Titel: Darstellung des Aldehydgrüns für die Färberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 11 (S. 260–261)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi03_11

Darstellung des Aldehydgrüns für die Färberei.

Obgleich jetzt sehr viel von den Fabriken fertig geliefertes Jodgrün verbraucht wird, so ist doch nicht zu läugnen, daß viele Färber sich ihr Lichtgrün aus Fuchsin mit Hülfe von Aldehyd selbst darstellen. Wenn auch die Darstellungsweise seit längerer Zeit bekannt ist, so erscheint es dennoch geeignet, dieselbe einmal wieder zu recapituliren.

Zur Anfertigung des Grüns löst man

4 Theile Fuchsin

in einer Mischung von

6 Theilen englischer Schwefelsäure und

2 „ Wasser

unter beständigem Rühren zu einer dickflüssigen gelbbraunen Masse auf, bringt die so entstandene Flüssigkeit in einen Kolben und fügt

16 Theile Aldehyd

hinzu, worauf man den Kolben gut umschüttelt und in ein Wasserbad einsetzt.

Hier bleibt die Mischung nun so lauge, bis sie einen grünlich-blauen Reflex zeigt und ein mit einem Glasstabe aus dem Kolben genommener Tropfen mit etwas Schwefelsäure angesäuertes Wasser rein blau färbt. Sobald dieß eingetreten – aber keinesfalls früher oder später – gießt man den ganzen Inhalt des Kolbens in eine kochende Auflösung von

|261|

48 Theilen unterschwefligsauren Natrons in

3000 „ Wasser

unter beständigem Umrühren ein, läßt alsdann absetzen und filtrirt die Flüssigkeit zwei-, auch dreimal durch Doublestoff, welcher einen schmutzig-hellvioletten Farbstoff zurückhält, das sogenannte Anilingrau oder Argentin. Die durchlaufende Flüssigkeit erscheint rein und prachtvoll grün und kann direct zum Färben verwendet werden.

Die einzige Schwierigkeit, welche die Herstellung der Farbe bietet, ist die Beschaffung eines für diesen Zweck brauchbaren Aldehyds. Der Färber muß sich dasselbe gewöhnlich selbst machen und dieß ist eine Unbequemlichkeit, welcher man sich nicht gern aussetzt.

Allerdings ist das Verfahren der Darstellung eines brauchbaren Aldehyds vollkommen bekannt und so ausführlich in „M. Reimann's Technologie des Anilins“ 99) niedergelegt, daß jeder darnach operiren kann. Indessen sind die mit der Bereitung verknüpften Umstände so bedeutend, daß sich kein Färber leicht dazu entschließt.

Aus diesem Grunde hat es der Verfasser (Dr. M. Reimann, 8. Neanderstraße in Berlin) für angemessen gehalten, eine größere Menge brauchbaren Aldehyds in seiner Versuchsstation anfertigen lassen, um dasselbe denjenigen ablassen zu können, welche sich Aldehydgrün machen wollen, aber die Umstände der Aldehyd-Darstellung scheuen. Der Preis beträgt per Pfund einen Thaler ohne Emballage. Selbstverständlich wird für die Brauchbarkeit des Aldehyds zur Gründarstellung garantirt.

Zu bemerken ist noch schließlich, daß das Aldehydgrün bekanntlich Wolle und Seide ohne jede Beizung, und Baumwolle nach gewöhnlichem Beizen färbt. (Musterzeitung für Farberei etc., 1869, Nr. 11.)

|261|

Berlin, Verlag von Julius Springer.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: