Titel: Ueber die Entsilberung des Bleies durch Zink.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 193/Miszelle 7 (S. 518–519)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/mi193mi06_7

Ueber die Entsilberung des Bleies durch Zink.

In der Februar-Versammlung des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen sprach Hr. Bergrath Dr. Wedding über die Verbesserungen, welche in der Bleientsilberung durch Zink auf den fiscalischen Hüttenwerken des Harzes gemacht worden sind.

1) Bei der Entsilberung selbst hat der Versuch, diesen Proceß continuirlich durchzuführen, bisher noch kein günstiges Resultat ergeben. Bei der Anwendung eines zweischenkeligen Rohres, innerhalb dessen das silberhaltige Blei durch das Zink tropfenweise hindurchtreten sollte, so daß auf der anderen Seite beständig silberfreies Blei ausfloß, wurde stets auch silberhaltiges Zink mitgerissen, und es ergab sich, daß zur ausreichenden Trennung beider Metalle eine gewisse Zeit der Ruhe gehört. Dagegen haben Versuche mit mechanischen Rührvorrichtungen zum Mischen des Bleies und |519| Zinkes gute Resultate geliefert, so daß man zur betriebsmäßigen Einrichtung derartiger Maschinen schreiten wird.

2) Beim Raffiniren des zink- und antimonhaltigen entsilberten Bleies ist man, nachdem man zuletzt Staßfurter Abraumsalze in Blechbüchsen in das Bleibad gebracht hatte, von allen Chlor entwickelnden Mitteln abgegangen, und hat sich auf die Anwendung Sauerstoff abgebender Agentien beschränkt. Eine einfache Raffination im Treibofen führte zum Ziel, verlangte aber zu lange Zeit und gab daher zu große Bleiverluste. Der letztere Uebelstand zeigte sich auch in Folge zu heftiger Oxydation bei Benutzung von Chilisalpeter. Erhitzte Gebläseluft, welche man in das im Entsilberunskessel befindliche Blei einführte, gab nur dann günstige Resultate für die Entfernung des Antimons, wenn zuvor das Zink durch chlorirende Mittel entfernt worden war. Einfaches Polen des Bleies erforderte eine sehr hohe Temperatur und lange Zeit. Anwendung von Glätte kürzte die Zeit der Raffination ab und schien ganz dem Zwecke zu entsprechen; das Material war aber zu kostspielig und wirkte außerdem ungünstig auf die Gesundheit der Arbeiter, vielleicht weil man versäumte, die Glätte im flüssigen Zustande anzuwenden, und beim Aufstreuen der trockenen Glätte arges Verstäuben eintrat. Schließlich kam man zur Anwendung überhitzten Wasserdampfes von 12 bis 15 Pfd. Spannung, welcher sich zersetzend, das Zink in 2 1/2 Stunden vollständig oxydirt, worauf Antimon durch Polen abgeschieden wird. Der ganze Proceß erfordert nunmehr keine theuren Zuschläge und läßt sich in 14 statt in 40 Stunden einschließlich des Ausschöpfens ausführen.

3) Die Silbergewinnung findet jetzt ebenfalls auf die Weise statt, daß aus dem geschmolzenen blei-, zink- und silberhaltigen Zinkschaum durch überhitzten Wasserdampf das Zink als Oxyd abgeschieden wird, worauf ein concentrirtes Reichblei zurückbleibt. Das Zinkoxyd schließt noch einiges Silber mechanisch ein und soll davon durch eine Schlämmarbeit, Behandlung mit Säuren und eine Saigerung ganz befreit werden; doch ist die Gesammtmasse dieser Rückstände eine zu geringe, um in kurzer Zeit schon entscheidende Resultate liefern zu können. (Verhandlungen des Vereines zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1869 S. 31.)

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