Titel: Schauwecker's selbstthätiger Oel-Tropfapparat für Schieber und Kolben der Locomotiven und Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195, Nr. CXXXIII. (S. 492–496)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/ar195133

CXXXIII. Schauwecker's patentirter Oeltropf-Apparat für Schieber und Kolben der Locomotiven und Dampfmaschinen.

Mit einer Abbildung auf Tab. IX.

Durch diesen praktisch erprobten Apparat – dessen neuere Construction in diesem Journal, 1869, Bd. CXCI S. 348 nach beigegebener Abbildung beschrieben wurde – ist die Aufgabe gelöst, jene im Dampf laufenden wesentlichsten Theile der Dampfmaschine, denen bisher nur die geringe Dampffeuchtigkeit als Schmiere dienen mußte, bei jedem einzelnen Hub nach Bedürfniß tropfenweise zu ölen.

Hierdurch werden sehr bedeutende Vortheile erzielt; denn es ist bekannt, daß ein Dampfschieber, welcher z.B. unter einem Dampfdrucke von 6 Atmosphären – also unter einem Druck von 100 Centner per Quadratfuß – arbeitet, nicht allein starke Reibung und Abnutzung, sondern auch oft beträchtliche Dampfverluste verursacht – bloß deßhalb weil er der beständigen Oelschmiere ermangelt.

Es ist ferner bekannt, daß die zur Ueberwindung der Reibung erforderliche Kraft bei der Oelschmiere eine viermal geringere ist, als bei der Dampf- oder Wasserschmiere.

Da durch das Oelen des Schiebers zugleich auch der Kolben bestens geschmiert wird, so erzielt man auch beim Kolben einen leichten Gang, sowie die beste Dichtheit und geringste Abnutzung der Absperrflächen.

Die vielen bisherigen Versuche, dem Schieber und Kolben Oel zuzuführen, widersprechen der Natur der Dampfmaschine. Bei den meisten Apparaten wird die beim Beginn der Bewegung plötzlich in den Dampfraum sich ergießende Oelmasse sogleich mit dem Dampf in die Luft oder durch die Schlammhahnen getrieben und ihre Wirkung ist nach einigen Kolbenzügen spurlos verschwunden. Die neueren Apparate, welche nur beim Leergang der Maschine wirken, also nur dann, wenn kein Druck auf dem Schieber lastet, haben für feststehende Dampfmaschinen keinen Werth, weil diese Maschinen nur selten und dann erst nach der Arbeit zum Leergang kommen.

Der Oel-Tropfapparat dagegen ölt den Schieber und Kolben beständig und tropfenweise bei jedem einzelnen Hub, aber nur während der Bewegung und ohne mehr Oel als früher zu verbrauchen. Steht die Maschine still, so wirkt der Apparat nicht. Muß die Maschine schnell |493| und schwer arbeiten, so ölt der Apparat selbstthätig besser, als bei langsamer und leichter Arbeit.

Kurz ausgedrückt: Mit den bisherigen Apparaten wird gleichsam das Faß Oel auf den Boden geschüttet und geht verloren, mit dem Oel-Tropfapparat dagegen wird jeder Tropfen Oel zum größten Nutzen der Maschine verwerthet.

Durch die Capillarität der feinen, durch doppeltes Sieb S vor Verstopfung geschützten Ausflußröhre R' (Fig. 47 auf Tab. IX) wird nämlich die Wirkung der Schwere des im Apparat befindlichen vom Dampf verdickten Oeles aufgehoben und es kann also beim Stillstand der Maschine kein Oel austreten. Erst durch die in Bewegung befindliche Maschine, d.h. durch die bei jedem Kolbenhub entstehenden Wechsel der Dampfspannung wird der Apparat wirksam und zwar dadurch, daß ein bei jedem Kolbenhub auf die Oberfläche des Oeles erfolgter Stoß einen Oeltropfen aus dem Röhrchen R' austreibt. Je öfter und je stärker also die Stöße erfolgen, d.h. je schneller und schwerer die Maschine arbeitet, desto mehr Oeltropfen treten aus; im umgekehrten Fall – umgekehrt. – Der aus dem Schieberkasten in den Cylinder strömende Dampf vertheilt die Oeltropfen auf den Reibungsflächen und es kann davon nichts übrig bleiben um in die Luft gerissen zu werden.

