Titel: Ueber Berliner Gesundheitsgeschirr; von Dr. Emil Jacobsen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 5 (S. 337–338)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi04_5

Ueber Berliner Gesundheitsgeschirr; von Dr. Emil Jacobsen.

Die seit zwei Jahren außer Betrieb gesetzte ehemalige königl. Fabrik zu Charlottenburg, deren chemische und pharmaceutische Gerätschaften sich eines Weltrufes erfreuten, war fast die einzige Fabrik, welche zu verhältnißmäßig niedrigen Preisen das alte Sanitätsporzellan lieferte. Die Fabrication von schönem weißen, durchsichtigen Porzellan, wie sie in Frankreich, in England, neuerdings auch in Schlesien, Böhmen etc. in großartigem Maaßstabe betrieben wird, wirft größeren Nutzen ab, als die Fabrication des wirklichen Feldspath-Porzellans. Dieß hat seinen Grund darin, daß die ersteren Fabricate leichter sind und mit Zusatz von leichtflüssigeren Materialien, als Quarz, Kalk, Borax, Soda, Bleioxyd, bei schwachem Feuer hergestellt werden, wobei die Brennkosten und der Kapselverbrauch sich wohlfeiler berechnen, weniger Ausschuß resultirt, und die Waare ansehnlicher und leichter verkäuflich wird, während bei reinem Feldspath-Porzellan und dem noch härteren Gesundheitsgeschirr für Abdampsschalen und chemische Geräthe das stärkste Feuer angewendet werden muß, wodurch sich letzteres also theurer herstellt, mehr Ausfall gibt, und unansehnlicher, demnach auch weniger leicht verkäuflich wird. Seit einiger Zeit hat nun die Fabrik von H. Schomburg in Berlin (Alt-Moabit 20) die Fabrication des Sanitäts-Geschirres in die Hand genommen und liefert speciell für chemische, pharmaceutische und technische Zwecke ganz vortreffliche Fabricate, welche denen der ehemaligen Charlottenburger Fabrik weder an Güte noch an Wohlfeilheit nachstehen. Es sey außerdem noch auf die in derselben Fabrik verfertigten Doppelglocken-Isolatoren für Telegraphenleitungen aus Schomburg'schem Berliner Hartfeuer-Porzellan aufmerksam gemacht. Das Hartfeuer-Porzellan ist aus reinem deutschen Kaolin angefertigt und erhält ein so starkes Feuer, daß es nicht, wie französische, englische etc. Fabricate, nur an der Oberfläche verglast, sondern durch und durch zu einer festen compacten Masse schmilzt, ohne seine Form wesentlich zu ändern. Es muß dieses Porzellan einen Feuergrad aushalten, bei welchem englisches und französisches Porzellan durch seinen Gehalt an Kalk und anderen Stoffen zu einem unreinen Milchglase zerschmilzt. Zur Anfertigung der Isolatoren wird die rohe Masse zunächst hydraulischem Druck unterworfen, daraus im noch feuchten Zustande der Masse die Isolatoren gepreßt, in gleichmäßiger feuchter Wärme getrocknet, und jeder Isolator nach dem Glasiren und Brennen geprüft. Das Verfahren, aus trockenem Massenpulver |338| Isolatoren zu pressen, hat trotz der kostspieligen Maschinen dieser älteren Art der Fabrication weichen müssen, da eine größere Dichtigkeit nicht erreicht wurde, und die geringe Ersparniß an Arbeitslohn den größeren Ausschuß nicht deckt. (Chemisch-technisches Repertorium, 1868 1. Halbj. S. 53)

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