Titel: Jettel, über Einlege-Maschinen zur Zündwaarenfabrication.
Autor: Jettel, Wladimir
Fundstelle: 1869, Band 193, Nr. XCVIII. (S. 368–374)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/ar193098

XCVIII. Ueber Einlege-Maschinen zur Zündwaarenfabrication; von Wladimir Jettel.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Eine der wichtigsten Manipulationen im Betrieb der Zündwaarenfabrication ist das Legen der Hölzchen in Rahmen, in welchen sie nachher in Schwefel etc. getunkt sowie getrocknet werden.

Der Wichtigkeit jener Arbeit, schlechtweg „Einlegen“ genannt, entsprechen die vielfachen Bestrebungen von Fabrikanten und Fachmännern, Maschinen für diesen Zweck zu construiren, um einerseits Billigkeit der Arbeit, andererseits Massenproduction selbst bei theilweisem Mangel an Arbeitskraft zu erzielen. Das Problem wurde in neuester Zeit in ziemlich vollkommener Weise gelöst und soll ein Vergleich der hauptsächlichsten Arten der Einlegemaschinen unter einander und mit Handarbeit der Zweck des Nachfolgenden seyn.

Die durch Maschinen oder Handarbeit gelieferten Holzdrähte von 10–48 Zoll Länge müssen auf die einfache Länge von circa 2 Zoll geschnitten werden. Dieß geschieht mit Hülfe einfach construirter Schneidmesser, zu deren Bedienung zwei Arbeiter gehören. Nur bei der Fabrication der Wachszündlichte (wie in Marseille, Lyon, Asti) tritt eine Modification ein, indem hierbei das Schneiden der Wachsfäden unmittelbar mit dem Einlegen derselben in die Tunkrahmen eine Operation bildet.

Die Schneidmesser haben sich in ihrer ersten einfachen Construction fast unverändert erhalten, und Versuche, dieselben umzuändern, d.h. |369| mehr selbstthätig und praktischer herzustellen, scheiterten unseres Wissens immer.

Die Leistung der einfachen Schneidklinge ist, wenn sie von einem geübten Arbeiter bedient wird, 2–2 1/2 Millionen, ein Quantum, welches in vielen Fällen für die tägliche Erzeugung ausreicht. Der Construction einer selbstthätigen Maschine stellt sich als Schwierigkeit der große Vorschub von circa 2 Zoll entgegen, sowie eine Vorrichtung um die Hölzchen nach dem Schnitt geordnet zusammen zu halten. Diese zwei Bedingungen würden die Maschine sehr complicirt machen, daher vertheuern und dieselbe wäre dann in Fällen, wo keine Betriebskraft vorhanden, auch nicht anwendbar.

Das Einlegen der geschnittenen Hölzer ist fast nur noch in ganz kleinen Fabriken auf Handarbeit beschränkt.

Die Tunkrahmen sind Gestelle von Holz oder Eisen, zwischen denen dünne Bretchen liegen, welche die einzelnen dazwischen gelegten Hölzchenreihen auseinanderhalten. Die Größe der Rahmen hängt von der Art des Einlegens ab und sind die gebräuchlichsten Dimensionen:

a für Handarbeit mit 25 – 30 Bretchen à 50 = 1250 – 1500 Hölzchen,

b für für kleine Einlege-Apparate mit 30 – 35 Bretchen à 60 = 1800 – 2100 Hölzchen,

c für für große Einlege-Apparate mit 45 Bretchen à 50 = 2250 Hölzchen,

d für für Einlege-Apparate mit 50 – 56 Bretchen à 100 = 5000 – 5600 Hölzchen.

a sind die Nahmen der Sebold'schen, d die der in Frankreich, der Schweiz etc. gebräuchlichen Einlege-Maschinen.

a und b unterscheiden sich von den letzten außer in der Größe noch dadurch, daß die einzelnen Bretchen mit Riesen versehen und auf der Rückseite mit Tuchstreifen beklebt sind. Letztere sind erforderlich, um bei der schwachen Pression der Nahmen die Hölzchen am Herausfallen oder Verschieben – wodurch bei dem nachherigen Tunken Doppelköpfe gebildet würden – zu verhindern. Bei den zwei letztangeführten Maschinen findet eine kräftige Schrauben- oder Hebelpressung statt, durch welche die Hölzchen auch ohne Riesen und Tuchbelag festgehalten werden.

