Titel: Riche, über die Bronze der chinesischen Gong-gong etc.
Autor: Riche, Alfred
Fundstelle: 1870, Band 195, Nr. XX. (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/ar195020

XX. Ueber die Bronze der chinesischen Gong-gong und türkischen Becken; von A. Riche.

Aus den Comptes rendus, t. LXIX p. 985; November 1869.

Vor Kurzem veröffentlichte ich den zweiten Theil meiner Untersuchungen über die Kupferzinnlegirungen14) und schloß aus den Versuchen über die verschiedene Dichtigkeit, welche die Bronze der chinesischen Gong-gong und türkischen Becken nach dem Anlassen und dem Ausglühen zeigt, daß die Erfolglosigkeit der in Frankreich angestellten Versuche zur Anfertigung dieser durch ihre außerordentliche Klangfähigkeit ausgezeichneten Instrumente daher rühren müsse, daß man die Legirung bei gewöhnlicher Temperatur bearbeitete, anstatt dieselbe in heißem Zustande zu hämmern, wie dieß nach Dumas die Encyclopédie japonnaise vorschreibt.

Die sehr interessanten, von Champion mitgetheilten Details über die Fabrication der Gong-gong in China und die in der Pariser Münze zu meiner Verfügung stehenden Einrichtungen veranlaßten mich, über |76| diese Legirung Versuche im Großen, und zwar bei verschiedenen Temperaturen abzuführen.

Da die von verschiedenen Chemikern ausgeführten Analysen des Metalles der Chinesen nachgewiesen hatten, daß dasselbe aus Zinn und Kupfer in dem Verhältnisse von ungefähr 20 Proc. des ersteren und 80 Proc. des letzteren besteht, so ließ ich Bronzebarren mit 21,5, 20,0 und 18,5 Proc. Zinngehalt gießen und dieselben bei Temperaturen zwischen der Hellrothgluth und der gewöhnlichen Temperatur mit dem Hammer bearbeiten. In der Kälte ist das Metall spröde wie Glas; bei 300 bis 350°C. zeigt sich in dieser Hinsicht eine merkliche Besserung; bei der Dunkelrothgluth könnte man glauben, mit einem ganz anderen Metalle zu thun zu haben, denn es läßt sich dann wie Eisen oder Aluminiumbronze bearbeiten. Das Metall läßt sich, ohne zu reißen oder zu brechen, unter den schwersten Hämmern strecken und Bleche von 6 bis 8 Millimet. Stärke können ohne Schwierigkeit bis zur Stärke von 1 Millimet. ausgeschlagen werden. Die erhaltenen Bleche haben das Ansehen des chinesischen Metalles und besitzen eine große Klangfähigkeit.

Während das Metall unter dem Hammer so rasch erkaltet, daß es jeden Augenblick wieder angewärmt werden muß, wodurch die Arbeit verzögert und complicirt wird, kann man beim Walzwerke sehr starken Druck geben und die Schiene rasch strecken, wenn man bei Dunkelrothglühhitze arbeitet. In der Kälte genügt ein einziger Durchgang durch die Walzen, um die Legirung in Splitter zu verwandeln.

In heißem Zustande läßt sich diese Legirung wie Eisen und Stahl schneiden; sie zeigt das feine und gleichmäßige Korn des letzteren. Mittelst Goldarbeiterloth läßt sie sich ohne Schwierigkeit löthen.

Die nachstehenden Versuche scheinen zu zeigen, daß die Dichtigkeit der Legirung durch das Hämmern und Walzen in heißem Zustande nur geringe Veränderungen erleidet.

Specif. Gew.
nach dem Gusse
Specif. Gew.
nach dem Strecken
Chinesische, von Champion mitgebrachte Bronze 8,948
Bronze mit 21,5 Procent Zinn 8,938 8,929
„ „ 18,5 „ „ 8,882 8,938

„ „ 20,0 „ „
8,924
8,18
8,912

8,920

Die letzte dieser Legirungen war nach dem Gusse eine Platte von 6 Millimet. Stärke; sie wurde bis zur Dicke von 1 Millimet. ausgewalzt, bevor ich ihre Dichtigkeit bestimmte.

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Polytechn. Journal, 1869, Bd. CXCIV S. 126.

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