Titel: Siemens, über Gußstahl-Fabrication mittelst Regenerativ-Gasöfen
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193, Nr. LVIII. (S. 213–221)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/ar193058

LVIII. Neue Verfahrungsarten zur Gußstahl-Fabrication mittelst Regenerativ-Gasöfen von Ingenieur Carl Wilhelm Siemens in London.

Aus Armengaud's Génie industriel, Mai 1869, S. 255.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Der Gußstahl kann nach dem neuen Verfahren direct aus den Erzen erzeugt werden, oder aus Roheisen (vorzugsweise manganhaltigem) und Stabeisen (oder Stahlabfällen), sowie auch aus vorher in einem Flammofen behandelten Puddelstahl- oder Stabeisenluppen.

Bei der den Gegenstand des neuen Patentes bildenden Anordnung werden sehr hohe, vertical stehende Rümpfe oder Trichter angewendet, deren untere Oeffnungen sich direct über dem Metallbad befinden, um ein allmählicheres und gleichförmigeres Niedergehen der Erze in den Ofen zu vermitteln, damit das in diesen Trichtern reducirte schwammige Metall dem oxydirenden Einfluß der Flamme möglichst wenig ausgesetzt wird.

Zur Beförderung der Reduction in diesen Trichtern sind dieselben mit Heizcanälen oder Heißluftkammern umgeben, durch welche die im Ofen entwickelte Wärme circulirt. In jedem der verticalen, zur Aufnahme der Erzbeschickung dienenden Rümpfe befindet sich ein Rohr, welches Kohlenoxyd (oder ein anderes reducirendes Gas) zuleitet und nahe an der Basis der verticalen Erzsäule ausmündet.

Ist das zu verhüttende Erz in staubförmigem Zustande, wobei es von den zugeführten reducirenden Gasen nicht gehörig durchdrungen werden kann, so mengt es Siemens mit reducirend wirkenden und durchdringbaren |214| Substanzen, wie kleinen Holzstücken, Sägespänen, gedörrtem Torfe, Holzkohle, und entweder gleichzeitig mit diesen Substanzen oder für sich allein mit Pech, Asphalt oder Oelen. In letzterem Falle kann die Zuleitung von reducirendem Gase wegfallen.

Beim Beginne des Betriebes ist es im Allgemeinen empfehlenswerth, aus Roheisen, welches durch die Seitenthüren des Ofens eingetragen wird, ein Metallbad herzustellen, indem dadurch die Schmelzung des in den Trichtern (Rümpfen) entstandenen schwammförmigen Eisens sehr begünstigt wird. Mit dem Erze können die Stabeisen- oder Stahlabfälle, die Drehspäne etc. oder zerschlagenes Roheisen in die Trichter aufgegeben werden, so daß diese Zuschläge gleichfalls durch die letzteren in das Metallbad gelangen; ebenso kann man Stabeisen durch die Seitenthüren in das Bad eintragen.

Will man zur Erzeugung des Gußstahles bloß Stabeisen und das eingeschmolzene Roheisen verwenden, so kann man anstatt verticaler Trichter oder Schächte, geneigte Canäle anordnen, aus welchen man die Stabeisenstäbe, alten Schienen etc. durch ihre eigene Last in das Metallbad hinabsinken läßt, so daß sie in diesem vom unteren Ende des Canales aus einschmelzen. Dabei kann man einem Theile der Flamme eine solche Richtung geben, daß sie durch den Canal oder Rumpf hindurchschlägt und das einzuschmelzende Eisen beim Niedergehen vorwärmt, ohne daß die Temperatur des Ofens erniedrigt wird.

Man kann auch, was sehr vortheilhaft ist, die gedachten Rümpfe mit weißem Roheisen beschicken und zu der erforderlichen Entkohlung desselben eine oxydirende Flamme benutzen, indem der in den Regenerativ-Gasofen gelangende Sauerstoff eine sehr hohe Temperatur besitzt und somit zu diesem Zwecke vortrefflich geeignet ist. Die Entkohlung wird durch Umrühren des flüssigen Metalles, sowie durch Zuschlagen von reinem oxydischem Erz, welches auf die Oberfläche des Bades gebracht wird, befördert. Am Schlusse jeder Operation kann man dem Bade, gleichviel welche Substanzen zu der Beschickung verwendet wurden, vor dem Abstechen eine geeignete Menge Spiegeleisen oder Mangan zusetzen, und so das Ausbringen an Stahl erhöhen.

Das zu dem ersteren Verfahren anzuwendende Erz muß vorzugsweise ein von Bergart, Schwefel und Phosphor möglichst freies oxydisches Erz seyn. Vorzüglich geeignet sind Magneteisenstein, Hämatit und abgerösteter reichhaltiger Spatheisenstein; man kann jedoch auch jede andere gehörig zusammengesetzte Möllerung anwenden, wenn sie genug schlackenbildende Bestandtheile, z.B. außer Kieselsäure die erforderliche Menge |215| Kalkerde oder Magnesia, enthält, so daß man der Nothwendigkeit besonderer Zuschläge enthoben ist.

Der zum Rösten der späthigen Erze und zum Brennen des anzuwendenden Kalkes von Siemens benutzte Ofen weicht von einem gewöhnlichen Kalkofen nicht ab, aber die zuzubrennende Substanz wird ohne Beimengung von festem Brennstoff an der oberen Mündung aufgegeben. Das gasförmige Brennmaterial wird dem Ofen an seiner Peripherie in einer gewissen Höhe über dem Boden zugeführt, und auch im Centrum mittelst eines unter einer Haube aufsteigenden Canales. Die atmosphärische Luft zieht in den Ofen durch die am Boden desselben angebrachten Ausziehthüren, erhitzt sich hier durch die gebrannte Masse, kommt dann mit den einzelnen Strömen des gasförmigen Brennstoffes in innige Berührung, und verbrennt denselben vollständig, wodurch eine intensive Hitze erzeugt wird. Die entstandenen Verbrennungsproducte, sowie die Kohlensäure steigen durch die über ihnen befindliche Masse des Röstgutes oder Kalksteines auf, führen dabei die entwickelten Wasserdämpfe mit sich fort, wärmen die Masse vor, ehe dieselbe der eigentlichen Hubrennhitze unterworfen wird, und entweichen aus der Gichtöffnung mit verhältnißmäßig niedriger Temperatur.

Einer der Vortheile dieses Rost- und Brennofens besteht darin, daß die Verbrennungsproducte denselben in Form von Kohlensäure, anstatt von Kohlenoxyd, mit dem Stickstoff gemischt verlassen, wodurch eine bedeutende Brennmaterialersparniß erzielt wird. Ein anderer Vortheil liegt in der Abwesenheit der bei der gebräuchlichen Anwendung von festem Brennmaterial kaum vermeidlichen Asche, sowie in dem regelmäßigen Betriebe, welcher sich durch Regulirung des Gaszutrittes bei continuirlichem Gange des Ofens erzielen läßt. Der Ofen ist außen mit einer oder mehreren Gallerten, sowie mit Oeffnungen zum Einführen von Gezähen versehen, mittelst deren das Röst- oder Brenngut, falls es sich versetzen und nicht ungehindert niedergehen sollte, umgerührt werden kann.

Der Zug der Luft und des Gases durch die zuzubrennende Masse läßt sich beschleunigen, indem man auf dem Ofen eine Esse anbringt und in diese einen Dampfstrahl einführt.

Solche Oefen können mit Vortheil zum Rösten von Erzen, sowie zum Brennen von Kalk, Cement und Gyps benutzt werden.

Wir wollen nun mit Hülfe der beigegebenen Abbildungen die neuen Siemens'schen Apparate näher beschreiben. Fig. 1421 zeigen die beiden Haupttypen der zur Massengußstahlerzeugung bestimmten Oefen; der eine Typus ist speciell zur Verhüttung von oxydischen oder anderen |216| Eisenerzen, der andere zur Verwendung von Eisen- oder Stahlschienen (Masseln) und Roheisen, oder von Roheisen allein bestimmt.

Fig. 14-17 zeigen die Anordnung eines zur directen Erzeugung des Stahles aus den Erzen dienenden Ofens.73) Fig. 14 ist ein Längsschnitt, Fig. 15 ein Querschnitt durch den Ofen und den Regenerator; Fig. 16 eine Vorderansicht und zugleich ein Schnitt durch die Gascanäle nach der Linie 1–2 der Fig. 15; Fig. 17 ist ein Horizontalschnitt nach der Linie 3–4 der Fig. 14.