Bedingungen für richtiges Einlegen sind: Die Hölzchen müssen möglichst fest zwischen den Latten und deren Enden auf einer Seite der Rahmen in einer Ebene liegen; ferner dürfen nie Doppelhölzer gelegt werden und die Hölzchen müssen sich, nachdem sie getunkt und getrocknet sind, leicht aus den Rahmen entfernen lassen, ohne daß diese große Abnutzung erleiden.

Allen diesen Bedingungen wird beim Einlegen mit der Hand entsprochen; doch kann trotzdem diese Methode wegen ihrer Kostspieligkeit nicht mehr angewendet werden. Man bezahlt durchschnittlich für das |370| Einlegen von 10–12 Rahmen à 1200 Hölzchen mit der Hand einen Silbergroschen, somit pro Million (voll), wozu circa 830 Rahmen gehören, 2 Thlr. 23 Sgr. – eine bei den jetzigen Preisverhältnissen der fertigen Waare unerschwingliche Auslage.

Die kleinen Einleg-Apparate für die sub b angeführten, sowie die großen Einlege-Maschinen für die Rahmen zu 5000 und 5600 Hölzchen sind nach gleichem Princip construirt, weßhalb ich bloß letztere als die vollkommenere Art speciell besprechen will.

Die Rahmen für diese Maschine bestehen aus dem eisernen Gestell m, m, m, Fig. 28, dessen Theile aus Façoneisen zusammengenietet sind. Die Bretchen haben an den Enden einen zapfenähnlichen Ausschnitt, mit welchem sie zwischen den coulissenartigen Theilen des Gestelles liegen. Gegen das obere Ende zu ist letzteres mit Schlitzen versehen, durch welche beim Verschluß des Rahmens die an dem Querstück k befindlichen Riegel i, i geschoben werden. Die Nahmen haben leer, d. i. ohne Bretchen und Hölzchen ein Gewicht von circa 5 3/4 Pfd., mit letzteren gefüllt von circa 12–13 Pfd.

Die Manipulation des Einlegens an der Maschine, Fig. 29, ist folgende:

Der leere eiserne Rahmen wird auf den in Führungen (a, a) gehenden, durch die Gewichte g balancirten Theil b aufgesetzt. Die geschnittenen Hölzer liegen geordnet in dem Kasten c, aus welchem sie, wenn dessen Boden entfernt wird, bis auf die geriefte Platte d gelangen können. Durch das Rütteln des beweglichen Kastens E, dessen vordere Seite mit einer steifen Bürste versehen, fallen die Hölzchen in die Canäle der Platte d. Nachdem nun in den eisernen Nahmen ein Bretchen gelegt wurde, wird durch den Tritt I der Kasten E und mit ihm die Hölzchen gerüttelt, worauf diese mit dem Rechen r – den der Fußtritt II in Bewegung setzt – auf das vor der Canalplatte liegende Bretchen gestoßen werden. Dieß wiederholt sich, bis der Rahmen voll geworden, d.h. 50–55 Bretchen aufgelegt sind. Hierauf wird bei f ein Winkelhebel eingesetzt, mit diesem der eiserne Schlußtheil k niedergepreßt, die Riegel i zum Einklinken gebracht und die Hölzchen dadurch im Nahmen befestigt. Damit sich diese, so lange sie lose zwischen den Bretchen liegen, nicht verschieben können, gehen sie zwischen den vorstehenden Leisten der Canalplatte l, so daß die Dicke dieser Leisten die geringste Entfernung zweier Hölzchen von einander bestimmt.

Vor Allem muß beim Arbeiten an dieser Maschine darauf gesehen werden, daß in dem Rüttelkasten E nie Hölzchen quer liegen, da solche verhindern daß sich die Canäle in der Platte d füllen und der Nahmen |371| dann viel leere Stellen enthält. Ferner dürfen die Drähte des Rechens nie verbogen seyn und müssen in Folge der raschen Abnutzung öfters durch neue ersetzt werden. Im ersteren Falle kommen doppelte Hölzer, da die aufwärts stehende Spitze des Drahtes außer dem im Canale liegenden Hölzchen auch noch das darüber liegende erfaßt und durch Reibung mit herausführt, oder aber es gehen viele Drähte leer, d.h. sie stoßen gar keine Hölzchen heraus, wenn sie sich durch den Gebrauch dünn geschliffen haben und mit den feinen Spitzen zwischen den Hölzchen durchdringen.

