Titel: Ueber Vergiftungen durch Corallin; von Dr. A. Tardieu.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 14 (S. 437–438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi05_14

Ueber Vergiftungen durch Corallin; von Dr. A. Tardieu.

Der Verfasser fügt zu dem bereits Bekannten (man s. polytechn. Journal Bd. CXC S. 429) einige von ihm beobachtete Fälle von Krankheitserscheinungen, welch durch das Tragen mit Corallin roth gefärbter Strümpfe hervorgerufen waren. In solchen Fällen erschien die Haut der Füsse, soweit sie von den Strümpfen bedeckt war, heftig entzündet, angeschwollen, und mit zahllosen kleinen Bläschen bedeckt, welche sich an einzelnen Stellen, namentlich an der Sohle, zu großen, mit einer Flüssigkeit gefüllten Blasen vereinigt hatten. Der Ausschlag war sehr schmerzhaft und von allgemeinem Uebelbefinden, Fieber, Kopfschmerz und Uebelkeit begleitet. Die Schmerzen wichen bei |438| Anwendung erweichender Mittel nach zwei Tagen; doch vergingen etwa drei Wochen, ehe die Füsse vollständig geheilt waren.

Der Verfasser suchte in Gemeinschaft mit Roussin durch Experimentiren mit verschiedenen Thieren die Wirkung des Corallins auf den thierischen Organismus zu ermitteln. Er entzog den Strümpfen, welche die Krankheitserscheinung hervorgerufen hatten, das Corallin mittelst Alkohols, und injicirte die Lösung einem Hunde, einem Kaninchen und einem Frosch unter die Haut des Oberschenkels. Der Frosch starb nach vier Stunden, der Hund am folgenden Tage, und das Kaninchen nach 36 Stunden. Entsprechende Versuche wurden mit einer alkoholischen Lösung von reinem Corallin gemacht, welches durch Einwirkung von aus Phenylsäure gewonnener Rosolsäure auf Ammoniak bei 150° C. dargestellt war. Ein Hund mittlerer Größe unterlag am siebenten Tage, nachdem ihm ein Mal 15 und ein zweites Mal 20 Centigramme Corallin injicirt waren; das Thier verlor bald nach der ersten Injection den Appetit, bekam starte Diarrhöe, litt offenbar viel Schmerzen, wurde von Fieber befallen, hinkte und starb. Ein Kaninchen starb am vierten Tage nach einer einmaligen Injection von 10 Centigrammen reinen Corallins unter ähnlichen Symptomen. Die Section der vergifteten Thiere ergab eine von der Stelle der Injection ausgehende starke Entzündung des Zellgewebes. Der Magen war gesund, aber die Schleimhäute der Eingeweide waren stark entzündet; merkwürdiger Weise waren die Lungen dergestalt mit Farbstoff imprägnirt und schön scharlach gefärbt, daß man den Farbstoff aus ihnen, wie auch aus der Leber, extrahiren, und in der erhaltenen Lösung eine Seidenprobe roth färben konnte.

Das Corallin erscheint sonach als ein sehr energisch wirkendes Gift, und die Verwendung desselben in der Färberei sollte durchaus untersagt werden. (Journal de Pharmacie et de Chimie, April 1869, S. 262.)

Der Gebrauch des Corallins steht jetzt gerade in vollster Blüthe. Die schädlichen Wirkungen desselben auf die Haut scheinen sich übrigens nicht sowohl auf das Corallin, als auf arsenhaltige Beizen zurückführen zu lassen. Dr. Bolley. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, Bd. XIV S. 118.)

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