Titel: Lagillardaie's Heberpumpe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195, Nr. X. (S. 32–34)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/ar195010

X. Lagillardaie's Heberpumpe.

Nach Armengaud's Génie industriel, October 1869, S. 169.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die im Folgenden beschriebene Heberpumpe (pompe-siphon oder siphon aspirant) gestattet die directe Anwendung eines Gefälles, mit Umgehung aller durch dasselbe getriebenen Motoren, behufs Hebung einer der betreibenden gleichartigen oder verschiedenen Flüssigkeit.

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Diese Heberpumpe, Fig. 3032, besteht der Hauptsache nach aus Zwei Winkelhebern a, b, c und e, f, g, welche jedoch nicht unter den gewöhnlichen Umständen functioniren, sondern deren Wirkungsweise dadurch erheblich modificirt wird, daß die Heberarme theilweise mit Flüssigkeit allein, theilweise mit einem Gemisch derselben mit Luft gefüllt sind.

Durch den Heber e, f, g wird Flüssigkeit von dem Niveau N auf das Niveau N'' gehoben; um in demselben eine Circulation der Flüssigkeit im Sinne der Pfeile zu ermöglichen, wird am unteren Ende des Steigrohres f, g durch den Hahn r' Luft in fein vertheiltem Zustande eingelassen. Dieselbe vermischt sich mit der Flüssigkeit und sondert sich von letzterer in dem Gefäße A' dem Vertheiler (Distributeur), wieder ab, um aus demselben durch das Rohr i, r wieder ausgesaugt zu werden, während die abgeschiedene Flüssigkeit im Ausflußrohre e, f nach abwärts strömt, und ein Steigen, resp. Nachströmen des specifisch leichteren Gemisches von Luft und Flüssigkeit zur Folge hat. Das bei r einströmende Luftquantum muß so regulirt werden, daß das Product aus dem specifischen Gewichte des Gemisches in die Höhe N N''' kleiner ist als jenes aus dem specifischen Gewichte der Flüssigkeit in die Höhe N' ' N'''. Der im Heber e, f, g stattfindende Vorgang ist dadurch bedingt, daß die im Vertheiler A' sich abscheidende Luft ausgesaugt wird, und daß die Spannung derselben um einen der Flüssigkeitssäule f, e (N'' N''') entsprechenden hydrostatischen Druck kleiner ist als jener der äußeren Atmosphäre.

Der Heber a, b, c dient dazu, die Luft aus dem Vertheiler A' auszusaugen und ihren Druck in der erwähnten Weise unter jenen der Atmosphäre zu bringen. Zu diesem Zwecke ist der Luftraum des Vertheilers durch das Rohr i, r mit dem oberen Ende des Heberarmes a, b verbunden; die Luft wird in denselben eingesaugt, mischt sich mit der abwärtsströmenden Flüssigkeit, und gelangt bei a durch das Unterwasser in's Freie.

Damit die beiden Heber in der angedeuteten Weise functioniren können, ist es nothwendig daß in den Röhren g, f und a, b die Luft der Flüssigkeit in fein vertheiltem Zustande beigemischt sey. Um dieß zu erzielen, läßt Lagillardaie erstere bei r und r' nicht direct in die Röhren einströmen, sondern schaltet in dieselben durchlöcherte mit einem Mantel umgebene Rohrstutzen (Fig. 31) ein, welche die Bildung größerer Luftblasen verhindern.

Zum Anlassen der Pumpe dient das Gefäß A, der Amorceur, welcher einerseits durch das Rohr C mit dem Oberwasser R des disponiblen Gefälles, andererseits durch das Rohr D mit dem Heber a, b, c in Verbindung steht. Mit Hülfe des Amorceur wird die Pumpe (vorausgesetzt |34| daß alle Hähne geschlossen sind) in folgender Weise in Betrieb gesetzt. Man öffnet die Hähne j und j' und füllt den Amorceur durch den Trichter l, schließt hierauf dieselben und stellt durch Oeffnen des Hahnes k die Verbindung des Amorceur mit dem Oberwasser her. Der Amorceur entleert sich theilweise, und die hierdurch entstehende Luftverdünnung in demselben und in den Armen des Hebers a, b, c hat die Füllung und Ingangsetzung des letzteren zur Folge, welche ihrerseits wieder die theilweise Füllung des Amorceur nach sich zieht.

Nach Verlauf dieses Vorganges öffnet man den Hahn r'; die im Vertheiler A' befindliche Luft wird durch das Rohr i, r ausgesaugt, die zwei Arme des Hebers e, f, g füllen sich theilweise, worauf der letztere durch Oeffnen des Hahnes r' in Betrieb gesetzt wird.

Als Vortheile der beschriebenen Pumpe kann man, abgesehen davon daß man durch sie in den Stand gesetzt ist ohne Anwendung einer Kraftmaschine Wasser zu heben, den Umstand bezeichnen, daß die zu hebende Flüssigkeit von jener des Gefälles verschieden seyn, und daß sich ohne Kraftverlust der Pumpenheber e, f, g in bedeutender Entfernung von dem Gefälle befinden kann. Die letztgenannten zwei Vortheile hat die vorliegende Pumpe vor Nagel's Wasserstrahlpumpe7) voraus, welche jedoch wegen Einfachheit ihrer Construction vor jener in dem Falle den Vorzug verdient, wo Gefälle und Saughöhe sich nebeneinander befinden.

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Polytechn. Journal, 1865, Bd. CLXXVII S. 267.

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