Titel: Anwendung der Carré'schen Eisbereitungs-Maschine in den Brauereien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 2 (S. 432)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi05_2

Anwendung der Carré'schen Eisbereitungs-Maschine in den Brauereien.

Im polytechn. Journal Bd. CXCI S. 189 (erstes Februarheft 1869) wurde über die Anwendung der Siebe'schen Eismaschine in Truman's Brauerei in London berichtet.

In einer Besprechung der Eisfabrication in der „Würzburger gemeinnützigen Wochenschrift“ finden wir jetzt u.a. erwähnt, daß die Carré'sche Eismaschine (beschrieben im polytechn. Journal, 1863, Bd. CLXVIII S. 171) neuerdings in mehreren großen Brauereien eingeführt worden sey, so in der von Schützenberger in Straßburg (brasserie à la statue), und in der von Gebrüder Tourtel in Tantonville (Meurthe-Departement). Die Verfahrungsweisen in diesen beiden Brauereien weichen in so fern von einander ab, als in der einen das durch den Apparat erzeugte Eis in blechernen Gefäßen in die abzukühlende Bierwürze gebracht wird, während man in der anderen die Abkühlungsröhren des Apparates selbst durch die Flüssigkeit leitet. Ebenso hat auch die Actienbrauerei in Zweibrücken (Rheinpfalz) vor etwa einem halben Jahr für ihren Sommerbetrieb eine Carré'sche Eismaschine der größten Art angeschafft, welche auf nahe 20,000 fl. zu stehen kam.

Die Carré'schen Eismaschinen werden jetzt von Mignon und Rouart in Paris (rue, Oberkampf No. 149, ancienne rue Ménilmontant) in jeder Größe und für die verschiedensten Anwendungen ausgeführt. Der Preis dieser Apparate schwankt je nach der Größe etc. von 125 bis zu 30,000 Frcs. Von den kleineren Haushaltungsapparaten werden drei Sorten, zu 125, 190 und 285 Frcs. geliefert, wozu bei jedem noch verschiedene größere oder kleinere Beträge für Thermometer, Verpackung etc. kommen. Der kleinste dieser Apparate liefert 1 Pfd., der nächstgrößte 2 Pfd. und der letzte 4 Pfd. Eis bei einer Operation. Die Dauer der Erhitzung des Kessels ist hierbei für den ersten Apparat 45 Minuten, für den zweiten 55 und für den letzten 85 Minuten. Die Zeit, welche das Wasser gebraucht, um sich in Eis zu verwandeln, ist nahezu gleich der Dauer der Erhitzung. Wie bei jedem Kleinbetrieb, so ist auch bei der Eisbereitung vermittelst dieser kleineren Apparate der Kostenaufwand im Vergleich zu dem erhaltenen Product viel größer, als bei der Anwendung der großen continuirlichen Eismaschinen; 1 Pfd. Kohlen erzeugt nur 3 Pfd. Eis. Doch ist dieses Verhältniß gewiß immer noch niedrig genug, um die fraglichen Apparate, namentlich zur Bereitung von Gefrornem, Conditoren, Gastwirthen etc. zu empfehlen, denen kein Eiskeller zur Verfügung steht. Die Apparate können leicht in jeder geräumigen Küche aufgestellt werden und bietet ihre Handhabung durchaus keine Schwierigkeit.

Für industrielle Zwecke liefern Mignon und Rouart vier Maschinen, von welchen die erste 50 Pfd., die zweite 100, die dritte 200 und die vierte 400 Pfd. Eis pro Stunde producirt. Der erste dieser Apparate kostet 4800 Frcs., nebst 1850 Frcs. für verschiedene Zubehörstücke; der zweite 8500 Frcs., Zubehör 2700 Frcs.; der dritte 14,000 Frcs., Zubehör 3800 Frcs.; und endlich der vierte 24,000 Frcs., Zubehör 6400 Frcs. Entsprechend ihren ansehnlichen Leistungen ist auch der Raum, welchen diese industriellen Apparate für ihre Aufstellung erheischen, ziemlich bedeutend, und so nimmt z.B. der kleinste derselben, welcher 50 Pfd. Eis in der Stunde liefert, eine Fläche von 18 Quadratmeter, 6 Meter in der Länge und 3 Meter in der Breite ein, wogegen der größte derselben von 4 Ctr. stündlicher Production sogar einen Raum von 11 Meter Länge und 5 Meter Breite erfordert; 1 Ctr. Steinkohlen liefert bei dieser Classe von Apparaten, je nach der Größe derselben, 8 – 12 Ctr. Eis. Zur Bedienung sind bei fabrikmäßiger Thätigkeit zwei Arbeiter erforderlich. Die Erhitzung geschieht entweder mit Kohlenfeuer oder auch durch Wasserdampf.

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