Titel: Anwendung von Eisen als Ersatz des Holzes und der Mauerung beim Grubenausbau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 2 (S. 169–170)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi02_2

Anwendung von Eisen als Ersatz des Holzes und der Mauerung beim Grubenausbau.

Der Eisen-Ausbau ist in den letzten Jahren an zahlreichen Punkten beim Bergwerksbetrieb in Preußen mit dem besten Erfolge versucht worden, sowohl bei dem Streckenausbau insbesondere unter solchen Verhältnissen wo sonst Mauerung erforderlich war, als zum Ausbau größerer Räume, wie Füllörter, Maschinenräume u.s.f.

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Zunächst hat man bei dem Streckenausbau wohl hier und da gußeiserne Stücke an Stelle der Thürstöcke und Kappen angewendet. Auf der Zeche ver. Hannibal bei Bochum (Oberbergamtsbezirk Dortmund) wurde ein solcher Ausbau hergestellt, bei welchem bei einer Streckenhöhe von 7 Fuß und Breite von 8 Fuß die beiden Thürstöcke und die Kappe aus Gußstäben von -Form bestanden. Die Eisenstärke beträgt für den Fuß wie für die Verstärkungsrippe 1 1/2 Zoll, die Breite des Fußes 3 Zoll, die Höhe der Rippe 1 Zoll. Die Stücke sind im Bogen, die Rippe nach innen gerichtet, mit 3 Zoll Spannung nach außen sowohl bei den Thürstöcken als bei der Kappe gegossen. Die Gevierte wurden auf 40 Zoll Abstand eingebaut und die Thürstöcke dabei mit den Füßen auf Holzschwellen gestellt. Die Verschalung erfolgte wie gewöhnlich mit Holzpfählen. Jedes aus 2 Thürstöcken mit Kappe bestehende Geviert wiegt 310 Pfd. und kostet 11 Thlr. Der Ausbau hat sich gut gehalten.

Man ist dann bald zur Anwendung von Stabeisen übergegangen, welches unter allen Umständen größere Garantie gegen das Springen bietet. Vortheilhaft können für den Streckenausbau Grubenschienen stärkerer Dimensionen mit T-förmigem Querschnitt und Vignole-Schienen benutzt werden, welche dem Streckenquerschnitt entsprechend in 2 Hälften, jede bis zur Mitte der Firste reichend, den Steg nach außen, gebogen und am Zusammenstoß in der Mitte der Firste durch ein Laschenpaar mit 4 Schrauben verbunden werden. Man hat sie auch wohl aus einem Stück für die Firste und beide Stöße gebogen hergestellt. Die Füße stehen entweder auf Gußplatten, welche in die Schwellen eingelassen sind, oder in gegossenen, dem Querschnitt des Eisens entsprechend geformten Schuhen auf Schwellen, auch wohl, wie dieß auf dem Harz mit gutem Erfolge versucht ist, auf Steinsockeln. Die Verschalung ist hierbei die gewöhnliche; sie ist auch wohl auf dem Harz mit eisernen Längsschienen ausgeführt worden, welche 8 bis 10 Zoll von einander abstehen, wobei dann die Zwischenräume zwischen diesen Schienen und den Streckenwangen mit Grauwackensteinen verfüllt werden.

In ähnlicher Weise werden größere Räume ausgebaut. Auf der Steinkohlengrube Graf Beust (Oberbergamtsbezirk Dortmund) hat man beispielsweise das Füllort der IV. Sohle mit wenig höher als im Halbkreis gebogenen Gurten aus T-Eisen mit 5 Zoll breitem Fuß und 3 Zoll hohem Steg, letzteren nach außen, ausgebaut. Die Gurte bestehen aus 2 Hälften, welche in dem Schluß der Firste mit Laschen und 4 Schrauben zusammengehalten werden, in 2 Fuß Abstand auf Eichenschwellen mit eingelassenen Gußplatten aufgestellt und mit Eichenbretern dicht verzogen sind. Das Füllort der V. Sohle ist mit Bogen aus Doppel-T-Eisen ausgebaut, dessen beide Platten 3 1/3 Zoll breit sind und dessen ganze Höhe 5 Zoll ist. Hier ist jedoch auch die Sohle durch ein drittes Stück verwahrt, welches an den Zusammenstößen mit den beiden Seitenbogenstücken ebenfalls mit Laschen verschraubt ist. Die Höhe des Füllortes beträgt vom Scheitel bis auf den Bodengurt 8 Fuß 9 Zoll, die Breite an der Sohle von Fuß zu Fuß der Seitenbogen 12 Fuß 10 Zoll, die Spannung des Bogens in der Sohle 1 Fuß. Bei derselben Grube ist eine elliptisch geformte Eisenconstruction im Querschlage der III. Sohle angewendet worden. Ueberall hat sich dieser Eisenausbau gut bewährt. (Preußische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen.)

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