Titel: Ueber den Eisverbrauch in der Brauerei des Hrn. G. Sedlmayr in München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 17 (S. 262–263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi03_17

Ueber den Eisverbrauch in der Brauerei des Hrn. G. Sedlmayr in München.

Die großherzoglich badische Landes-Gewerbehalle zu Carlsruhe theilte dem Hrn. Brauereibesitzer G. Sedlmayr in München mit, daß sie sich schon seit einiger Zeit |263| mit der Erzeugung des Eises auf künstlichem Wege beschäftige, und stellte, um die Frage studiren zu können, ob größere Eismaschinen für technischen Betrieb in unserem gemäßigten Klima von praktischem Nutzen seyn können, an denselben mehrere auf den Eisverbrauch in der Bierbrauerei Bezug habende Fragen. Das Folgende bildet die Beantwortung dieser Fragen.

„Meine Bierproduction beträgt circa 320000 bayerische Eimer per Jahr, und ich brauche hierzu 220000 bis 300000 Ctr. Eis, je nach der Milde oder Strenge des Winters und je nach dem Reste des Vorjahres Die Eiskeller nehmen circa den vierten Theil des Lagerraumes für das den Sommer über gelagerte Bier ein. Rechnet man per Quadratfuß Lagerraum bei doppelter Lage der Fässer über einander 1 Eimer Bier incl. der hierzu nöthigen Eiskeller und die Baukosten per Eimer Bier und soliden Oberbau zur Aufbewahrung der leeren Fässer nach hiesigen Verhältnissen zu 4 1/2 fl., so ergeben sich auch die Kosten der Eiskeller.

Die Eiskeller allein, welche alle mit den Lagerkellern in Verbindung stehen, um diese den Sommer über kühl zu erhalten, bedürfen zur Füllung circa 200000 Ctr. Eis, wovon, bis sie vom Biere entleert werden, im Durchschnitt kaum die Hälfte abschmilzt, welcher Rest dann zu Brauzwecken verwendet wird, und in normalen Jahren bleibt davon immer noch ein hübsches Quantum übrig.

In regelmäßigen Wintern bezahle ich den Centner Eis mit 4 bis 5 Kreuzern, je nach Umständen; bleibt uns nicht Zeit genug, das Eineisungsgeschäft aus der Nähe zu vollenden, so müssen wir das Eis per Bahn aus dem bayerischen Gebirge und selbst aus Tyrol kommen lassen, wobei dann je nach Witterung und Entfernung des Eises von der Bahn die Wagenladung zu 200 Zollcentnern mit 30 bis 100 fl. und schon darüber bezahlt werden mußte und oft durch die Wärme während des Transportes bedeutend weniger wurde. Immer aber war es noch möglich, den bei weitem größten Theil des Bedarfes von Eis aus der Nähe zu decken, so daß im schlimmsten Falle die Bezüge aus der Ferne die Gesammtauslage nie um den dritten Theil der normalen überstiegen.“ (Der bayerische Bierbrauer, 1869, Nr. 2.)

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