Die Gaserzeugungsapparate sind in den Zeichnungen weggelassen; sie können nöthigenfalls ziemlich weit von den Oefen entfernt stehen.

Die Gase werden durch den Canal A zugeleitet und durch das Reversirventil B abwechselnd in die Regeneratoren C und geführt, von denen aus sie, nachdem sie sich erhitzt haben, in den zur Rechten und dann in den zur Linken des Arbeitsraumes D befindlichen Ofen treten; die Gase mischen sich dann mit der abwechselnd aus den Regeneratoren E und zuströmenden heißen Luft und verbrennen.

Der Zutritt der atmosphärischen Luft in die Regeneratoren E und wird durch das Reversirventil regulirt, die Verbrennungsproducte entweichen schließlich durch den Canal .

Das Gewölbe und die Seitenmauern des Arbeitsraumes D werden aus dem feuerfestesten Material construirt (aus den besten Quarz- oder Dinasteinen), während zur Sohle ein Gemenge zweier Sandarten benutzt wird, wovon die eine weiße fast aus reiner Kieselsäure besteht und für die Praxis als unschmelzbar betrachtet werden kann, während die andere ein rother Sand ist, welcher in der Ofenhitze alt seiner Oberfläche schmilzt und den weihen Sand so verkittet, daß sich eine harte und undurchdringliche Rinde zur Aufnahme des Gußstahles bildet. Ein Gemenge von 2 bis 3 Thln. des weißen Sandes mit 1 Th. von der rothen Sorte scheint dem Zwecke am besten zu entsprechen; von Wichtigkeit ist es jedoch, daß beide Sorten auf das Innigste mit einander gemengt und in ganz trockenem Zustande in den Ofen eingetragen werden.

Die Oberfläche des Sandes bildet, wie auch in den Figuren angedeutet worden, eine flache Vertiefung, und damit die Rinde derselben eine gewisse Stärke erhält und fest genug wird, werden die letzten Portionen des Sandes in dünnen Schichten eingetragen, wenn der Ofen schon schweißwarm geworden ist.

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In dem Gewölbe sind zwei kreisförmige Oeffnungen angebracht, durch welche das Innere des Ofens mit den cylindrischen Kammern F, F in Verbindung steht. Letztere sind aus Schmiedeeisenplatten hergestellt und mit einem Ziegelsteinfutter versehen; sie sind an dem oberen Boden G aufgehängt, damit sie nicht auf das heiße Ofengewölbe drücken und die Verbindungsstellen sind mit Thon gedichtet.

Der obere Theil der Kammern F, F' communicirt mit einer Esse vermittelst der Röhren H, H', welche mit Regulirregistern h (Fig. 15) versehen sind. In der Mitte dieser Kammern befinden sich die verticalen Röhren I und I', welche mittelst der Ansatzstücke i und i' bis beinahe auf die Oberfläche des Herdes hinabreichen, wie aus der Zeichnung ersichtlich ist. Diese Röhren bestehen aus Gußeisen und sind am obersten Theile der Kammern F, F' aufgehängt; ihr Durchmesser nimmt nach unten hin etwas zu; ihre unteren Ansatzstücke i, i' bestehen aus dem feuerfesten Thon, aus welchem die gewöhnlichen Gußstahlschmelztiegel angefertigt werden und sind an den Röhren mittelst Bajonnetschluß befestigt.

Die Röhren I und I' dienen als Rumpf zur Aufnahme und zum Weiterführen der Erze, mit welchen der Ofen beschickt werden soll; die zur Reduction dieser Erze bestimmten Gase werden in die Masse derselben durch die engen Röhren J und J' zugeführt. Die Gase werden mittelst eines durch das Rohr l zugeleiteten Dampfstrahles in den unteren Theil eines mit Kohks oder anderem lockerem Material gefüllten Waschapparates L (Fig. 14) getrieben; auf das Füllmaterial läßt man ununterbrochen Wasser fließen, welches durch einen zu diesem Zwecke am Rande des Untersatzes angebrachten Ueberfall abzieht.

Auf diese Weise werden die Gase gewaschen, um sie von sauren Dämpfen, Schwefligsäure etc. zu befreien. Man kann die Gase auch zur vollständigeren Reinigung über Aetzkalk streichen lassen und sie nöthigenfalls durch einen Wärmapparat leiten, bevor sie durch das Rohr in die gußeiserne Leitung M und aus dieser in die Röhren J, J' treten.

