Titel: Albolith, ein neuer Cement.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 11 (S. 92–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi01_11

Albolith, ein neuer Cement.

Unter dem Namen Albolith fabricirt W. Riemann in Breslau, wie er im dortigen Gewerbeverein mitgetheilt, einen Cement, dessen wesentlicher Bestandtheil Magnesia ist. Zur Darstellung desselben wird Magnesit (natürliche kohlensaure Magnesia) |93| von Frankenstein in Schlesien zerkleinert und in etwa faustgroßen Stücken in Retortenöfen gebrannt, wie solche in Gasanstalten angewendet werden. Der gebrannte Magnesit wird auf Kollersteinen gemahlen, im Beuteltuch gesiebt und hierbei mit entsprechenden Mengen amorpher Kieselerde u.s.w. innig gemischt. Dieses Cementpulver läßt sich, mit Wasser angerührt, ähnlich wie Gyps, zu Ornamenten verarbeiten, kann aber mit dem Gyps nicht concurriren. Dagegen hat dasselbe die eigenthümliche Eigenschaft, mit einer mäßig concentrirten Lösung von Chloriden, z.B. mit Chlormagnesium, in Verbindung gebracht, eine außerordentlich harte und plastische Masse zu geben. Die im richtigen Verhältniß gemischte Albolithmasse, die nach dem Zwecke der Verwendung die Consistenz eines stärkeren oder schwächeren Mehlbreies haben muß, gesteht je nach der Temperatur, in welcher man arbeitet, allmählich zu einem dickeren Brei, der in der Regel schon nach sechs Stunden hart ist. Nachdem die Masse so hart geworden ist, daß sie noch Eindrücke mit dem Nagel annimmt, erfolgt eine Selbsterwärmung, die nach der Größe und Stärke des darzustellenden Objectes verschieden ist. Fußplatten von 1 Quadratfuß und 1 Zoll Stärke erwärmen sich z.B. über 80° R. Es ist dieß für die Verwendung des Materiales zur Darstellung größerer Ornamente ein schwer zu überwindender Uebelstand, indem Leimformen dabei nur mit großer Vorsicht in Anwendung kommen können; man muß die Leimformen oben ablösen, bevor das Stadium der Wärme eintritt. Bei kleineren Objecten ist die Erwärmung kaum wahrnehmbar und deßhalb nicht hinderlich. Die Plasticität der Masse ist außerordentlich groß; für Gypsornamente hat dieselbe dadurch Bedeutung, daß erstere äußerlich sehr hart werden, wenn man sie mit dünner Albolithmasse bestreicht und den Anstrich wiederholt, bis nichts mehr einzieht.

In derselben Weise kann anderen Materialien eine solche größere Festigkeit verliehen werden. Zur Reparatur ausgelaufener Sandsteine dürfte sich kein Material besser eignen als der Albolith-Cement. Für den Anstrich von Häusern liegen in Frankreich schon mehrjährige günstige Erfahrungen vor. Die Haltbarkeit dieses Cementes auf Holz ist eine außerordentliche und wurden bereits Versuche angestellt, Eisenbahnschwellen damit zu conserviren; selbstverständlich kann erst eine mehrjährige Erfahrung ein Urtheil darüber reifen lassen. Die Haltbarkeit des dünnen Anstriches aber stellt seine praktische Verwendbarkeit im Inneren der Häuser zum Anstrich der Treppenstufen, Fußböden u. dergl. außer Zweifel. Hölzerne Treppen, welche im Freien liegen, werden zweckmäßig mit einer Cementschicht von 1/8 Zoll Stärke überzogen.

Die Widerstandsfähigkeit des Albolith-Cementes wird noch vermehrt durch seine große Elasticität, eine Eigenschaft, die ihn vor allen künstlichen und natürlichen Steinen auszeichnet. Der beste Beweis für die Elasticität ist der vielfach angestellte Versuch Billardbälle daraus zu verfertigen, doch haben sich dieselben bisher nicht bewährt, da es sehr schwierig ist, ihnen eine gleichmäßige Härte zu geben, so daß der härtere dem weicheren keinen Eindruck verursacht. Als Kitt ist dieser Cement vortrefflich; als Holzkitt ist er für die Küfer bedeutend, da die Fugen der Fässer hierdurch hermetisch geschlossen werden und die Wirkung der Bänder um die Fässer unterstützt wird. Auf öligen Flächen haftet er nicht, auf getrockneten Oelen dagegen wieder sehr gut. Unter Wasser ist derselbe nicht zu verwenden, da die Härte abnimmt. (Deutsche Iudustriezeitung, 1869, Nr. 43.)

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