Titel: Ueber die Herstellung großer Schraubenmuttern durch Guß; von Joseph Thoma, Ingenieur in Memmingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 4 (S. 88–89)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi01_4

Ueber die Herstellung großer Schraubenmuttern durch Guß; von Joseph Thoma, Ingenieur in Memmingen.

Größere Schraubenmuttern mit flachen Gewinden werden sowohl für die Industrie als für die Landwirthschaft häufig angewendet. Die Herstellung derselben namentlich |89| bei größeren Dimensionen macht die Anschaffung von Spindelpressen immer theurer, besonders wenn die Spindel 2, 3, 4, 5 bis 6 Gänge hat, wie dieß bei Pressen zum Ausstanzen von Blechen etc. der Fall ist.

Ich hatte vor kurzer Zeit Veranlassung, eine Mutter von sechsfachem Gewinde für 6 Zoll Durchmesser und 12 Zoll Höhe anzufertigen, und zwar für eine vorhandene unregelmäßig geschnittene Spindel, d.h. eine solche bei der die 6 Gewinde verschiedene Stärke hatten. Die zu ersetzende Mutter war wegen dieses Umstandes nach kurzer Zeit zerbrochen, weil es höchst schwierig war, die Mutter passend zu der Spindel zu schneiden.

Um den Zweck zu erreichen, gab es kein anderes Mittel, um eine exacte Mutter zu erhalten, als solche um die vorhandene Spindel anzugießen, was aber auch seine Schwierigkeiten darbot. – Um mein Vorhaben auszuführen, fertigte ich aus 2 Linien starkem Blech eine Schablone, welche circa 5 Zoll länger und 3 Zoll breiter war als die Metalldicke der Mutter, und welche genau an die Spindelgänge an der Stelle paßte, wo die Mutter umgegossen werden sollte. Nachdem nun die sechseckige Mutter in einem zweitheiligen Formkasten geformt war, wurde die Spindel in die Mitte der Mutterform eingestellt, welche zuvor gehörig durchwärmt war, sodann die Blechschablone an die Spindel gelegt und der obere Formkasten darauf, und zum Gießen beschwert. Zur Vorsicht wurde die Spindel an der Stelle der Mutter schön gleichmäßig mit Graphit bestrichen.

Nachdem die Mutter gegossen und etwas erkaltet war. wurde abgedeckt, die Blechschablone herausgenommen, und in die hinterlassene Oeffnung mehrere Keile eingetrieben, um das Zusammenziehen der Mutter durch das Erkalten zu verhindern. Zu gleicher Zeit wurde die Mutter schwach gehämmert, welches man mit der Erkaltung verstärkte, wodurch die Mutter von der Spindel gelöst wurde. Nachher wurde die Spindel sammt Mutter an den Bestimmungsort gebracht, der Preßarm an die Spindel gesteckt, und die Spindel ganz leicht abgedreht.

Die ganze Arbeit zur Herstellung der Mutter war somit durch eine sehr einfache Gießerarbeit auf die vollkommenste Art hergestellt.

Meinem Dafürhalten nach könnten auf diese Art alle Muttern für Most-, Heupressen etc. hergestellt werden und zwar billiger als durch das Schneiden auf der Drehbank.

In die zurückgebliebene Spalte der Mutter werden Blechstreifen eingeschlagen, wodurch die Mutter wie aus einem ganzen Stück geschlossen wird. (A. a. O.)

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