Das Füllen des Apparates ist im Nachfolgenden beschrieben. Die Fläche a, a ist eine geschliffene, durch den Gebrauch immer dichter werdende Ringfläche; auf einer ähnlichen Fläche ist die Schraube C angezogen. Selbstthätige Ventile und Kolben, Hahnen, Docht und Feder sind absichtlich und streng vermieden. Die Wirkung des Apparates beruht in der Thätigkeit dreier Kräfte, welche einer Abnutzung unmöglich unterliegen: 1) Spannungswechsel bei jedem Kolbenhub, 2) Schwerkraft des Oeles, 3) Capillarität der Röhren R' (beim Locomotiv-Apparat 4) eingesperrte Luft als schlechter Wärmeleiter). Der Apparat ist deßhalb nicht allein höchst vortheilhaft, sondern auch zuverlässig.

Die Wirkung des Apparates läßt sich auf einfache Weise so reguliren, daß die Entleerung in beliebig festgesetzter Zeit erfolgt.

Von einer nothwendig werdenden Reparatur des Apparates kann – wie jeder Sachkenner sieht – nicht die Rede seyn. Der Apparat kann von Jedermann bedient, aber von Niemand beschädigt werden. Ein jährlich einmaliges Ausblasen mit Dampf und nach 4 bis 6 Jahren (wenn sich die Röhre R' verstopft erweisen sollte) das Einlegen neuer Siebe kann als Reparatur nicht zählen.

Die werthvolle Wirkung des Oel-Tropfapparates besteht also einfach |494| darin, daß eine früher nie vorhanden gewesene Fettschichte zwischen den Schieber- und Kolbenflächen erzielt wird. Besagte werthvolle Fettschichte bewirkt:

  • 1) Entlastung des Schiebers und bedeutende Verminderung der Reibung von Schieber und Kolben, sowie Beseitigung der Dampfverluste wegen erhöhter Dichtheit der Dampfabsperrflächen. Diese Wirkung macht sich bei gleicher früherer Leistung der Maschine durch 15–30 Proc. Kohlenersparniß ersichtlich, wie durch Zeugnisse constatirt und durch Theorie leicht erklärlich ist.
  • 2) Ersparniß an Reparaturkosten des Dampferzeugungsapparates, sowie der Dampfschieber und Kolben.

Außerdem werden durch den fetten Dampf die Kolben- und Schieberstangen beständig eingefettet und die Excenter etc., welche den nunmehr viel leichter gehenden Schieber zu bewegen haben, bedürfen weniger Oelung und Reparatur.

Der Oel-Tropfapparat bietet also den Vortheil, bei gleicher Leistung der Maschine Kohlenersparniß und bei gleichem Kohlenverbrauch Erhöhung des Nutzeffectes zu erzielen, außerdem entsteht besonders im ersten Fall namhafte Reparaturkosten-Ersparniß.117)

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Abgeänderter Oel-Tropfapparat für Schieber und Kolben der stationären Dampfmaschinen.

Für Schiffs- und diejenigen Dampf- und Gebläsemaschinen, welche sich länger als 12–14 Stunden ununterbrochen bewegen müssen, erschien es nothwendig, meinen Apparat mit einer derartigen Füllvorrichtung zu versehen, daß das Füllen auch während der Bewegung ebenso leicht geschehen kann, wie mit dem Doppelhahnen.

Da ein Apparat, welcher bei dampferfüllten Räumen wirken soll, nicht allein dicht eingesetzt, sondern auch an und für sich dicht seyn muß, so ist es geboten, wenig verschließbare Oeffnungen anzubringen. Schon aus diesem Grund muß die Anwendung zweier Hahnen, welche beim jetzigen Schmierhahnen 5 Oeffnungen zu verschließen haben, unterbleiben; denn dieser an den Dampfmaschinen befindliche Doppelhahn ist schon deßhalb ein großer Oelverschwender, weil diese 5 Oeffnungen niemals dicht verschlossen werden können – sollen die Hahnen nur einigermaßen bewegbar bleiben.

Die Bequemlichkeit beim Füllen, welche der Doppelhahn gewährt, bietet auch der in Figur 47 auf Tab. IX dargestellte Apparat, obwohl dessen Körper bloß eine Oeffnung trägt.

