Titel: Ueber die Gerbsäure der Eichenrinde; von A. Grabowsky.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 12 (S. 340–341)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi04_12

Ueber die Gerbsäure der Eichenrinde; von A. Grabowsky.

Die wässerige Abkochung zerkleinerter Eichenrinde ist rothbraun und trübe. Versetzt man sie mit Schwefelsäure, so fällt ein brauner, flockiger Niederschlag heraus, welcher, abfiltrirt und mit Wasser behandelt, schlammig wird und sich mit Hinterlassung eines braunen Rückstandes größtentheils wieder löst. Dieser Fällbarkeit durch Schwefelsäure nach verhält sich der Auszug der Eichenrinde ähnlich dem der Galläpfel; allein während bei dem letzteren diese Fällung wesentlich aus Tannin besteht, aus |341| welchem sich durch Kochen mit verdünnter Schwefelsäure und Ausziehen der Flüssigkeit mit Aether Gallussäure gewinnen läßt, erhält man aus der Schwefelsäurefällung des Eichenrinden-Auszuges bei der gleichen Behandlung nur Spuren dieser Säure, statt deren aber eine Ausscheidung eines rothen, amorphen Körpers, des Eichenroths.

Der Hauptbestandtheil der Eichenrinde ist, nächst dem in ihr abgelagerten Phlobaphen, eine amorphe, durch essigsaures Blei fällbare Gerbsäure, welche, mit verdünnter Schwefelsäure gekocht, zerfällt. Ihre Zersetzungsproducte sind das erwähnte Eichenroth und Zucker.

Die gewöhnliche Methode der Bleifällung ist auch hier die beste, die Gerbsäure zu isoliren. Fällt man das Rindendecoct fractionirt, entfernt den ersten kleineren schmutzigbraunen Antheil des Niederschlages, und sammelt nur die spätere, lichtere Partie von reinerer Farbe, wäscht diese aus, zersetzt sie mit Schwefelwasserstoff, und dampft das Filtrat vorsichtig ein, so hinterbleibt die Gerbsäure als gelbbraune amorphe Masse.

Ihre wässerige Losung wird von Leim und Brechweinsteinlösung gefällt; sie gibt mit Eisenchlorid eine tintenartige Reaction, und diese Färbung wird auf Zusatz von Soda roth. Mit verdünnter Schwefelsäure längere Zeit im Sieden erhalten, läßt sie das Eichenroth heraus fallen, und in dem Filtrat von diesem findet sich Zucker, welcher im möglichst reinen Zustande einen gelblichen Syrup bildet und die Formel C¹²H⁹O⁹ hat.

Von der Abwesenheit der Gallussäure (beziehungsweise des Tannins) in der Eichengerbsäure überzeugte der Verfasser sich dadurch, daß er die nach dem Kochen mit Schwefelsäure erhaltene, vom Eichenroth abfiltrirte Flüssigkeit mehrmals mit Aether ausschüttelte. Der Aether hinterließ nach dem Verdunsten nur Spuren eines amorphen braunen Rückstandes. (Einmal fand der Verfasser in einem solchen, aus 5 Pfd. Rinde herrührenden Rückstande einige Milligramme einer krystallisirten Substanz, welche die Reactionen der Gallussäure zeigte. Stenhouse hat in früheren Versuchen in der Eichenrinde weder Tannin noch Gallussäure gefunden. Es ist sehr möglich, daß Rinden von verschiedenem Alter gar nichts davon enthalten, und jedenfalls kommen beim Gerben mit Eichenlohe diese Stoffe kaum in Betracht.)

Das Eichenroth zeigt die allgemeinen Eigenschaften jener braunen, amorphen Körper, welche man auch aus anderen Gerbsäuren erhält. Es löst sich in Ammoniak auf und läßt sich durch Salzsäure wieder fällen. Auch in Weingeist ist es löslich; Wasser fällt es daraus.

Das Eichenphlobaphen ist von dem Eichenroth wenig verschieden (wahrscheinlich mit demselben identisch). Es läßt sich aus der mit Wasser erschöpften Rinde mit Ammoniak ausziehen und aus der braunen Lösung mit Salzsäure fällen; ein Theil desselben ist auch in der Abkochung der Rinde (wahrscheinlich durch etwas Alkali gelöst) enthalten. (Sitzungsberichte der Wiener Akademie, October 1867; Journal für praktische Chemie, Bd. CV S. 385.)

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