Titel: Zeman, über neue Drehwerkzeuge.
Autor: Zeman, Johann
Fundstelle: 1869, Band 193, Nr. CIX. (S. 444–446)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/ar193109

CIX. Neue Drehwerkzeuge; beschrieben von Johann Zeman.

Aus den technischen Blättern des deutschen Ingenieur-Vereines in Böhmen, 1869 S. 41.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

A. Robert's Drehstichel.

Heinrich Robert, Mechaniker in Paris (2, rue du Cherche-midi), liefert seit Kurzem zwei sehr empfehlenswerthe Drehstichel zur Bearbeitung kleiner Stücke aus Metall; dieselben sind in Fig. 21 und 23 in der wirklichen Größe dargestellt.

Was den dreieckigen Drehstichel (burin triangulaire cannelé) in Fig. 21 betrifft, so ist, da die drei Seitenflächen desselben ausgehöhlt sind, dessen Querschnitt – ursprünglich ein gleichseitiges Dreieck – von der Form, wie sie Fig. 22 in vergrößertem Maaßstabe zeigt.

Statt einer Zuschärfungsfläche (Kappe, Schild) sind drei vorhanden, welche sich an einem Punkte, der Spitze, treffen. Auf diese Weise erhält man drei wirksame Schneiden, welche beim Drehen abwechselnd zur Wirkung gebracht werden können, ohne die Auflage verstellen zu müssen.

Durch die Aushöhlung der Seitenflächen wird das Schärfen des Stichels wesentlich erleichtert und beschleunigt, ohne daß die Schneiden an Stärke verlieren; auch wird dadurch eine nicht unwesentliche Materialersparniß erzielt, wenn die Stahlstäbchen S auf einer Ziehbank erzeugt werden.

Die günstigen Eigenschaften eines solchen Werkzeuges sind jedoch schon seit Langem bekannt. In manchen Werkstätten findet man dreieckige Drehstichel, welche zumeist aus alten dreieckigen Feilen hergestellt werden, selbst die Seitenflächen sind hohl ausgefeilt oder ausgeschliffen. Der Werkmeister Johann Tober am deutschen Polytechnicum in Prag versuchte auch schon die Herstellung dieser Stichel aus entsprechend gezogenen Stahlstäbchen.135)

Dem Mechaniker Robert bleibt das Verdienst der ersten fabrikmäßigen Erzeugung und der Einführung dieser Stichel in den Handel, |445| welche er in fünf regelmäßigen Abstufungen Nr. 3 bis 7 verfertigt, deren Querschnitte in Fig. 24 in wirklicher Größe nebeneinander gestellt sind.

Was die Preise loco Paris betrifft, so kostet

der Drehstichel Nr. 3, 4 oder 5 mit Heft pro Stück 1,60 Frcs.
ohne 1,10 „
6 und 7 mit 1,80 „

Uebergehend zu dem zweiten, unseres Wissens neuen Drehstichel, dessen äußere Form sehr an den Grabstichel erinnert, so ist derselbe in Fig. 23 und der Querschnitt in Fig. 24 unter Nr. 8 in wirklicher Größe gezeichnet.

S bezeichnet das dreieckige Stahlstäbchen, dessen Basisfläche ebenfalls ausgehöhlt ist. Der volle Querschnitt, ein gleichschenkliges Dreieck, ist jedoch aus jenem eines Grabstichels abzuleiten, welcher durch einen Diagonalschnitt in zwei gleiche Hälften getheilt wird, wie denn auch der Gebrauch dieses Werkzeuges vollkommen gleich kommt dem eines Grabstichels des Drehers; Robert bezeichnet es mit dem Namen halbviereckiger Drehstichel (burin demi-carré).

Die Reducirung des Querschnittes befördert in erhöhterem Grade wie oben die Möglichkeit eines raschen Schärfens des Stichels, indem die Kappe weniger als die Hälfte Fläche bietet, wobei die Festigkeit des Werkzeuges in Folge der eigenthümlichen Fassung desselben zum großen Theil wenigstens gleich bleibt.

Die Art der Fassung beider Stichel erscheint als eine nachahmungswerthe, wenn auch etwas kostspielige. Sie hat jedoch den entschiedenen Vorzug, daß die Werkzeugslänge bis zu einer gewissen Grenze stets die gleiche bleiben kann, wenn auch der Stahlstab durch das wiederholte Schleifen kürzer wird.

Es ist, wie aus den Abbildungen hervorgeht, das Stahlstäbchen S nicht wie gewöhnlich zugespitzt und in einem Hefte eingesteckt, sondern in eine genau passende, genügend starke Hülse B mit geraden Wänden eingeschoben und diese in dem hölzernen Heft A festgemacht. So oft das Stäbchen sich verkürzt, schiebt man es in der Hülse vor und hindert das Zurückgehen bei den kleineren Sticheln mittelst Wachs oder Siegelwachs, bei größeren aber durch einen eigenen Metallstift s (Fig. 23), welcher gegen das Scheibchen Z und dieses gegen den Stichel drückt; die Feststellung des Stiftes s erfolgt mit Hülfe der Schraube s'.

Da der halbviereckige Drehstichel die quadratförmige Hülse B (Fig. 23) nicht ausfüllt, so dient zur Feststellung desselben das dreiseitige Messingprisma b, welches mit Hülfe des Stiftes t festgestellt ist, damit es nicht an einer Verrückung des Stahlstäbches S theilnehme.

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Die Hülsen sind aus Messing oder einer anderen Metalllegirung angefertigt.

Der Preis des halbviereckigen Drehstichels (Nr. 8) sammt Heft beträgt 1,80 Frcs. Robert's Drehstichel sind somit, was Form, Wirkungsfähigkeit und Preis betrifft, empfehlenswerth.

B. Tober's Drehstahl für hölzerne Schnurrollen.

Wenn es sich darum handelt, eine ansehnliche Zahl gleich großer Schnurrollen (Wirtel), wie für Spinnmaschinen u. dgl. zu erzeugen, so ist es für die Arbeit sehr lästig, jedesmal das Drehen einzuhalten, um sich mit dem Greifzirkel zu überzeugen, ob der Durchmesser der Rolle bereits erlangt ist.

Zur Behebung dieses Uebelstandes verbindet Tober – wie oben erwähnt, Werkmeister am Polytechnicum in Prag, mit dem Drehstahl D, Fig. 27, einen verstellbaren Schenkel B eines Dickzirkels, welcher selbstverständlich entsprechend zugerichtet mit Hülfe der Schraube S in dem nöthigen Abstand d der beiden Spitzen s und s' festgestellt wird.

Beim Drehen hält man den Drehstahl wie gewöhnlich auf der Auflage und läßt die Schneide s' angreifen. Sobald man glaubt, dem wahren Durchmesser nahegekommen zu seyn, hebt man das Heft langsam ohne den Drehstahl vorzurücken und überzeugt sich dadurch sehr leicht, ob auf die gewünschte Dicke abgedreht ist.

Die eigene Herrichtung eines solchen Werkzeuges lohnt sich gewiß durch die Zeitersparniß, resp. Mehrerzeugung an einem Arbeitstage.

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In der Wochenversammlung des Ingenieur-Vereines vom 28. Mai 1869 legte der Vortragende zwei alte Muster solcher von Tober schon vor 20 Jahren aus alten Feilen hergestellten Drehstichel vor.

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