Titel: Legirungen für Klingeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 4 (S. 88–89)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi01_4

Legirungen für Klingeln.

Seit einiger Zeit wird eine bestimmte Sorte Klingeln sehr geschätzt und zwar wegen ihrer hellen, dem Neusilber sehr nahe kommenden Farbe, sowie wegen ihres hohen, hellen und dabei angenehmen Tones; in Folge dieser Vorzüge wird ihr Ursprung sowie ihre innere Beschaffenheit sehr geheim gehalten. Sie sollen aus Schlesien kommen. Um nun deren Zusammensetzung zu ermitteln, unternahm Chemiker G. E. Lichtenberger in Dresden (Dresdener Gewerbevereins-Zeitung) die Analyse mehrerer Stücke von verschiedener Größe:

I. einer größeren Hausglocke,

II. einer kleineren Klingel,

III. einer Schelle zu Schlittengeschirren und endlich zum Vergleich

IV. einer gewöhnlichen gelben Klingel.

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Es ergab sich dabei, daß die sämmtlichen Proben nur aus Kupfer und Zinn bestanden und zwar im Mittel in folgenden Verhältnissen:

I. II. III. IV.
Kupfer = 83,22 83,09 84,50 79,90
Zinn = 16,76 16,80 15,42 20,03
––––– ––––– ––––– –––––
99,98 99,89 99,92 99,93

Es fragt sich nun, ob diese Legirungen etwas Neues sind oder ob man sie in irgend einer Form schon kannte. Die nächste Uebereinstimmung damit zeigt unter allen zu diesem Zwecke aufgesuchten Angaben über Kupfer-Zinn-Legirungen eine solche von 86 Proc. Kupfer und 14 Proc. Zinn, welche als belgisches Lagermetall für schwer belastete Achsen angeführt wurde. Noch bekannter ist die Legirung im Verhältnis von 80 Proc. Kupfer und 20 Proc. Zinn. Ueber die erstere, im Verhältniß von 83 Proc. Kupfer auf 17 Proc. Zinn findet sich dagegen noch keine Angabe, und gerade diese ist es, welche in entsprechender Weise dünn und hart gegossen, dann äußerlich glatt abgedreht, die so gesuchten Glocken bildet. Dazu zeigt sich noch, daß die zu Nr. III der stärkerwandigen Schelle benutzte Legirung etwas mehr Kupfer enthält, daß sie also zäher ist, und scheint somit bei der Herstellung aller ähnlichen Gegenstände in der Fabrik, aus welcher Nr. I-III gleichzeitig stammen, eine ganz genau berechnete Eintheilung getroffen zu seyn. (Deutsche Industriezeitung, 1869, Nr. 24.)

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