Diese Röhren hängen an dem transversalen Gasleitungsrohre M, und unmittelbar über ihnen sind mit Pfropfen versehene Oeffnungen m, m' angebracht, daher die Röhren leicht herausgezogen und gegen neue ausgewechselt werden können, wenn sie durch die Hitze der unteren Theile der Rümpfe unbrauchbar geworden sind.

Der die Verbindung zwischen den Ansatzstücken i, i' und den eisernen Röhren I, I' vermittelnde Bajonnetschluß gestattet die letzteren bei Unfällen oder Abnutzung ebenfalls leicht auszuwechseln.

Die Arbeit bei einem so eingerichteten Ofen ist die nachstehende. Nach dem Anheizen werden die oberen Enden der cylindrischen Kammern |218| F und F' mit ihren Deckeln verschlossen; nachdem die Temperatur bis zur Weißglühhitze gestiegen ist, ersetzt man die letzteren durch die Rümpfe I, I'. Sobald diese an ihrer Stelle sind, gibt man eine kleine Gicht Holzkohle, und dann das Erz oder die aus dem Erze, dem Reductions- und dem anzuwendenden Flußmittel bestehende Beschickung auf, bis die Rümpfe gänzlich gefüllt sind. Hierauf läßt man durch die gleichfalls vorher eingesetzten Röhren J, J' das reducirende Gas einströmen und regulirt den Zutritt desselben nach den Umständen mittelst eines Dampfstrahles. Auch die Register h, sowie die Röhren H, H' werden geöffnet, damit ein Theil der Flammen aus dem Ofen in die ringförmigen Räume tritt, welche die Rümpfe I, I' in den Kammern F, F' umgeben, so daß die Rümpfe zum Rothglühen erhitzt werden. In demselben Zeitpunkte setzt man durch die Seitenöffnungen O, O' (Fig. 15 u. 16) das Roheisen in den Ofen ein, welches in Fluß kommt und unterhalb der Rümpfe auf dem Herde ein flüssiges Metallbad bildet.

Das in Folge der Einwirkung der Reductionsmittel und der gleichzeitigen äußerlichen Erhitzung der Rümpfe reducirte schwammartige Eisen wird, sobald es mit dem Metallbade in Berührung kommt, von diesem rasch absorbirt und die Erdverbindungen lösen sich zu einer Schlacke, welche als Schaum an die Oberfläche des Bades steigt. In dem Maaße als das durch die Reduction der Erze in den Rümpfen entstandene schwammige Eisen sich im Metallbade löst, gibt man frische Chargen der Beschickung auf, welche in den Reductionscylindern allmählich niedergehen und dabei reducirt werden.

Die Temperatur des Ofens wird auf Stahlschmelzhitze erhalten. Von Zeit zu Zeit muß man untersuchen, ob das Metallbad gehörig flüssig bleibt; sollte dasselbe dickflüssig zu werden beginnen, so müßte man durch die Seitenöffnungen O eine gewisse Menge Roheisen zuschlagen, indem man die Stücke desselben auf die schrägen Ränder legt, von denen sie in das Bad hinabschmelzen, welchem dadurch frischer Kohlenstoff zugeführt wird.

Die Schlacken werden von Zeit zu Zeit durch die Oeffnung P' abgezogen, welche vortheilhaft etwas tiefer angebracht wird als die Beschickungsthüren P, wie dieß bei dem modificirten Ofen (Fig. 20 u. 21) angezeigt ist.

Nachdem sich eine hinlängliche Menge von geschmolzenem Metall auf dem Bade angesammelt hat, werden gußeiserne Scheiben, welche auf ihrer inneren Wandung mit feuerfestem Thon beschlagen sind, auf das in den Rümpfen befindliche Erz gebracht. Diese Scheiben sind aus zwei Theilen angefertigt, damit man sie leichter und bequemer einführen kann.

