Titel: Anwendungen des Broms.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 4 (S. 336–337)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi04_4
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Anwendungen des Broms.

Balard, der Entdecker des Broms, gibt in den Jury-Berichten der Pariser Ausstellung des Jahres 1867 eine Schilderung des gegenwärtigen Staubes der Bromfrage. Die Verwendung des Broms in der Industrie wird sich nach ihm auf folgende Eigenschaften stützen: Das Brom ist minder kräftig in seiner Wirkung als das Chlor, welches oft die organischen Verbindungen total zerstört, doch energischer wirkend als das Jod, mit welchem man öfters die gewünschten Reactionen nicht hervorzubringen vermag. Vor dem Jod hat das Brom den Vorzug, daß es ein kleineres Atomgewicht hat (mit 80 Kilogr. Brom erreicht man die nämliche Wirkung wie mit 127 Kilogr. Jod). Es ist ferner weit billiger. Bei der Herstellung der äthylirten und methylirten Rosaniline (Hofmann's Violett und Blau) wendet man bereits mit Erfolg die Verbindungen der Alkoholradicale mit Brom anstatt der entsprechenden Jodverbindungen an. In einigen Kattundruckereien soll man ein Gemisch von Brom mit Thon bei zarten Nüancen anstatt des Chlorkalkes als Enlevage anwenden. Während des Bürgerkrieges in Nordamerika ist das Brom in den Hospitälern vielfach zur Desinfection der Luft benutzt worden. Da das Brom, mit Wasser zusammengebracht, dasselbe nicht zersetzt, und mit demselben keine Säure bildet, wie es bei dem Chlor der Fall ist, so bleibt seine Thätigkeit ausschließlich den organischen Gebilden und Verbindungen vorbehalten, welche in der Luft enthalten seyn mögen. Sein Siedepunkt (63°C.) gestattet, das Quantum, welches in einer gegebenen Zeit in einem bestimmten Raume verdampfen soll, auf das Genaueste zu bestimmen. Es kann daher nicht fehlen, daß das Brom in kurzer Zeit an der Stelle des Chlors zu Desinfectionszwecken allgemein benutzt werden wird. (Rapports du Juri international, vol. VII p. 119; Wagner's Jahresbericht über die Leistungen der chemischen Technologie für 1868, S. 252.)

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