Titel: Glycerin als Conservirungsmittel Zoologischer und anatomischer Präparate; von Dr. Theodor Koller.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 13 (S. 521)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi06_13

Glycerin als Conservirungsmittel Zoologischer und anatomischer Präparate; von Dr. Theodor Koller.

In öffentlichen zoologischen Cabinetten und auch in Privatsammlungen dieser Art besteht, soviel mit wenigstens bekannt, gegenwärtig noch der Gebrauch, zur Conservirung von Reptilien, anatomischen Präparaten u.s.w. Weingeist anzuwenden. Gegen den Weingeist als conservirendes Mittel ist allerdings nichts einzuwenden und ist auch wissenschaftlich sein Gebrauch vollkommen gerechtfertigt, da er eine der Bedingungen der Fäulniß entzieht, letztere selbst also unmöglich macht. Die Nachtheile oder zum mindesten die Unbequemlichkeiten, welche der Weingeist, in dieser Weise als conservirendes Mittel angewendet, zeigt, bestehen vielmehr darin, daß er vor Allem sich sehr leicht verflüchtigt. Zur Conservirung von Reptilien beispielsweise wendet man gläserne Cylinder mit Fuß, oder bei größeren Exemplaren Zuckergläser an. In beiden Fällen ist oben eine ziemlich bedeutende Oeffnung, welche man auf jede mögliche Weise luftdicht zu verschließen trachten muß. Fette Kitte, Firnisse u.s.w. würden nun hier als Bedeckungsmittel des Verschlusses besonders zu empfehlen seyn, wenn nicht der Weingeist diese auflösen würde. Dieses Auflösen findet vorzüglich durch die Berührung des Weingeistes mit dem betreffenden fetten oder harzigen Ueberzuge bei der (unvermeidlichen) Bewegung der Gläser, durch Verdunstung u.s.w. statt, und wird, auch bei Anwendung sehr hoher Gefäße, nicht zu verhindern seyn. Ich habe zwar durch Versuche und Beobachtungen gefunden, daß sich die Verdunstung des Weingeistes in den erwähnten Gläsern durch den Gebrauch geeigneter Mittel, deren Anwendung aber stets mit Mühe und Zeitverlust verbunden ist, sehr beschränken, aber nicht aufheben läßt, und daß bei einem weniger geeigneten Verschlusse die Verdunstung des Weingeistes eine wirklich sehr bedeutende ist.

Das öftere Nachfüllen mit Weingeist ist aber nicht nur wegen Abnahme und Wiederaufsetzen des Verschlusses sehr unbequem, sondern auch, wenn man eine größere Sammlung berücksichtigt, mit Kosten verbunden. Von weit untergeordneter, wenn auch vielleicht je nach localen Verhältnissen nicht zu übersehender, nachtheiliger Bedeutung ist die Anwendung des Weingeistes in der besprochenen Weise in Bezug auf Feuersgefahr.

Durch den gegenwärtigen ziemlich billigen Preis des Glycerins fand ich mich veranlaßt, mit demselben als Conservirungsmittel Versuche anzustellen und bin dadurch sehr befriedigt worden. Das rohe Glycerin eignet sich ganz gut für diese Zwecke und da das Glycerin bekanntlich nicht vertrocknet, so sind die Kosten der einmaligen Einfüllung die einzigen. Zum Verschlusse der Oeffnungen der Gläser habe ich bis jetzt bei Glycerinfüllung nur Pergamentpapier angewendet.

Dem Nachtheile, daß kleinere Präparate, auch größere Exemplare, wie Schildkröten u. dgl. beim Uebergießen mit Glycerin in dem Glase in die Höhe steigen und auf dem Glycerin schwimmen, begegnet man in sehr einfacher Weise dadurch, daß man vermittelst dünner Glasstäbchen die schwimmenden Körper hinabdrückt und ihr Auftauchen durch Anstemmen des Glasstäbchens an die obere Einbiegung des Glasgefäßes oder nöthigen Falles an den oberen Pergamentpapierverband verhindert. Auf solche Weise erspart man zugleich, wo es natürlich ohne Beeinträchtigung des Charakters der betreffenden Thierindividuen zulässig erscheint, sehr an Glycerin, da dasselbe nur wenig über dem bezüglichen Körper zu stehen braucht. Bei langgestreckten Exemplaren, welche ihre Körperform beibehalten müssen, wird man selbstverständlich die möglichst engen cylindrischen Gefäße wählen. (Neues Jahrbuch für Pharmacie, Bd. XXXI S. 304.)

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