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Zu diesem Zwecke sind auch die Gaszuführungsröhren J und J' mit einer centralen Oeffnung versehen und beide Hälften jeder Scheibe werden durch einen an Ohren befestigten starken Metalldraht zusammengehalten, welcher eine Art Henkel bildet. Nachdem diese Scheiben in Folge der Belastung mit dem neu aufgegebenen Erze so weit niedergegangen sind, daß sie die Verbindungsstelle des gußeisernen Rumpfes mit dem aus Thon bestehenden Ansatzstücke passirt haben, ruht der an ihnen befestigte Draht auf dem Gasrohr M und verhindert ihr weiteres Niedergehen. Nachdem die unterhalb der Scheibe befindliche Charge vom Metallbade absorbirt worden, wird dasselbe gehörig umgerührt und der Probe unterworfen.

Die Schlacke erscheint bei geringem Eisengehalte hellbraun oder hellgrün; ist sie dagegen schwer und dunkelfarbig, und zeigt sich das unter ihr befindliche Metallbad dickflüssig oder sogar zu kleinen Massen von geschmeidigem Eisen vertheilt, so muß man durch die Seitenthüren oder die Rümpfe O mehr Roheisen zusetzen; auch ist es in diesem Falle zu empfehlen, Holzkohle auf das flüssige Bad zu werfen.

Die Temperatur des Ofens muß, wie schon erwähnt, auf Stahlschmelzhitze erhalten, auch muß das Bad, nachdem das Roheisen in Fluß gekommen, sogleich umgerührt werden. Bleibt die Schlacke dunkel, so ist dieß ein Beweis, daß die mit dem Erze aufgegebene Menge erdiger Substanzen zur Bindung der vorhandenen Kieselsäure nicht ausreichend war; in diesem Falle muß man gebrannten Kalk zuschlagen, welcher sich rasch mit der Schlacke verbindet, daher das in derselben enthaltene Eisen frei wird und sich nun mit dem darunter befindlichen Metallbade vereinigen kann. Die zurückbleibende Schlacke muß durch die mittlere Oeffnung P', deren Thür bis beinahe zur Oberfläche des Bades hinabreicht, wenn dasselbe gefüllt ist, mittelst Gezähen abgezogen werden.

Dann nimmt man mittelst eines Löffels oder einer kleinen Schaufel eine Probe aus dem Bade, löscht dieselbe, während sie noch rothglühend ist, in Wasser ab, und probirt sie nun mit Hammer und Feile. Läßt sich die Probe nur schwierig zerschlagen und wird sie leicht von der Feile angegriffen, so ist dieß ein Beweis, daß das Metall einen Kohlenstoffgehalt von nur 0,1 bis 0,2 Proc. hat und daß es die gewünschten Eigenschaften besitzt; bricht sie dagegen leicht und läßt sich schwierig feilen, so muß das Bad unter der Einwirkung einer (durch Verminderung des Gaszutrittes erzeugten) oxydirenden Flamme umgekrählt werden, bis das Metall die erforderlichen Eigenschaften angenommen hat.

Nachdem dieses der Fall ist, setzt man durch die Seitenthüren 3 bis |220| 8 Proc. Eisenmangan74) oder Spiegeleisen zu, und sobald dasselbe in Fluß gerathen ist, wird mäßig umgerührt, worauf das Metall zum Abstechen fertig ist.

Die Gießpfanne T, welche in Fig. 21 im Durchschnitt dargestellt ist, gehört zu einer anderen Anordnung des Stahlschmelzofens; sie ruht auf Rädern, ist in gewöhnlicher Weise ausgeschlagen und wird innerlich mittelst der Gasflamme oder eines schwachen Kohksfeuers vorgewärmt. Man fährt sie nun unter das Stichloch S; hierauf wird der Sand aus letzterem herausgenommen und bei Seite geräumt, bis man auf die mit dem Metallbade in Berührung stehende harte Rinde des Sandherdes kommt, worauf diese mittelst einer Brechstange von der unteren Seite aus durchstoßen und das Metall abgestochen wird.

Hiernach wird die Gießpfanne auf Schienen zu der Gießgrube gefahren, in welcher Gießformen von verschiedener Größe und verschiedener Gestalt stehen, welche nach einander durch Lüften des Zapfens t der Pfanne (mit Hülfe eines Hebels) gefüllt werden.

Die erhaltenen Zaine werden auf gewöhnliche Weise unter dem Hammer oder zwischen Walzen bearbeitet.

Ist der Ofen leer und nöthigenfalls der Herd durch Einbringen von frischem Sand und Verschließen des Stichloches ausgebessert, so werden die Drähte, welche die erwähnten Scheiben halten, an ihrem oberen Ende durchgeschnitten, so daß die Scheiben in Folge des Druckes der auf ihnen lastenden Erzgicht auf die Herdsohle hinabsinken, worauf eine neue Charge in der beschriebenen Weise niedergeht.

