Titel: Miller's Verfahren zum Affiniren von legirtem Golde mittelst Chlorgas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 4 (S. 171–172)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi02_4

Miller's Verfahren zum Affiniren von legirtem Golde mittelst Chlorgas.

Die bisher übliche Methode der Affininnig des Goldes durch Silber und Scheidung mit Schwefelsäure oder Salpetersäure hat bekanntlich viele Uebelstände, daher F. B. Miller, Probirer an der Münze zu Sydney, die Scheidung durch Chlor zu bewerkstelligen versuchte. Sein Verfahren, welches im polytechn. Journal Bd. CLXXXVIII S. 251 nach der Patentbeschreibung mitgetheilt wurde, gab bei der Prüfung zufriedenstellende Resultate; das Journal of the Chemical Society (Journal für praktische Chemie, 1869, Bd. CVI S. 503) berichtet in dieser Hinsicht:

„Wenn in einem mit Boraxlösung getränkten Thontiegel die Gold-Silber-Legirung geschmolzen und durch den im Deckel befestigten Thonpfeifenstiel ein Strom Chlorgas eingeleitet wurde, so wandelte sich leicht das Silber in sein Chlorid um und konnte, während das Gold schon fest geworden, abgegossen werden. Dabei blieb der zähflüssigere Borax im Tiegel zurück. Während die Operation im Gange war, wurde von Zeit zu Zeit durch einen Thonpfeifenstiel ein wenig der geschmolzenen Masse herausgenommen und probirt, wie weit sie entsilbert war. Der langsame und feuchte Chlorstrom, wenn frei von Luft, bewirkte gar kein Spratzen, sondern schien schnell vom Silber aufgenommen zu werden, und die Dichtheit des Apparates, sowie der gehörige Druck, wurden an der Flüssigkeitssäule beobachtet, die in dem Sicherheitsrohr (7 Fuß lang) des Entwickelungsballons aufstieg. Es wurde in besonderen Versuchen die Menge des verbrauchten Chlors ermittelt; sie betrug etwa das Doppelte von der im Chlorsilber gebundenen. Ebenso prüfte man die so viel gefürchtete Flüchtigkeit des Chlorsilbers; sie zeigte sich so gut wie Null. Dagegen spritzt das ausgegossene Chlorsilber in der Regel, wahrscheinlich weil es Chlor gelöst enthält und dasselbe nachher entläßt.

Das Affiniren des Goldes gelingt gleich gut, ob viel, ob wenig Silber dabei ist. Es wurde in den besten und meisten Fällen auf 995 Tausendtel gebracht (selbst von 852/1000 der angewandten Legirung).

Als das Chlorsilber zwischen Eisenplatten reducirt wurde, beobachtete man bei der nachherigen Lösung in Salpetersäure stets Gold, nicht in Gestalt von Kugeln, sondern einer schwarzen Masse und schloß, daß diese durch Reduction aus einem Goldsalz, natürlich Chlorgold, stattgefunden habe. Es galt also, dem Chlorsilber diesen Gehalt an |172| Gold zu entziehen, ohne den weitläufigen Gang der Reduction und Lösung in Salpetersäure einschlagen zu müssen. Dieß gelang in folgender Art: Das Chlorsilber wurde geschmolzen und ein wenig Potasche aufgepudert, um etwas Silbee zu reduciren; dieses letztere hatte die Aufgabe, indem es durch die Schmelze durchsank, dem Chlorgold das Chlor zu entziehen und das Gold mit Silber legirt in Kugeln abzuscheiden. So geschah es auch. Das während des Erkaltens noch flüssige abgegossene Chlorsilber war völlig goldfrei. Aber an dem Regulus des Silbergoldes blieb eine schwammige Masse hängen, welche wahrscheinlich Silberchlorür (schwerflüssiger als das Chlorid) war. Der Tiegel wurde daher nochmals zur Rothgluth gebracht und mit etwas Soda geschmolzen, dann erhielt man einen normalen Silber-Gold-Regulus, welcher 50 Procent von jedem Metall enthielt.“

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