Titel: Ueber die Selbstentzündlichkeit mit Leinölfirniß getränkter Papiere; von Eugen Dieterich, techn. Leiter der chem. Fabrik für präparirte Papiere von Jul. Schäfer in Dresden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 6 (S. 91–92)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi01_6

Ueber die Selbstentzündlichkeit mit Leinölfirniß getränkter Papiere; von Eugen Dieterich, techn. Leiter der chem. Fabrik für präparirte Papiere von Jul. Schäfer in Dresden.

Bekanntlich ist der Proceß des Eintrocknens von Oelen und Firnissen der einer Oxydation; weniger bekannt dürfte seyn, welche bedeutende Temperaturerhöhung gleichzeitig damit verbunden ist. Ich machte diese Erfahrung gelegentlich eines Mißfalles, den ich bei der Fabrication von Bauspapier erlebte. An Bauspapier wird nämlich die Forderung gestellt, daß dasselbe so weit geölt ist, um völlig durchsichtig zu seyn, daß es aber auch Bleifeder wie Tusche und Wasserfarbe gut annimmt. Besonders um der letzteren Anforderung zu genügen, kann nur ein austrocknendes Oel oder Firniß, und dieses nur in verdünntem Zustande verwendet werden. Meine Herstellungsmethode ist folgende: Man verdünnt 1 Theil gewöhnlichen, mit Bleioxyd gekochten Leinölfirniß mit 2 1/2-3 Theilen Benzin, je nachdem der Papierstoff mehr oder weniger Oel erfordert, erwärmt das Gemisch in aufrechtstehenden und gutschließenden Blechkästen mittelst Dampf auf 60-700 C. und setzt nun 3-5 Ries Papier auf einmal ein. Die Oellösung muß |92| dabei mindestens 3 Hand hoch das Papier überdecken. Es entsteht sofort durch das Entweichen der im Papier befindlichen Luft ein förmliches Kochen, welches anhält, so lange noch eine Stelle Papier ungetränkt ist, und kann dieser Proceß abgekürzt werden, wenn man dem Oele das Eindringen durch Spalten des Papierstoßes mittelst eines Holzspatels erleichtert. Das Papier wird dann unter einer scharfen Presse vom überschüssigen Oele befreit und in einzelnen Bogen auf dem Dampftische getrocknet, resp. das Benzin verjagt. Ich lasse gewöhnlich von 5 Personen diese Operation ausführen, zwei legen auf und zwei nehmen ab; letztere haben den strengsten Befehl, den trockenen Bogen erst in der Hand erkalten zu lassen, ehe derselbe mit anderen trockenen vereinigt wird; sind circa 12 trockene Bogen fertig, so werden dieselben von der Arbeitskraft Nr. 5 als Lage auf Stäbchen aufgehangen und dem Luftzutritte ausgesetzt. Geschieht dieß nämlich nicht sogleich und solches Papier bleibt nur eine Stunde auf einander liegen, so entzündet es sich von selbst. Ich habe leider einmal diese Erfahrung gemacht und glaubt, das Feuer sey durch Unvorsichtigkeit der Leute entstanden; überzeugte mich aber später, als ich, um die Qualität eines frisch bereiteten Papieres zu prüfen, mit der Hand in das Innere eines Stoßes fuhr, von der wahren Ursache dadurch, daß ich mit die Hand verbrannte und mit bereits der Rauch in's Gesicht stieg. Eigenthümlich dabei ist ein Dunst, der sich beim Aufhängen solcher Papiere bemerklich macht. Derselbe reizt, wie Senföl, auf das Unerträglichste zu Thränen, riecht ähnlich wie Raps, bringt aber noch obendrein heftigen Schwindel und Kopfweh hervor. Möglich, daß diese Gase denen analog sind, welche das Kochen von Leinölfirniß so unangenehm machen, nur hier durch die oft colossale Fläche von Tausenden von Quadratfußen Firnißfläche dem entsprechend concentrirter wirken.

Zur Erklärung der heftigen Einwirkung der Luft auf den Firniß dürften folgende Data genügen. Ein Ries Seidenpapier gewöhnlicher Größe (sog. Sub. Regal) beansprucht zum Präpariren 1 1/2 Pfd. Firniß und hat eine Fläche von 2281 1/2 Quadratfuß Leipziger Maaß. Da die Luft, resp. deren Sauerstoff von beiden Seiten des Papieres auf den Firniß einwirkt, so ist letzterer (1 1/2 Pfd.) auf einer Fläche von 4563 Quadratfuß vertheilt. Da das Papier nur theilweise getränkt ist, so besitzt es Porosität genug, um auch noch in seinem Inneren eine Einwirkung der Luft zu gestatten. (Wittstein's Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie, 1869, Bd. XVIII S. 401.)

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