Titel: Ueber die Einwirkung kochender Flüssigkeiten auf Glas- und Porzellangefäße; von Emmerling.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1869, Band 194/Miszelle 5 (S. 251)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj194/mi194mi03_5

Ueber die Einwirkung kochender Flüssigkeiten auf Glas- und Porzellangefäße; von Emmerling.

Die Chemiker müssen sehr oft Substanzen, die sie untersuchen wollen, kochen, und nehmen diesen Proceß gewöhnlich in Glaskolben oder Porzellanschalen vor; nur alkalische Lösungen werden in Platinschalen eingedampft, weil man weiß, daß sie das Glas sehr stark angreifen. Ob aber Glas und Porzellan gegen andere kochende Flüssigkeiten absolut widerstandsfähig sey, war bisher noch durch keine directen Versuche ermittelt. Die hierauf bezügliche Untersuchung des Hrn. Emmerling, welche im Junihefte der Annalen der Chemie veröffentlicht worden, füllt somit eine für den praktischen Chemiker sehr empfindliche Lücke aus. Die Hauptergebnisse dieser speciellen Untersuchung haben aber auch ein allgemeineres Interesse, weßhalb wir dieselben hier kurz angeben wollen: Die Einwirkung kochender Lösungen auf Glasgefäße ist innerhalb gewisser Grenzen mit der Zeit proportional. Sie ist bei neuen Gefäßen in den ersten Stunden etwas größer als im Durchschnitt, und nimmt mit längerem Gebrauch etwas ab.

Wie vorauszusehen war, steht die Einwirkung, die Menge der aufgelösten Glastheile in einem directen Verhältniß zur Oberfläche, die mit der kochenden Flüssigkeit in Berührung ist. Während sie aber von der Menge der in einer bestimmten Zeit verdampften Flüssigkeit, also von der Schnelligkeit des Kochens unabhängig ist, hat die Temperatur einen wesentlichen Einfluß. Die Einwirkung nimmt mit der Temperatur rasch ab.

Einen bedeutenden Unterschied ergaben sowohl die Bestandtheile der Flüssigkeiten, als auch die Beschaffenheit der Gefäße.

In ersterer Beziehung zeigten Alkalien schon in geringen Mengen eine starke Einwirkung auf Glas. Säuren hingegen, namentlich verdünnte, greifen das Glas nur schwach an, sogar weniger als Wasser. Eine Ausnahme macht nur die Schwefelsäure, welche stärker wirkt als Wasser. Von den Salzen greifen diejenigen Lösungen derselben das Glas stark an, deren Säuren unlösliche Kalksalze bilden, wie schwefelsaures, phosphorsaures, kohlensaures Natron und oxalsaures Ammoniak; alle Salze aber, deren Säuren lösliche Kalksalze bilden, also Chlorammonium (Salmiak), Chlorkalium, Chlorcalcium und salpetersaures Kali, greifen im gelösten Zustande das Glas nur schwach an. Ein kleiner Zusatz von Säuren zur Lösung vermindert nicht nur die Einwirkung des Wassers, sondern auch die der Salze.

Der Einfluß der Gefäßsubstanz zeigt sich darin, daß Gläser, deren Zusammensetzung nur wenig differirt, nahezu gleiche Widerstandsfähigkeit haben, daß böhmisches (kalihaltiges) Glas weniger, namentlich von Säuren, angegriffen wird, als Natrongläser, und daß die Bestandtheile des Glases ungefähr in solchen Verhältnissen in Lösung gehen, wie sie im Glase selbst enthalten sind. Berliner Porzellanschalen wurden nur von Alkalien erheblich angegriffen. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1869, Nr. 18.)

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