Titel: Neues Reinigungsverfahren für gebrauchtes Glycerin; von Ernst Kunath in Dresden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 16 (S. 438–439)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi05_16
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Neues Reinigungsverfahren für gebrauchtes Glycerin; von Ernst Kunath in Dresden.

Das in Dresden seitens der Gasanstalt zum Füllen von Gasuhren verwendete Glycerin wird nach vierjähriger Dauer wieder aus den Gaszählern entfernt und gegen neues, resp. gereinigtes und rectificirtes, ausgetauscht, weil innerhalb des genannten Zeitraumes die Füllung einestheils durch die vom Gase mit fortgeführten Destillationsproducte, wie Schwefel, Ammoniak, Theer u.s.w., verdickt und dunkelbraun bis schwarz gefärbt, anderntheils durch aufgenommenes Wasser in der Concentration von 180 Baumé auf 14 bis 15° Baumé herabgedrückt wird, so daß sie schon bei – 14° C. erstarren würde.

Die Reinigung dieses alten Glycerins ist nun eine doppelte; erstens muß die dunkle Färbung beseitigt, und zweitens muß dasselbe durch Abdampfen (Rectificiren) auf seinen ursprünglichen Gradgehalt gebracht werden.

Durch einfaches Ablagern des schwarzen Glycerins ist es allerdings möglich, dasselbe in eine dunkelbraune Flüssigkeit und einen schleimigen, schwarzen Rückstand zu sondern; dieses Verfahren erfordert aber gute Lagerfässer, einen ruhigen Lagerplatz und einen Zeitraum von 4 bis 6 Monaten, bis man das Abfüllen der geklärten Flüssigkeit vornehmen kann. Dieses Verfahren ist also, abgesehen davon, daß man durch dasselbe seinen Zweck nur zum kleinsten Theil erreicht, bei Hunderten von Centnern Glycerins langwierig und kostspielig.

Hr. Kunath hat nun während seiner Amtirung als Conducteur der Dresdener Gasanstalten folgendes Verfahren angewendet, durch welches selbst das schwärzeste Glycerin in verhältnißmäßig kurzer Zeit in eine hellgelbe Flüssigkeit umgewandelt wird.

Man nimmt ein großes, dichtes Gefäß, einen Bottich oder dergl., stellt dasselbe an einem ruhigen, d.h. vor heftigen Erschütterungen geschützten Orte auf, und füllt das verunreinigte Glycerin hinein, so daß das Niveau höchstens bis 6 Zoll unter den Gefäßrand zu stehen kommt. Dann setzt man pro Centner Glycerin circa 10 Pfd. Gußeisenspäne, wie solche in Schlosserwerkstätten und Maschinenfabriken zu haben sind, hinzu, und rührt das Ganze tüchtig durch einander. Das Umrühren, wobei namentlich der Bodensatz gut aufgelockert werden muß, hat in den nächsten 14 Tagen täglich mindestens einmal zu erfolgen; dann überläßt man das Ganze der Ruhe. In 4 bis 6 Wochen klärt sich die Flüssigkeit, indem sich am Boden zunächst die noch unverbrauchten Gußspäne absetzen, auf denselben ein schwarzer mulmiger Körper sich niederschlägt, und über diesem, scharf begrenzt, die helle Flüssigkeit sich abscheidet.

Erhöhte Temperatur begünstigt den Klärungsproceß; es ist deßhalb vortheilhaft, denselben im Sommer, oder, wo es möglich ist, in erwärmten Räumen vor sich gehen zu lassen. Die Wirkung der Gußspäne bei demselben ist jedenfalls eine doppelte. Einerseits wirken dieselben rein mechanisch, indem sie beigemengte Verunreinigungen, Schleim u.s.w., mit zu Boden nehmen; andererseits ist ihre Wirkung eine chemische, indem das in dem unreinen Glycerin enthaltene Schwefelammonium, welches mehr oder weniger Schwefeleisen gelöst enthält, zerlegt wird, und zwar so, daß aus dem Eisen der Gußspäne und dem Schwefel des Schwefelammoniums Schwefeleisen entsteht, dadurch das Lösungsmittel für das schon vorhandene Schwefeleisen zerstört wird, und dieses nun mit dem neugebildeten Schwefeleisen zu Boden fällt.

Die helle Flüssigkeit wird durch einen Heber oder Hahn abgezogen und dann zum Eindampfen an die chemischen Laboratorien versendet. Es ist zu empfehlen, beim Abziehen behufs Auffangung der aufschwimmenden Körperchen, wie Thierchen, Holzsplitter, Staub etc., entweder ein feines Sieb oder besser ein Flanell- oder Barchentfilter anzuwenden.

Wie vortheilhaft diese Methode der Vorreinigung ist, geht daraus hervor, daß der Reinigungspreis, welcher pro Centner für gewöhnliche schwarze Waare 1 Thlr. 10 Sgr. betrug, für die in der angegebenen Weise gewonnene helle Waare auf 10 Sgr. herabgesetzt werden konnte.

Den Rückstand kann man, so lange noch metallisches Eisen vorhanden ist, zur Reinigung neuer Massen verwenden, oder abgeröstet dem Eisenkitt beimengen, oder auch, sowie er aus dem Gefäße kommt, dem Eisensteine der Gasreinigungsmasse zusetzen. (Dresdener Gewerbevereins-Zeitung, 1868, Nr. 6.)

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