Titel: Bretonnière's Verfahren zum Graufärben von Leinengarn etc.
Autor: Barreswil,
Fundstelle: 1869, Band 193, Nr. LXXXVII. (S. 325–327)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/ar193087

LXXXVII. Ueber ein Verfahren zum Aechtgran-Färben von Bretonnière & Comp. in Laval (Mayenne); Bericht von Barreswil.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Juni 1869, S. 335.

Der Erfinder benutzt das schwarze Schwefelquecksilber, welches sich durch doppelte Zersetzung bildet, um hauptsächlich auf Leinen- oder Hanfgarn ein mehr oder weniger dunkles Grau zu erzeugen.

Das Verfahren besteht in Folgendem: Man bereitet sich salpetersaures Quecksilberoxydul durch Auflösen von Quecksilber in seinem gleichen Volum gewöhnlicher Salpetersäure; dasselbe wird mit mehr oder weniger Wasser verdünnt, je nach der gewünschten Nüance.

Die Garne und Gewebe werden in dieses Bad getaucht, dann ausgerungen und hernach in ein Bad von Schwefelkalium getaucht; man verwendet 1 Kil. Schwefelkalium auf 18 Kil. Gespinnste oder Gewebe, mehr oder weniger nach der gewünschten Nüance. Nach diesem Eintauchen, welches eine halbe Stunde dauert, läßt man die Gespinnste und Gewebe kurze Zeit abtropfen und spült sie in Flußwasser; sie werden dann ausgerungen und entweder an freier Luft oder in einer geheizten Hänge getrocknet.

Nach diesem Verfahren erhält man eine sehr gleichförmige Farbe von der im Handel beliebten Nüance.

Nach Angabe des Erfinders kommt das Grau nach diesem Verfahren um 15 Centimes per Meter Gewebe höher zu stehen, als nach dem gewöhnlichen Färbeverfahren mit Eisensalzen und Galläpfeln etc.; die erzielte Farbe ist aber gewiß schöner, überdieß widersteht sie den atmosphärischen Agentien besser, und wird auch von Säuren und Lauge weniger angegriffen.

Ihre Unveränderlichkeit ist jedoch keine absolute; sie wird durch das Chlor zerstört (daher solche grau gefärbte Leinenzeuge nicht mit Javellischer Lauge behandelt werden dürfen).

Man hat es getadelt, daß der Erfinder die Anwendung eines Quecksilbersalzes in die Färberei einführt, wogegen er bemerkt, daß keiner seiner Arbeiter von demselben nachtheilige Wirkungen verspürt hat, was ich gern glaube, weil sich giftige Substanzen stets so manipuliren lassen, daß die Arbeiter gegen alle Gefahren geschützt bleiben. Das beim Färben auf den Stoffen erzeugte Schwefelquecksilber dürfte an und für sich als ein unschädlicher Körper zu betrachten seyn; es könnten jedoch Umstände |326| Alsdann legt man auf die trockene Schicht ein Stück schwarzen Tuches recht genau auf, und unterwirft die nackte Seite der Platte der Einwirkung des Tageslichtes. Der Erfolg dieser Operation ist ein wichtiger: die erwähnte eiweißhaltige Schicht, sie mag noch so dünn seyn, hat zwei Oberflächen, eine innere, in unmittelbarer Berührung mit der Glasplatte, und eine äußere, welche nun mit dem Tuche in Berührung ist; die innere Oberfläche bleibt bei der Operation trocken, unlöslich und der Platte vollkommen anhaftend, während die äußere Oberfläche ein hinreichendes Adhäsionsvermögen behält, um auf dieser Schicht eine solche von einer anderen Lösung befestigen zu können.

Die zweite Schicht, welche man nach einer Exposition von einer halben Stunde bis zwei Stunden aufträgt, ist folgendermaßen zusammengesetzt: 300 Gramme Gelatine, 100 Grm. doppelt-chromsaures Kali und 180 Grm.116) filtrirtes Wasser; man läßt sie in derselben Weise trocknen wie die erstere. Diese zweite Schicht bedeckt man nun mit einem auf beliebige Art dargestellten Negativ, bringt das Ganze in einen gewöhnlichen Copirrahmen und exponirt es dem Tageslichte während der für eine vollständige Wirkung desselben erforderlichen Zeit.

Man kann sich durch den bloßen Anblick leicht überzeugen, ob die Wirkung des Tageslichtes auf die (durchsichtige) Platte vollständig erfolgt ist.

Alsdann nimmt man die Platte aus dem Rahmen, legt sie beiläufig eine Viertelstunde lang in Wasser, und läßt sie an der Luft trocknen.

Die somit fertige Platte kann auf der mit den erwähnten Schichten bedeckten Seite nach einer vorläufigen schwachen Befeuchtung mit Wasser vermittelst einer Lederwalze mit Steindruckfarbe überzogen und in der lithographischen Presse abgedruckt werden, und zwar auf Papier aller Art, Pappe oder Gewebe. Von jeder präparirten Platte kann man 500 bis 1000 Exemplare abziehen.

Um beim Drucken ein Zerbrechen der Glasplatten zu vermeiden,

legt sie Albert auf ein hinreichend widerstehendes elastisches Kissen, oder er verstärkt auch die untere Fläche der Glasplatte mit einem Bett von Gyps, Cement etc., welches dem Druck früher als das Glas nachgibt und vor letzterem bei einer unvermuthet starken Pressung zerdrückt wird.

Um beim Druck eine weiße Einfassung um das Bild herum und selbst auf dem Grunde desselben zu erhalten, legt man auf das Bild einen metallenen Rahmen von der entsprechenden Größe.

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Das beschriebene Verfahren gewährt folgende Vortheile:

1) man kann von einer präparirten Platte eine größere Anzahl Bilder (500 bis 1000) abziehen; dieß beruht auf der Anwendung einer zweiten empfindlichen Schicht, welche direct auf eine erste Schicht von analoger Zusammensetzung aufgetragen und in unmittelbare und innige Berührung mit der Negativ-Platte gebracht wurde;

2) die bisher verwendeten kostspieligen Stahlplatten oder lithographischen Steine werden durch die wohlfeilen Platten von Spiegelglas ersetzt. Von einer für den Druck nicht mehr brauchbaren Platte kann der Ueberzug mittelst erwärmter verdünnter Schwefelsäure leicht beseitigt werden;

3) die Durchsichtigkeit der Glasplatte gestattet den Gang der Operation während des Belichtens zu verfolgen;

4) man erhält Abdrücke von unvergleichlicher Reinheit, ohne alles Korn, von einer Weichheit der Mitteltöne die kaum etwas zu wünschen übrig läßt, ohne Flecken und Unregelmäßigkeiten.

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Wahrscheinlich soll es statt 180 heißen: 1800 Grm.

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