Titel: Ueber Stickstoffoxydul als Anästheticum.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 10 (S. 519–520)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi06_10
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Ueber Stickstoffoxydul als Anästheticum.

Das Stickstoffoxydulgas wird in Amerika schon seit mehreren Jahren in großer Menge als Anästheticum gebraucht; auch englische Zahnärzte haben es bereits in's Auge gefaßt, und es wird für kurze Operationen, wie Zahnausziehen, vielleicht das Chloroform ganz verdrängen. Es ist seltsam, daß das Stickstoffoxydul erst jetzt gewürdigt wird, nachdem es doch schon 1776 von Priestley entdeckt und 1800 von H. Davy hinsichtlich seiner eigenthümlichen Wirkung auf den Menschen sorgfältig untersucht wurde. Bekanntlich verdankt es dieser Wirkung den Namen „Lustgas.“ Dr. Colton, welcher dieses Gas in Amerika und in Paris sehr häufig angewendet hat und sich dermalen in England befindet, ist jedenfalls im Besitze der ausgedehntesten Erfahrungen darüber.

Wenn das Stickstoffoxydul vermittelst eines gewöhnlichen Chloroform-Apparates eingeathmet wird, so bringt es Anästhesie hervor; mit anderen Worten, wenn man Empfindungslosigkeit ohne Aufregung erzeugen will, so muß das Stickstoffoxydul ohne Beimischung von Luft angewendet werden. Es ist wahrscheinlich, daß die eigenthümliche Wirkung, welche dem Gase den Namen „Lustgas“ verliehen hat, durch Beimischung der von der Lunge ausgeathmeten Luft hervorgerufen worden ist; denn Davy scheint mit in einem an den Mund gesetzten seidenen Beutel enthaltenem Gase experimentirt zu haben, wobei dasselbe in Folge des Ein- und Ausathmens nothwendigerweise schon beim ersten Ausathmen mit Kohlensäure etc. vermischt wurde.

Wie bekannt, wird das Stickstoffoxydul durch Erhitzen des salpetersauren Ammoniumoxyds auf 177° C. erhalten, wobei dieses Salz vollständig in jenes Gas und Wasser zerfällt: N H⁴ O, N O⁵ = 2NO + 4HO.

Da das Gas in kaltem Wasser sich nicht unbedeutend löst, so bedient man sich zum Auffangen des warmen Wassers. So einfach die Bereitung des Gases ist, so erfordert sie doch einige Vorsichtsmaßregeln, hinsichtlich deren wir auf die chemischen Handbücher verweisen. (Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie, 1869 S. 121.)

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