Titel: Higgin's Darstellung von Anilinschwarz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 9 (S. 93–94)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi01_9

Higgin's Darstellung von Anilinschwarz.

James Higgin, Chemiker in Birmingham, will (nach seinem in England genommenen Patent) das salzsaure Anilin, welches sich als das geeignetste Anilinsalz für die Erzeugung von Anilinschwarz erwiesen hat, anstatt durch directes Zusammenbringen von Anilin mit Salzsäure, dadurch darstellen, daß er auf das Anilin die Chlorverbindung eines geeigneten Metalles einwirken läßt, wodurch salzsaures Anilin ohne überschüssige Säure erhalten wird. Die zweckmäßigsten Chlorverbindungen sind nach Higgin Eisenchlorid und Chromchlorid, und zwar werden bei Anwendung des ersteren auf 100 Maaßtheile käufliches Anilin je nach dessen Sättigungsvermögen 250-280 Maaßtheile einer wässerigen Lösung von Eisenchlorid genommen, deren Eisengehalt einem Gehalt von 12 Thln. Eisenoxyd in 100 Thln. Flüssigkeit entspricht. Bei Anwendung von Chromchlorid werden auf 100 Maaßtheile käufliches Anilin 400-450 Maaßtheile einer wässerigen Chromchloridlösung von 50° Twaddle (= 1,250 specifisches Gewicht, = 30 1/2° Baumé) genommen. Zur Darstellung von Anilinschwarz empfiehlt Higgin anstatt des Schwefelkupfers Schwefelcyankupfer, welches in verdünnten Säuren unlöslich ist, durch das salzsaure Anilin nicht gelöst und in Gegenwart von chlorsaurem Kali nicht oxydirt wird, bevor die Farbe gedruckt und getrocknet ist. Das Schwefelcyankupfer wird dargestellt, indem 2 Thle. krystallisirter Kupfervitriol und 3 Thle. krystallisirter Eisenvitriol in Wasser gelöst werden und hierzu so lange eine Losung von Schwefelcyankalium gesetzt wird, als sich ein weißer Niederschlag bildet. Nachdem dieser |94| Niederschlag sich abgesetzt hat, gießt man die klare Flüssigkeit ab, setzt mit Salzsäure oder Schwefelsäure angesäuertes kochendes Wasser zu dem Niederschlage, rührt gut um, läßt absetzen und gießt dann die klare Flüssigkeit ab. Dieß wird so lange wiederholt, bis der Niederschlag vollständig weiß geworden ist, worauf er auf einem Filter abgetropft wird, bis 1 Liter des Teiges 3 1/2 Pfund wiegt. Mit diesem Teig und den obigen Chlorverbindungen stellt nun Higgin Anilinschwarz als Druckfarbe nach einer der beiden folgenden Vorschriften dar:

I. 5 3/4 Pints33) Wasser und

1 1/4 Pfund Stärke

werden gekocht und dazu

8 Unzen34) gepulvertes chlorsaures Kali

gesetzt. Wenn die Masse ziemlich abgekühlt ist, setzt man

33 Unzen Eisenchloridlösung

von dem oben angegebenen Gehalte, nach vollständigem Abkühlen

12 Unzen käufliches Anilin

und nach gutem Umrühren

1 3/4 Unzen von dem teigigen Schwefelcyankupfer

zu; dann mischt man gut und läßt abtropfen, die Farbe ist nun gebrauchsfertig. Hat das Anilin das durchschnittliche Sättigungsvermögen, so ist kein Ueberschuß von Eisenchlorid vorhanden.

II. Auf

1 1/4 Pfund Stärke werden

5 Pints Wasser

genommen, und zwar wird die Stärke zuerst mit ein wenig Wasser angemacht, dann werden

1 3/4 Unzen Schwefelcyankupfer

und das übrige Wasser zugesetzt und gekocht. Während des Abkühlens werden

8 Unzen chlorsaures Kali

und, wenn die Masse fast vollständig kalt ist,

12 Unzen käufliches Anilin mit

54 Unzen Chromchloridlösung von 500 Twaddle (30 1/2° Baumé)

zugesetzt. Dann wird auf 38° C. erwärmt, bis sich alles Anilin gelöst hat, gut umgerührt und abtropfen gelassen, worauf die Farbe zum Gebrauche fertig ist.

Eine gute Druckfarbe für Anilinschwarz läßt sich auch mit dem gewöhnlichen salzsauren Anilin und Schwefelcyankupfer darstellen, indem man

1 1/4 Pfund Stärke und

1 Gallon (4,5 Liter) Wasser

anwendet, die Stärke zuerst mit etwas Wasser anmacht,

1 3/4 Unzen der Schwefelcyanverbindung

zusetzt, darauf das übrige Wasser dazu gibt und kocht, beim Abkühlen

8 Unzen chlorsaures Kali

und bei fast vollständigem Erkalten

16 Unzen salzsaures Anilin

zusetzt und abtropfen läßt. (Mechanics' Magazine, April 1869, S. 243; deutsche Industriezeitung, Nr. 16.)

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1 Pint = 1/8 Gallon = 0,57 Liter = 1/2 Quart.

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16 Unzen = 1 Pfd.

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