Titel: Ueber die Oxyhydrogen-Beleuchtung; von Prof. Payen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 4 (S. 433–434)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi05_4

Ueber die Oxyhydrogen-Beleuchtung; von Prof. Payen.

Was die Bereitung der beiden Gase betrifft, so gewinnt Tessié du Mothay den Sauerstoff bekanntlich aus der Luft, indem er ein Gemenge von Mangansuperoxyd und Natronhydrat an der Luft erhitzt und das dabei entstandene mangansaure Natron dann durch überhitzten Wasserdampf zersetzt (man s. polytechn. Journal Bd. CLXXXVI S. 230), den Wasserstoff dagegen durch Glühen einer Mischung von pulverförmigem Kalkhydrat und Kohle; statt des Wasserstoffgases verwendet er auch gewöhnliches Leuchtgas. Den zur Beleuchtung mit dem Gasgemisch früher von Drummond angewandten Kalk ersetzt er mit Vortheil durch einen kleinen Cylinder von comprimirter Magnesia; derselbe hat 6 Millimeter Durchmesser und 4 Millimeter Länge, und ist an dem einen Ende auf 7 Millimeter verdickt, um mittelst eines Eisenstreifens vertical in der Flamme aufgehängt zu werden.

Man hat kürzlich die Hälfte des Stadthausplatzes in Paris auf diese Weise beleuchtet, und das Licht war gleichmäßig und weiß.132) Man würde jedoch ohne Zweifel noch manche Verbesserungen anbringen müssen, selbst wenn man das Oxyhydrogen-Licht für die Praxis wohlfeil genug liefern könnte; aber es scheint, daß dasselbe wegen der in der Natur der Sache selbst liegenden Hindernisse keine allgemeine Anwendung wird finden können.

Man müßte nämlich, um die beiden Gase abgesondert zu den Brennern zuführen, doppelle Röhren-Leitungen haben, was eine Verdoppelung sowohl der Kosten als der Möglichkeit von Gasverlust durch undichte Stellen bedingen würde. Die große Intensität des Lichtes könnte man nur durch Vermehrung der Brenner nutzbar machen: es dürfte aber sehr schwierig seyn, die Dimensionen derselben so zu verringern, daß das Licht den Bedürfnissen des Privatgebrauches entspräche, und besonders diese Verringerung so weit zu treiben, daß das Licht zur Benutzung beim Lesen und Schreiben, bei Handarbeiten etc. geeignet wäre.

Die blendende Wirkung dieses so lebhaften und schimmernden Lichtes könnte man nur durch Kugeln von Milchglas oder mattgeschliffenem Glas verringern oder vermeiden: in diesem Falle würde aber ein großer Theil des Lichtes, nämlich 30 bis 35 Proc. gar nicht zur Benutzung gelangen.

Was den Fabricationspreis der beiden Gase anbetrifft, so ist bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge nicht anzunehmen, daß derselbe bis zu dem Fabricationspreise des Steinkohlengases erniedrigt werden kann. Dieser ist durch den Verkauf der Kohks und anderer Nebenproducte so herunter gebracht, daß er kaum mehr als 2 Centimes |434| pro Kubikmeter beträgt, abgesehen von den Kosten der Aufbewahrung und Fortleitung des Gases, der städtischen Abgabe und den General-Unkosten.

Diese Kosten würden aber bei dem neuen Beleuchtungs-System nicht geringer seyn, und dieses würde keine Nebenproducte und keine verkäuflichen Rückstände liefern. Es ist aber deßhalb nicht minder interessant, die Fortschritte dieser neuen Phase des Beleuchtungswesens zu verfolgen, die vielleicht, wenigstens ohne zu große Kosten und ohne dem Steinkohlengas eine zu bedeutende Concurrenz zu machen, eine Art Luxuslicht liefern wird, welches zur nächtlichen Decoration von Monumenten oder zur Beleuchtung öffentlicher Etablissements, Theater etc. in den großen Städten geeignet ist. (Armengaud's Génie industriel, März 1869, S. 161.)

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Man s. den früheren Bericht über diese Beleuchtung im polytechn. Journal Bd. CLXXXVII S. 33.

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