Es ist ersichtlich, daß beim Auf- und Abwärtsdrehen der Kurbel nicht allein die Schraubengänge, sondern ganz besonders der dicht anliegende Ansatz der Schraube J als Kolben dampfabsperrend wirkt. Dreht man die Kurbel circa eine Umdrehung einwärts (also rechts herum), so hat v die Dampfeinströmung abgeschlossen. Das Füllloch, d. i. die mittlere Bohrung der Schraube J steht durch die Oeffnungen o, o mit dem Gefäß in Verbindung. Verschlossen ist das Füllloch mit der Schraube C, welche selbst wieder mit einer Füllöffnung versehen ist und deßhalb nicht ganz herausgedreht zu werden braucht.

Zieht man – nachdem das Füllloch zugeschraubt ist – die Kurbel links herum an, so wird die Dampfeinströmung geöffnet und das Gefäß bei a, a vollkommen dicht abgeschlossen.

Dieser Apparat läßt sich also während der Bewegung der Maschine ebenso leicht füllen, wie der viel Reparatur kostende Doppelhahn-Schmierapparat, |496| welcher kaum 1/100 seines Inhaltes zur Verwerthung bringt (wie vorstehend erklärt ist).

Beim Doppelhahn wird zuerst mit dem unteren Hahn der Dampf abgesperrt, alsdann wird der obere Hahn geöffnet, der Druck herausgelassen und dann gefüllt.

Bei diesem Oel-Tropfapparat wird durch eine Kurbelumdrehung zuerst der Dampf abgesperrt; alsdann wird die Schraube C hervorgedreht, der Druck herausgelassen und dann gefüllt.

Fr. Schauwecker,
Werkmeister der bayer. Ostbahnen zu Weiden.

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Ein Apparat dieser Construction in Rothmetall ausgeführt kostet 15 Thaler; es werden aber auch Constructionen zu 6 1/3 und 8 1/2 Thlr. geliefert. Von vielen Anerkennungsschreiben theile ich nur folgende mit:

Hrn. Fr. Schauwecker in Weiden (Bayern).

Durch vergleichende Versuche, die mit Ihrem Oel-Tropfapparat nebst anderen derartigen Schmierapparaten bei Locomotiven der hannoverschen Staatsbahn vorgenommen wurden, habe ich mich jetzt von der vorzüglichen, sicheren und ökonomischen Wirkungsweise Ihrer Schmiervorrichtung überzeugt und in Folge dessen dieselbe auch im IV. Heft des technischen Vereinsorgans bei Gelegenheit der Beschreibung Ihrer Verbesserung empfohlen.

Hannover, den 26. Mai 1869.

gez. Edmund Heusinger von Waldegg,
Ober-Ingenieur des Vereines deutscher Eisenbahnverwaltungen.

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Hrn. Werkmeister Schauwecker in Weiden.

Die so günstigen Resultate welche wir mit Ihren Schmier-Apparaten erzielt haben, bestimmen uns, in allen Fällen wo uns nicht besondere Vorschriften gegeben weiden, nur diese zu verwenden; wir constatiren gern, daß von all den vielen Schmiervorrichtungen, welche wir untersucht und probirt haben, die Ihrige als die beste und zuverlässigste sich erwiesen hat, da sie eine regelmäßige Schmierung der Schieber und Kolben, sowohl bei der Arbeit als auch beim leeren Gang der Maschine unterhält, was bis jetzt noch mit keinem anderen Apparate möglich ist.

Wir können Ihnen deßhalb zu dem weiteren Erfolg, den Sie ohne Zweifel erzielen werden, nur gratuliren und zeichnen mit aller Achtung.

München, den 10. October 1869.

Locomotivfabrik Krauß und Comp.
gez. Krauß.

––––––––––

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Hrn. Fr. Schauwecker in Weiden.

Ich constatire mit Vergnügen, daß durch die regelmäßige Oelvertheilung bei meiner 10pferdigen Dampfmaschine nicht allein ein erleichterter Gang, sondern auch ein täglicher Minderverbrauch von 2 Centner (also 20 Proc.) Steinkohlen eingetreten ist.

Ernst Zorn,
Maschinenfabrik- und Eisengießerei-Besitzer in Regensburg.

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