Titel: Ueber die Veränderung des Zinnes durch die Kälte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 10 (S. 92)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi01_10

Ueber die Veränderung des Zinnes durch die Kälte.

Die (im polytechn. Journal Bd. CXCI S. 171 mitgetheilte) Beobachtung einer eigenthümlichen Structurveränderung von Banca-Zinn hatte Hrn. Fritzsche bestimmt, Versuche über den Einfluß der Kälte auf dieses Metall anzustellen. Er schrieb hierüber an Graham im Septemberhefte von 1869 des Philosophical Magazine:

„Obwohl ich überzeugt war, daß diese Erscheinung durch die intensive Kälte im Beginn des Jahres 1868 veranlaßt war, wünschte ich doch diese Annahme durch Experimente zu prüfen. Ich habe später dieselben noch vervollständigt. Ich setzte einige von einem Block Banca-Zinn losgeschlagene Stücke in einem Alkoholbade einer Temperatur von – 32 bis – 35° R. aus: die Stücke erlitten genau dieselbe Veränderung, wie die in Frage stehenden Blöcke.

Will man eine solche Kälte einige Stunden lang erhalten, dann muß man den Beginn der Krystallisation einleiten, welche sich durch das Auftreten knopfähnlicher Hervorragungen von stahlgrauer Farbe zeigt, die sich von der Oberfläche des Zinnes erheben. Jede Hervorragung stellt einen Mittelpunkt dar, von dem die Krystallisation vorschreitet, wenn die Kälte weiter anhält. Nach und nach treffen sich die nadelförmigen Krystalle, erzeugen Spalten an den Berührungsstellen, und das Stück, dessen Volumen sehr vergrößert ist, zerfällt in kleine Stückchen, welche zerbrechlich und unter den Fingern zerreiblich sind.

Merkwürdig ist, daß Erwärmen die stahlgraue Farbe zum Verschwinden bringt. Taucht man das stahlgraue Zinn (in einer Glasröhre) in heißes Wasser, so erscheint die natürliche weiße Farbe, aber ohne den Metallglanz wieder. Diese Farbenänderung ist mit keinem Gewichtsverlust verbunden, ebensowenig wie der Uebergang des geschmolzenen Zinnes in die krystallinische Modification. Ich habe in veränderten Blöcken Höhlen gefunden, deren Inhalt bis 0,8 Kubikcentimeter stieg. Beim Zerschneiden der Blöcke fand ich, daß die Umwandlung nur eine oberflächliche war, während die Mitte sich im natürlichen Zustande befand. Ich habe da ähnliche Höhlen gefunden, und es ist außer Zweifel, daß sie schon vor dem Beginn der Aenderung existirt haben. Das englische Zinn hat bisher nicht zum Krystallisiren gebracht werden können; das Banca-Zinn erleidet aber die Veränderung noch, nachdem es geschmolzen worden.“ (Naturforscher, 1869, Nr. 47.)

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