Die aus feuerfestem Thon bestehenden Ansatzstücke i und i' können wegbleiben, wenn der eiserne Theil der Rümpfe gehörig verlängert wird und dieselben beim Beginne des Betriebes mit einer zur Herstellung des absorbirenden Bades genügenden Roheisenmenge beschickt werden. Diese Anordnung ist in Fig. 18 und 19 dargestellt. Erstere ist ein Längsschnitt, letztere ein Querschnitt dieses zweiten Ofenmodelles.

Aus den Abbildungen ist ersichtlich, daß der Rumpf in diesem Falle bloß aus gußeisernen, durch Bajonnetschluß mit einander verbundenen Röhren I besteht, welche durch die Kammer F hindurch bis auf die Sohle des Herdes D hinabgehen, wo sie mit dem Erze schmelzen. Sobald sie in Fluß gerathen sind, werden von der Bühne G aus neue Röhren aufgesetzt und wieder mit Erz beschickt. Der obere Theil der Kammer F steht in diesem Falle nicht mit einer Esse in Verbindung, wie bei der |221| vorhergehenden Anordnung; die in diese Kammer aufsteigenden Gase entweichen um den niedergehenden Rumpf in die Atmosphäre.

Die übrigen Theile des Ofens und sein Betrieb sind dieselben wie bei der ersten Anordnung, bedürfen daher keiner Beschreibung.

Fig. 20 und 21 sind der Längs- und Querschnitt einer anderen Ofencombination, welche zur Darstellung von Gußstahl aus Stabeisen (oder Stahlabfällen) und Roheisen oder aus Roheisen allein bestimmt ist.

Bei dieser Anordnung sind die senkrecht stehenden Rümpfe durch geneigte Rümpfe I' ersetzt; durch diese werden die Stabeisenstangen, alten Schienen etc. von der Bühne G aus in den Ofen hinabgeschoben, so daß sie mit ihren unteren Enden auf der Herdsohle ruhen.

Gleichzeitig wird der Ofen durch die seitlichen Oeffnungen O mit dem Roheisen beschickt; dieses geräth in Fluß und bildet ein Bad, in welchem die Eisenstangen oder Schienen sich lösen.

Da die letzteren allmählich in dem Rumpfe I' niedersinken, so steigt ein Theil der Verbrennungsproducte in sehr heißem Zustande in demselben auf und erhitzt die Eisenstangen etc., bevor sie in das Bad gelangen, zum Rothglühen. Bei Anwendung von Roheisen allein, wobei Weißeisen genommen werden muß, beschickt man den Ofen mit diesem Material durch die Rümpfe in derselben Weise, wie mit dem Stabeisen oder dem Stahle, jedoch muß in diesem Falle die Menge des dem Ofen zuzuführenden Gases vermindert und der Zug der Esse verstärkt werden, indem man einen Strom von intensiv erhitzter Luft auf das Metall treibt, um dasselbe zu entkohlen.

Diese Entkohlung läßt sich durch zeitweiliges Umrühren des Bades, sowie durch Zuschlag von Eisenoxyd (vorzugsweise titanhaltigem Magneteisensand, durch welchen die Qualität des erzeugten Stahles verbessert wird) sehr befördern.

Nachdem sich eine hinlängliche Metallmenge in dem Bade angesammelt hat und die chemischen Eigenschaften dieses Bades durch eine genommene Probe ermittelt und nöthigenfalls in der oben angegebenen Weise regulirt worden sind, schlägt man durch die Seitenthüren P und die Oeffnungen O 4 bis 8 Proc. Spiegeleisen zu und bewerkstelligt das Abstechen etc. wie bei Anwendung des zuerst beschriebenen Ofens.

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Wir verweisen auf die Abhandlung von C. Wilhelm Siemens in London „über Fabrication von Gußstahl, unmittelbar aus Eisenerzen, mittelst Regenerativ-Gasöfen“ im polytechn. Journal Bd. CLXXXIX S. 227 (erstes Augustheft 1868).

A. d. Red.

|220|

Nach Prieger's Verfahren (polytechn. Journal Bd. CLXXVII S. 303) dargestellt.

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