Die Hebelpressung ist ferner nicht genügend stark, um z.B. in dem Falle wo der Arbeiter 2–3 Bretchen mehr auflegt, die Riegel an dem Rahmenverschlußstücke zum Einklinken zu bringen. Die vorstehenden Leisten der Canalplatte l sollen ferner nicht zu dünn seyn, weil dann die Hölzchen zu nahe an einander stehen und dadurch, sobald beim Tunken in Phosphormasse etwas stärkere Köpfe entstehen, Doppelhölzer gebildet werden. Der Effect der Maschine wäre größer, wenn bei denselben Dimensionen des Rahmens etwa 90 statt 100 Hölzchen auf eine Latte zu liegen kämen, wodurch die Entfernungen von einander genügend groß würden, um selbst bei schiefer Lage Doppelhölzer sicher zu vermeiden.

Vortheilhaft an der Maschine ist die Leichtigkeit und Einfachheit der Manipulation, wodurch der Arbeiter schnell in den Stand gesetzt ist, auf Accord eingehen zu können und beim Abgang geübter Leute schnell wieder Ersatz gefunden werden kann. Dagegen ist das Auseinandernehmen und Entleeren der fertigen Rahmen schwieriger und ist dazu eine Maschine fast unbedingt nothwendig.

Die Construction der Sebold'schen Einlege-Maschinen basirt auf dem Princip, die Hölzchen nicht reihenweise nach einander, sondern den ganzen Rahmen auf einmal voll zu legen. Letztere, Fig. 30, bestehen aus einem hölzernen Querstücke n mit daraufgeschraubten eisernen Säulen n', n', die gegen das obere Ende zu mit einigen Löchern versehen sind, durch welche beim Schlusse des Rahmens die eisernen Stifte o, o gesteckt werden. Der Rahmen a, Fig. 31, wird, nachdem er in die Maschine gelegt, auf eine äußerst sinnreiche Weise so geöffnet, daß zwischen je zwei Latten offener Raum bleibt, in welchen die, in dem Kasten (b) befindlichen Hölzchen durch eine 5 – 6malige Kurbeldrehung fallen, worauf der Rahmen geschlossen, durch die Schraube (c) festgesetzt und durch Vorstecken der Stifte o, o (Fig. 30) befestigt wird. Diese gesammten Manipulationen dauern nicht länger als eine Minute pro Rahmen, so daß auf einer Maschine in 10 Stunden 550 – 600 Rahmen eingelegt werden.

|372|

Vortheilhaft an der Maschine ist die starke Pressung der Nahmen. Die Hölzchen liegen, trotzdem die Bretchen ohne Tuchstreifen etc., unverrückbar fest und auf der Tunkseite vollkommen in einer Ebene, so daß jedes nachherige Klopfen oder Pressen unnöthig ist. Ferner werden selbst bei schiefer Stellung der Hölzchen – wegen deren großer Entfernung von einander – nie Doppelköpfe gebildet. Sind die Hölzchen nicht gar zu rauh und unegal, so bleiben selten mehr als 20 – 25 Stellen im Rahmen leer und der starken Pression wegen entsteht auch beim nachherigen Schwefeln und Tunken kein weiterer Abfall. Ein weiterer Vortheil liegt darin, daß die Rahmen beim Entleeren, resp. Ausnehmen nie auseinander genommen werden, demnach keine Bretchen gebrochen und verloren gehen können, wie dieß bei allen anderen nur zu sehr der Fall ist.

Der Nachtheil, den einige Fabrikanten finden wollen, daß die Hölzchen durch die starke Pressung eingekerbt werden und beim Anstreifen leichter brechen sollen, ist zu geringfügig und unbedeutend, und wiegt noch nicht einen der Vortheile dieser Maschinen auf. Ueberdieß ist es gar nicht nothwendig, eine so starke Pression auszuüben, daß der erwähnte Uebelstand eintreten kann.

Die Einlege-Maschinen von G. Sebold haben sich beispiellos rasch allseitig Anerkennung verschafft (dem Vernehmen nach sind schon über 300 Exemplare aus dieser Fabrik hervorgegangen), und verdrängen immer mehr die Maschinen anderer Systeme, gewiß der beste Beweis für deren Vorzüglichkeit. – Noch vollkommener wird dieß der Fall seyn, wenn auch die von dem Fabrikanten dieser Maschinen in Ausführung befindliche Auslege-Maschine in die Praxis treten und dadurch die große Lücke im Betrieb der Zündwaarenfabrication, welche sich bisher noch überall geltend machte, ausfüllen wird.120)

