Titel: Mikroskopische Bestandtheile der Luft von Manchester.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 8 (S. 338–339)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi04_8

Mikroskopische Bestandtheile der Luft von Manchester.

In einem Vortrage vor der naturforschenden Gesellschaft zu Manchester machte Hr. Dancer nach einem Berichte in dem Quarterly Journal of microscopical science vom Januar d. J. nachstehende Mittheilung über die mikroskopische Prüfung der in der Luft von Manchester enthaltenen festen Bestandtheile.

Die Luft war mit destillirtem Wasser gewaschen, und die festen Bestandtheile, welche sie enthielt, waren von Hrn. Smith in einem kleinen verschlossenen Gefäß gesammelt worden. Zunächst untersuchte man das Wasser, in welchem diese Theilchen schwammen, mit einer 50maligen Vergrößerung, um einen allgemeinen Ueberblick über den Inhalt zu erhalten. Dann wurden Vergrößerungen von 120 bis 1600 angewendet.

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Am zahlreichsten waren Pilzsporen vertreten. Ihre Anzahl betrug in einem Tropfen der Flüssigkeit etwa 250000, und ihre Größe schwankte von 1/10000 bis 1/50000 Zoll. Kurze Zeit zeigten sie die den Sporen eigenen Bewegungen; dann sanken sie zu Boden und waren bewegungslos.

Als das Fläschchen 36 Stunden im Zimmer bei einer Temperatur von etwa 15°C. gestanden hatte, war die Menge der Pilze sichtbar vermehrt, und die kleinen Fäden, welche in dem Wasser schwammen, waren in eine zusammenhängende, verfilzte Masse verwandelt. Am dritten Tage bewegte sich eine Anzahl gewimperter Schwärmsporen frei zwischen den Sporidien.

Diesen Gebilden kamen der Zahl nach am nächsten vegetabilische Gewebe der verschiedensten Art und Form, von denen ein großer Theil verbrannt und geschwärzt erschien; unter ihnen fehlten, wie zu erwarten war, zahlreiche Baumwollfäden nicht; Stärkekörner und Blüthenstaub waren gleichfalls zu erkennen.

Nachdem der atmosphärische Staub drei oder vier Tage ruhig gestanden hatte, erschienen kleine Thierchen in beträchtlicher Anzahl, unter denen die Monaden am zahlreichsten waren. Auch einige verhältnißmäßig große Formen von Paramecim aurelia wurden in Gesellschaft mit einigen sehr lebhaften Rotiferen gefunden. Aber nach wenigen Tagen nahm das thierische Leben schnell ab, und nach zwölf Tagen konnte kein Thierchen mehr entdeckt werden. Wollfasern und andere Haare von Thieren wurden gleichfalls beobachtet.

„Die in der Atmosphäre herum fliegenden Theilchen,“ sagt Dancer, „werden in ihrem Charakter verschieden seyn, je nach der Jahreszeit, der Windrichtung und dem Orte, an welchem sie gesammelt worden sind. Sie sind, wie zu erwarten stand, nach dem Regen in geringer Menge vorhanden.“

„Um die Menge der Sporen oder Keime organischer Wesen ungefähr abschätzen zu können, welche in der von Dr. Smith gesammelten Flüssigkeit enthalten waren, maß ich eine Portion und fand, daß sie 150 Tropfen von der Größe, wie ich sie unter das Mikroskop brachte, enthielt. Nun habe ich festgestellt, daß in jedem Tropfen gegen 250000 jener Sporen vorkommen; in den 150 Tropfen erreicht somit ihre Menge die beträchtliche Anzahl von 37 1/2 Millionen; und diese waren, abgesehen von den übrigen Bestandtheilen, gesammelt aus 2495 Litern Stadtluft, einer Menge, welche in etwa 10 Stunden von einem Manne mittlerer Größe geathmet wird.“ (Der Naturforscher, 1869, Nr. 21.)

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