich, über die Balata.
Autor: Sperlich, A.
Fundstelle: 1869, Band 193, Nr. XVIII. (S. 81–83)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/ar193018

XVIII. Zur Kenntniß der Balata; von A. Sperlich.

Seit einigen Jahren kommt unter dem Namen Balata ein Product im Handel vor, welches seinen Eigenschaften nach zwischen Kautschuk und Gutta-percha einzureihen ist, und auch in der Industrie eine ähnliche Verwendung findet wie diese Stoffe. Dieser Handelsartikel wird aus dem eingetrockneten Milchsafte des sogen. Bully-tree (Sapota Muelleri) einer über ganz Guyana verbreiteten Sapotacee gewonnen und hauptsächlich von Berbice nach Europa gebracht. Es schien mit nicht uninteressant zu seyn, eine Elementaranalyse dieses Körpers, welchen ich der Güte des Hrn. Professors Wiesner verdanke, auszuführen, um zu erfahren, ob die Balata auch in ihrer chemischen Zusammensetzung mit Kautschuk und Gutta-percha übereinstimmt.

Eine kleine Voruntersuchung, welcher das im Handel vorkommende Rohproduct unterzogen wurde, belehrte mich, daß dasselbe nur wenige |82| Procente Sauerstoff enthalte und daher wohl ein Gemenge eines sauerstoffhaltigen Körpers mit einem Kohlenwasserstoff sey. Um nun diesen letzteren, welcher jedenfalls die Hauptmenge des Productes ausmacht, abzuscheiden, wurde folgendes Verfahren eingeschlagen.

Die rohe Balata wurde in kleine Stückchen zerschnitten und diese einmal mit schwach angesäuertem, kochendem Wasser behandelt, wodurch eine geringe Menge eines gelblichbraunen Farbstoffes entfernt wurde. Die Balata wurde hierauf wiederum getrocknet und zu wiederholtenmalen mit absolutem Alkohol ausgekocht, wodurch ein farbloses Harz in Lösung ging.

Die so behandelte Substanz wurde abermals scharf getrocknet, mit Schwefelkohlenstoff übergossen und an einen warmen Ort gestellt. Die einzelnen Stückchen von Balata quollen hierbei stark auf und lösten sich endlich in einem großen Ueberschusse des Lösungsmittels unter Hinterlassung einer geringen Menge eines braunen, holzigen Körpers zu einer wasserhellen Flüssigkeit auf.

Diese Lösung wurde in einen Kolben gebracht und der Schwefelkohlenstoff auf dem Wasserbade abdestillirt, wobei die Balata in Form einer durchscheinenden weißen Haut zurückblieb.

Diese Haut wurde herausgenommen, mittelst einer Schere in feine Streifen zerschnitten, diese zu wiederholtenmalen mit Aetheralkohol ausgekocht, und hierauf in der Glocke der Luftpumpe über Schwefelsäure getrocknet. Zum Behufe der Analyse wurde dieselbe im Platinschiffchen nochmals bei 100° C. scharf getrocknet und ergab bei der Verbrennung folgende Resultate:

I. 0,221 Grm. Substanz lieferten 0,716 Grm. Kohlensäure und 0,228 Grm. Wasser.

II. 0,229 Grm. Substanz gaben 0,747 Grm. Kohlensäure und 0,2338 Grm. Wasser.

100 Theile der Substanz enthielten demnach:

I II Mittel
Kohlenstoff 88,34 88,64 88,49
Wasserstoff 11,44 11,31 11,37
–––––––––––––––––––
99,78 99,95 99,86

Diese Zahlen kommen jenen, welche Adriani 29) bei der Untersuchung der reinen Gutta-percha erhielt, ziemlich nahe, denn derselbe gibt an, daß dieser Körper 87,91 Proc. Kohlenstoff und 11,94 Proc. Wasserstoff enthalte.

Den eingetrockneten Milchsaft des Bully-tree, aus welchem die |83| Balata dargestellt wird, habe ich ebenfalls einer Elementaranalyse unterworfen und gefunden, daß derselbe in 100 Gewichtstheilen 81,31 Gewichtstheile Kohlenstoff und 10,17 Gewichtstheile Wasserstoff enthalte. Diese Substanz ist demnach sauerstoffhaltig, eine Eigenschaft, welche bekanntlich auch dem eingetrockneten Milchsaft der Gutta-percha und des Kautschuks zukommt. (Aus den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften, Bd. LIX, II. Abth., Januarheft von 1869.)

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Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie für 1860, S. 496.

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