Titel: Das Telegraphiren auf submarinen Leitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 2 (S. 336)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi04_2

Das Telegraphiren auf submarinen Leitungen.

Da ein submarines Kabel sich in einer die Elektricität leitenden Flüssigkeit befindet, so bietet es dem Durchgange eines galvanischen Stromes bedeutende Widerstände. Der in der Seele des Kabels fließende elektrische Strom erzeugt durch die isolirende Hülle einen Inductionsstrom im Seewasser, und dieser veranlaßt wenn der erste Strom unterbrochen wird, einen secundären im Draht, so daß kein zweites Zeichen gegeben werden kann. Ein Telegraphiren mittelst Kabels, besonders nach großen Entfernungen, wäre hiernach ganz unmöglich.

Erst die Einrichtung des Herrn Varley hat diese Schwierigkeit überwunden. Er schaltet in den Weg des Kabels einen sehr großen Condensator ein, welcher beim Durchgang des Zeichen gebenden Stromes sich mit Elektricität ladet. Wird dann auf der sprechenden Station der Strom unterbrochen, so stellt sich gleichzeitig eine Verbindung zwischen Condensator und Erde her, die auf ersterem angesammelte Elektricität fließt nach beiden Seiten durch das Kabel ab. Dieser vom Condensator herkommende Strom ist aber dem ursprünglichen und dem secundär inducirten im Kabel entgegengesetzt gerichtet; es erfolgt somit eine völlige Entladung des Kabeldrahtes, und es kann unmittelbar nach dem ersten Zeichen ein zweites durch den Draht geschickt werden.

Auf dem transatlantischen Kabel arbeiten nur Säulen von 5 Daniell'schen Elementen. Diese schwachen Ströme erzeugen an der Empfangsstation eine geringe Ablenkung einer Galvanometernadel, die mit einem Spiegel versehen, das Bild einer Flamme auf eine 8 Fuß entfernte, in einem dunkeln Zimmer aufgestellte Scala wirft. Dadurch wird der Ausschlag bedeutend vergrößert; und der Weg den das Lichtbild macht, dient als Zeichen für den betreffenden zu telegraphirenden Buchstaben. (Der Naturforscher, 1869, S. 174.)

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