Nachstehende Calculation und Aufstellung der Capitalsanlage mag Praktikern einen weiteren Anhalt zur Beurtheilung der Maschinen geben:

Handarbeiterinnen zahlt man in der Regel
pro 10 Rahmen à 1800 Hölzchen einen Sgr., somit
für 1 Million (d.h. eine volle Million und vom
Abfall etc. vorläufig abstrahirt), wozu 500 Rahmen
nöthig sind 1 Thlr. 25 Sgr. 6 Pf.
|373|
Mit kleinen Einleg-Apparaten stellt es sich
etwas billiger, da mit deren Hülfe die Arbeiterin
im Stande ist circa 170 – 180 Rahmen pro Tag
einzulegen. Demzufolge ist der Accordsatz ein
niederer und zwar 15 – 16 Rahmen für 1 Sgr. macht
für obiges Quantum 1 Thlr. 7 Sgr. 6 Pf.
Mit der großen Einlegemaschine I legt eine
Arbeiterin 100 – 110 Nahmen à 5000 Hölzchen
pro Tag ein. Accordsatz: 12 Rahmen – 1 Sgr.
macht pro 200 Rahmen = 1 Million 16 „ 8 „
Mit der Sebold'schen Maschine II legt ein
Arbeiter 550 – 600 Rahmen à 2200 Hölzchen pro
Tag ein; Accordsatz: 25 Rahmen = 1 Sgr., somit
pro 455 Rahmen = 1 Million 18 Sgr.

Da jedoch in jedem Nahmen Hölzchen fehlen, so braucht man zur Erreichung des Quantums von einer Million mehr Rahmen als eben angenommen, etwa 560 statt 555 à 1800 Hölzchen: 216 – 220 statt 200 Rahmen à 5000 Hölzchen u.s.w., wodurch sich die Kosten der Arbeit entsprechend erhöhen. Dieser Ausfall beträgt

bei Rahmen a circa 1/2 – 3/4 Proc.
b 2 – 2 1/2 „
c 7 – 8 „
d 1 – 1 1/2 „

Es stellen sich demnach in Wirklichkeit die Arbeitslöhne für das Einlegen von einer Million Hölzchen in Nahmen je nach den vier angeführten Systemen auf:

1 Thlr. 26 Sgr. – 1 Thlr. 7 Sgr. 10 Pf. – 18 Sgr. 3 Pf. – 18 Sgr. 3 Pf.

Dieser Aufstellung nach erscheinen die beiden letzten Systeme gleich billig; in der Praxis ist dieß aber anders, weil späterhin noch der Verlust beim Tunken in Schwefel und Phosphor in Rechnung zu ziehen, und dieser bei c ungefähr 5 – 6mal größer ist als bei den Sebold'schen Nahmen. Dieser Verlust ist um so empfindlicher, als darunter die Productionsmenge leidet, indem der Arbeiter viel Zeit mit dem Herausfischen der aus den Rahmen in die Phosphormasse gefallenen Hölzchen verliert, daher in einer bestimmten Zeit weniger tunken kann, und dieß andererseits beträchtliche Verluste an Phosphormasse, Schwefel und Holzdraht herbeiführt.

Außerdem spricht die Capitalsanlage noch wesentlich mit, und diese beträgt bei den Maschinen I mehr als das Doppelte der Sebold'schen. Von letzteren kostet

|374|
eine Einlege-Maschine complett 350 Thlr.
dazu 250 Stück Tunkrahmen à 20 Sgr. 166 Thlr.
–––––––
somit in Summa 516 Thlr.

Um in derselben Zeit ein gleiches Quantum zu erzeugen, sind von Maschinen der Art I zwei Stück nothwendig; diese kosten:

2 Maschinen à 300 Thlr 600 Thlr.
100 Stück Rahmen à 2 1/3 Thlr. 230 „
–––––––
in Summa 830 Thlr.

Dazu kommt noch, daß für diese großen schweren Rahmen unbedingt eiserne Ständer in den Trockenkammern angewendet werden müssen, welche einen bedeutenden Capitalsaufwand verursachen. Gewiß ist also obige Behauptung bezüglich des Kostenpunktes der Anlage gerechtfertigt.

|372|

Einer Mittheilung des Herrn G. Sebold zu Folge ist die Auslege-Maschine bereits vollendet und leistet Vorzügliches, da sie täglich 2 – 2 1/2 Millionen, d. i. 11 – 1200 Rahmen auslegt, ohne daß auch nur ein Hölzchen verbrennen kann.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: