Titel: Ueber die Champonnois'sche Walzenpresse für Zuckerfabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195, Nr. CXLIII. (S. 518–519)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/ar195143

CXLIII. Die Champonnois'sche Walzenpresse in der Zuckerfabrik Cuincy.

Nach dem Journal des fabricants de sucre, 1869 Nr. 41 und der Sucrerie indigène Nr. 12.

Die im polytechnischen Journal Bd. CXCI S. 116 beschriebene Walzenpresse ist von Lachaume noch verbessert worden (sie heißt auch jetzt: Presse Champonnois, collaboration Lachaume) und arbeitet in sechs Exemplaren in continuirlichem Betriebe. Unbedingt gehört dazu die Champonnois'sche Reibe (man s. dieses Journal Bd. CLXXXVI S. 193), welche allein im Stande ist, den Rübenbrei frei von Stücken zu liefern.

Folgendes sind die seit vorigem Jahre und seit den Versuchsarbeiten in Paris an der Presse angebrachten Verbesserungen:

Der dreikantige Draht, welcher die Wandung der Walzen bildet, ist in sechs, von einander unabhängigen Abtheilungen oder Ringen auf jede Walze aufgezogen; das eine Ende jedes Drahtes ist fest, das andere frei beweglich und gezahnt; letzteres greift in eine in die Walze versenkte Zahnstange mit Sperrrad so ein, daß sich der Draht ohne Nachthell verlängern, nicht aber zurückgehen kann.

Ferner hat man die stählernen Abstreichmesser durch eiserne mit Messingfassung ersetzt und so die Reibung vermindert.

Dann ist definitiv ein Saftsieb vorhanden, welches cylindrisch ist und sich langsam um seine Achse dreht, so daß der hindurchfließende Saft frei von Fasern austritt. Das Sieb ist ein solches von Nr. 70 und macht 40 Umdrehungen in der Minute; der nicht durchfließende mit Fasern erfüllte Saft erhält einen kleinen Kalkzusatz und gelangt wieder auf die Reibe.

Endlich ist eine Reinigungsvorrichtung für die Oberfläche der Preßwalzen angebracht worden, durch welche nach je 6 Stunden die sich festsetzenden Fasern u.s.w. entfernt werden; es wird dieß als unumgänglich für regelmäßige Arbeit bezeichnet. Diese Vorrichtung besteht aus weiten, mit Gummienden versehenen Röhren, welche sich dicht an die Walzenflächen anlegen und mit einem Wasserrohr unter einem Druck von 5–6 Atmosphären in Verbindung gesetzt werden.

Der Brei in Cuincy erhält 20 Procent Wasser auf der Reibe; die Pressen machen 7 Umdrehungen in der Minute und liefern in 20 Stunden |519| etwas über 2000 Hektoliter Saft. An Preßlingen sollen 25–26 Procent erhalten werden, also doch erheblich mehr als bei den Versuchen in Paris. Daß diese Preßlinge sehr wasser- und zuckerreich seyn müssen, liegt auf der Hand; Vivien fand bei einem vorläufigen Versuche 75,7 Proc. Wasser und 7,4 Proc. Zucker.

Der Saft enthält sehr viele Fasern und erfordert daher eine mechanische Entfaserung; dazu ist die oben bezeichnete Siebvorrichtung vorhanden. Auch setzt sich auf der Saftrinne viel Schaum an, welcher mit Wasser niedergeschlagen wird und dann wieder zur Reibe gelangt. Im Ganzen kommt etwa 1/20 Procent Kalk auf die Rübe.

Der Preis einer Walzenpresse beträgt 5000 Francs; dazu kommt aber noch eine Patentprämie im Betrag von 1/2 Franc für jede 1000 Kilogr. verarbeiteter Rüben.

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