Titel: Unterscheidung des echten Kirschbranntweins vom gefälschten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 18 (S. 263–264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi03_18

Unterscheidung des echten Kirschbranntweins vom gefälschten.

Setzt man zu echtem (d.h. durch Gährung und Destillation der Kirschen bereitetem) Kirschbranntwein einige Späne Guajakholz, so nimmt er nach Desaga (polytechn. Journal, 1867, Bd. CLXXXVI S. 247) alsbald eine indigblaue Farbe an, welche erst nach Verlauf einer Stunde wieder verschwindet. Tritt keine blaue, sondern eine gelbliche Farbe ein, so ist das Getränk vermittelst Bittermandelöl oder Kirschlorbeerwasser oder durch Extraction der Kirschkerne mit Weingeist nachgekünstelt. Die blaue Farbe ist offenbar Folge eines oxydirenden Einflusses auf das Harz des Guajakholzes; welcher Bestandtheil des Kirschbranntweines aber diesen Einfluß ausübt, hat Desaga nicht ermittelt. Schaer und Schönbein (schweizerische Wochenschrift für Pharmacie, 1868, Nr. 18, 19 u. 21) haben nun aber folgende Aufklärung darüber gegeben.

Vor längerer Zeit fand Pagenstecher, daß Blausäure in Berührung mit einem Kupferoxydsalze und Guajakharz eine blaue Farbe hervorbringt, und er empfahl diese Reaction zur Nachweisung kleiner Mengen Blausäure und Kupfer. Nach Schönbein besteht die Ursache derselben in Folgendem: Wenn Kupferoxyd (oder ein Salz desselben) mit Blausäure zusammen gebracht wird, so entstehen Kupfercyanür-Cyanid und Wasser, und es wird activer Sauerstoff frei, nach der Gleichung: 3CuO + 2HCy = (Cu²Cy + CuCy) + 2HO + O; letzterer verursacht dann die Bläuung des Guajaks.

Soll der Kirschbranntwein die Bläuung des Guajaks hervorrufen, so muß er also außer der aus den Kirschkernen herstammenden Blausäure noch Kupferoxyd enthalten; dieß ist auch in der That der Fall, und es erklärt sich durch die allgemeine Anwendung kupferner Gerüche bei der Destillation des Kirschbranntweines. Selbstverständlich Würde eine kupferne Blase die Verunreinigung mit Kupfer noch nicht herbeiführen, sondern diese tritt erst bei Anwendung eines kupfernen Helmes oder Kühlrohres ein. Der Kupfergehalt des Kirschbranntweines ist übrigens so außerordentlich gering, daß er durch andere Reagentien erst nachzuweisen ist, nachdem man eine größere Quantität |264| davon eingeengt hat, daß mithin der Genuß solchen Getränkes in sanitätlicher Hinsicht durchaus kein Bedenken erregt. Daraus folgt denn wieder, daß das Guajak bei Gegenwart von Blausäure das empfindlichste Reagens auf Kupfer ist, und daß Kirschbranntwein, welcher mit Vermeidung eines kupfernen Helmes und Kühlrohres destillirt oder rectificirt ist, nicht mit Guajak auf seine Echtheit geprüft werden kann. (Vierteljahrsschrift für praktische Pharmacie, 1869, S. 117.)

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