Titel: Rothe Färbung des Bleiweißes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 10 (S. 435–436)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi05_10

Rothe Färbung des Bleiweißes.

An Bleiweiß tritt zuweilen eine röthliche Färbung auf, welche Bäker in einer Abhandlung über die Metallurgie des Bleies der Gegenwart von Kupfer zugeschrieben hat. Neuere Untersuchungen großer Massen von Blei, die nur Spuren von Kupfer enthielten und gleichwohl an den in Bleiweiß umgewandelten Stellen die rothe Färbung zeigten, ergaben jedoch als einzigen fremden Bestandtheil nur Silber. Es konnte daher nur diese Substanz die röthliche Färbung veranlaßt haben.

Um sich davon zu überzeugen, analysirte Bäker zwei Portionen veränderter Masse, von denen die eine weiß, die andere gleichmäßig roth war, und fand, nach einer Mittheilung im Maiheft des Philosophical Magazine, in der ersten Portion 0,0005 Proc. Silber und in der zweiten 0,0058 Proc., während der Gehalt an Kupferoxyd und Eisen in beiden ziemlich gleich war.

Ferner wurde zu dem Blei, welches das weiße Bleiweiß gegeben, etwas Silber gesetzt und dasselbe den Processen der Bleiweißbildung unterworfen. Das Resultat war, daß sich ganz deutlich roth gefärbtes kohlensaures Blei bildete. Betrug die Menge des Silbers 1/2 Unze auf die Tonne, so wurde das Blei nur an den Ecken röthlich; |436| erreichte aber der Silbergehalt 1 1/2 Unzen per Tonne, so war die röthliche Färbung des Bleiweißes ganz gleichmäßig.

In welchem Zustande das Silber die Ursache der röthlichen Färbung ist, lehrt folgende Betrachtung: Silber wird nicht oxydirt unter der Einwirkung von verdampfender Essigsäure und des Sauerstoffes der Luft, welcher es bei der Bleiweißbildung ausgesetzt ist. Vielmehr wird das Silberoxyd und selbst das kohlensaure Silber zerlegt und in den metallischen Zustand übergeführt durch eine Wärme, welche geringer ist als die bei der Bleiweißdarstellung nach der sogenannten holländischen Methode entstehende. Das Silber muß daher sich im metallischen Zustande befinden.

Die Farbe der Photographien, welche mit Silbersalzen erhalten werden, spricht gleichfalls für den metallischen Zustand des rothen Silbers; ebenso die Thatsache, daß ein Lichtstrahl, der zehnmal von einer polirten Silberfläche reflectirt wird, sehr deutlich eine röthliche Färbung besitzt. (Der Naturforscher, Juli 1869, Nr. 28.)

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