Titel: Ueber ein Mittel zur Erkennung des ungefähren Alters einer mit einer eisenhaltigen Tinte hergestellten Schrift; von F. Carré.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 10 (S. 260)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi03_10

Ueber ein Mittel zur Erkennung des ungefähren Alters einer mit einer eisenhaltigen Tinte hergestellten Schrift; von F. Carré.

Die Tinten mit Eisenbasis unterliegen mit der Zeit einer Veränderung, die sich durch eine gelbliche Färbung zu erkennen gibt, welche um so deutlicher hervortritt, je älter die Schriftzüge sind; die organische Substanz verschwindet mehr und mehr und es bleibt eine Eisenverbindung zurück, welche zum Theil, wenn die Schrift alt genug ist, von Säuren nicht mehr angegriffen wird.

Wenn man nun ein Blatt nicht geleimtes Papier mit verdünnter Salzsäure (1 Raumtheil käufliche Säure auf 12 Theile Wasser) benetzt, so lassen sich mit der gewöhnlichen Copirpresse auf einen solchen Abdrücke von Schriften herstellen, die nicht über 8 bis 10 Jahre alt sind, und zwar fast eben so leicht, wie man auf einem mit bloßem Wasser befeuchteten Papier von frischen Schriftzügen einen Abdruck erhält. Wenn aber die Schriftzüge älter sind, so erhält man auch mit Anwendung der Säure nur noch schwierig Copien. So gab z.B. eine 30 Jahre alte Schrift nur einen unleserlichen Abdruck, und ein authentisches Schriftstück aus dem Jahre 1787 gab kaum wahrzunehmende Spuren.

Beim Waschen der Schrift mit verdünnter Salzsäure ist die Sache gerade umgekehrt. Schriftzüge, welche einige Monate bis zehn Jahre alt sind, verschwinden, nachdem man sie einige Stunden bis mehrere Tage lang in die verdünnte Säure getaucht hat, während eine 30 Jahre alte Schrift noch nach 14tägiger Maceration lesbar war.

Oxalsäure, Schwefelsäure oder Salpetersäure geben dasselbe Resultat wie Salzsäure.

Das zuerst angegebene Verfahren ist bequem, um Abdrücke zu erhalten, wenn solche auf mit Wasser befeuchtetem Papier nicht mehr entstehen. Um das Papier des Originales vor weiterer Zerstörung durch die Säure zu schützen, neutralisirt man die geringen Spuren der letzteren, indem man das Blatt über ein mit Salmiakgeist gefülltes Schälchen hält. (Comptes rendus, t. LXVIII p. 1213; Mai 1869.)

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