Titel: Elektrisches Compensationsthermometer für unterseeische Temperaturmessungen; von C. W. Siemens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 3 (S. 516–517)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi06_3

Elektrisches Compensationsthermometer für unterseeische Temperaturmessungen; von C. W. Siemens.

Siemens hat seinem Widerstandsthermometer, das die Temperatur eines Leitungsdrahtes durch den von der Temperatur abhängigen Widerstand zu messen gestattet, eine für unterseeische Temperaturmessungen sehr geeignete Form gegeben, welche sich dadurch auszeichnet, daß die Temperatur ohne alle Rechnung unmittelbar an einem Thermometer abgelesen werden und daß die Einflüsse des veränderlichen Widerstandes in der Leitung, welche den in das Wasser versenkten Probewiderstand mit den auf dem Schiffe befindlichen Apparaten verbindet, in ebenso einfacher als sinnreicher Weise durch Kompensation unschädlich gemacht (balanced) sind. Die Anordnung der Leitungen ist die als Wheatstone'sche Brücke bekannte. Ein Pol eines Elektromotors (galvanische Batterie oder Magnetinductionsapparat) ist nach dem Wasser abgeleitet, in welchem die Messungen zu machen sind. Die von dem anderen Pole ausgehende Leitung theilt sich in zwei Zweige welche sich später wieder vereinigen und an der Vereinigungsstelle ebenfalls nach dem Wasser abgeleitet sind. Außerdem ist an einer Stelle zwischen dem Trennungs- und Vereinigungspunkte noch eine Querverbindung (Brücke) zwischen den beiden Zweigen hergestellt im) in diese ist ein Galvanometer eingeschaltet. Die beiden Stücke der Zweige vom Trennungspunkte bis zur Brücke enthalten genau gleiche Leitungswiderstände. Bekanntlich geht alsdann durch die Brücke und das Galvanometer nur in dem Falle kein Theil des Stromes, wenn die beiden Stücke der Zweige von der Brücke bis zur Vereinigungsstelle ebenfalls genau gleiche Leitungswiderstände enthalten. Diese beiden Stücke sind nun durch zwei gleiche Kupferdrähte gebildet, welche von einander isolirt in der Lothleine hinlaufen und am Ende derselben unter sich und mit dem Wasser in leitender Verbindung stehen. Diese beiden Drähte haben also immer gleiche Temperatur und folglich gleichen Leitungswiderstand. In die beiden Stücke der Leitung sind nun aber noch zwei genau gleiche, ziemlich große Widerstandsspiralen eingeschaltet und zwar in den einen Zweig ganz an dem Ende dicht vor der Vereinigungsstelle mit dem anderen Drahte, in den anderen Zweig aber dicht an der Brücke. Die Nadel des Galvanometers wird nun in Ruhe seyn, sobald die erste dieser Widerstandsspiralen, welche in das Wasser versenkt wird, und die zweite, welche auf dem Schiffe bleibt, genau gleiche Temperatur haben. Diese zweite Spirale ist deßhalb in ein Gefäß mit Wasser versenkt, welches zugleich ein Thermometer enthält. Mittelst eines durchgeblasenen Luftstromes wird dieses Wasser fortwährend umgerührt und mit Hülfe eines Kältegemisches kühlt man dasselbe immer so weit ab, daß die Galvanometernadel auf Null bleibt. Die am Thermometer beobachtete Temperatur muß dann gleich derjenigen der in's Wasser hinab gelassenen Widerstandsspirale seyn.

Die Widerstandsspiralen bestehen aus feinem, mit Seide umsponnenen Eisendraht |517| von je 500 British-Association-Einheiten Widerstand. Dieselben sind der Isolation wegen mit Paraffin getränkt und in metallene Hülsen eingeschlossen.

Die Lothleine wird zu allen Messungen so lang gelassen, wie sie im äußersten Falle gebraucht wird. Die beiden Kupferdrähte sind mit Gutta-percha isolirt und dann mit bestem Hanf umsponnen. Das Ganze ist äußerlich mit einem Kupferband umwunden und bildet einen dünnen, aber sehr festen Strang. Die Versuche haben ergeben, daß eine solche Leine in 3/4 Stunden 2000 Fäden niedergeht, während eine gewöhnliche Tiefseeleine dazu 2 Stunden braucht. (Mechanics' Magazine, Mai 1869, S. 361.)

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