Titel: Ueber das Spectrum der Bessemerflamme.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 8 (S. 90–91)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi01_8

Ueber das Spectrum der Bessemerflamme.

Nachdem Bragge in Sheffield die Anwendung der Spectrolyse beim Bessemern vorgeschlagen, fand Roscoe, daß Kohlenstoff oder Kohlenstoffverbindungen (Kohlenoxyd) |91| eine wesentliche Rolle im Bessemerspectrum spielen. Nachdem Watt und Lielegg 19) die Abweichungen in den Kohlenstoffspectren, mit welchen sie das Bessemerspectrum verglichen, nicht darin gesucht, daß letzteres überhaupt kein Kohlenstoffspectrum sey, sondern in den verschiedenen Bedingungen der Bildung, wies Brunner zu Neuberg20) zuerst darauf hin, daß das Spectrum dem Kohlenstoff gar nicht, sondern möglicher Weise dem Mangan und Eisen angehöre, was neuerdings mehrfach bestätigt worden, so auch von Wedding in der preußischen Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, Bd. XVII S. 117, und namentlich unter Zugrundelegung eigener und der zu Königshütte in Oberschlesien von Sattler, Hasenöhrl und Schlenz gemachten Beobachtungen zur Geltung gebracht wird. Nach der von denselben aufgestellten Hypothese kommt das verschlackte oxydirte Mangan nicht durch Verdampfung, sondern nur in Form von festen oder flüssigen Verbindungen in die Flamme und kann folglich in diesen keinen Einfluß auf das Spectrum ausüben. Angestellten Versuchen zufolge gibt wenigstens kieselsaures Manganoxydul in hoher Temperatur kein Spectrum, während verdampfendes metallisches Mangan (im Chlormangan) das Spectrum hervorruft. Da beim Bessemern der Mangangehalt des Roheisens beständig abnimmt, so werden am Ende des Processes die charakteristischen Linien verschwinden, sobald nur noch zu geringe Mengen metallischen Mangans verdampfen, um ein Spectrum zu erzeugen und mag noch so viel Manganoxydul in der Schlacke vorhanden seyn. Vielleicht steht auch diese Erscheinung mit der Kohlenoxydgasbildung im innigen Zusammenhang und das Manganspectrum bietet gerade deßhalb unter sonst günstigen Umständen so gute Resultate zur Beurtheilung des Stadiums der Entkohlung, indem das schon bei verhältnißmäßig niedrigen Temperaturen verdampfende Mangan nur in einer Kohlenoxydgasatmosphäre metallisch bleibt und nur in diesem Zustande ein Spectrum gibt. Bei Mangel an Kohlenoxydgas, wie zu Anfang und am Schlusse des Bessemerprocesses, wird das bereits verdampfte Mangan oxydirt und wirkt jetzt nicht mehr auf's Spectrum ein.

Eine zweite Art der Lösung des scheinbaren Widerspruches zwischen dem beabsichtigten Vorgang der Entkohlung und der Entstehung des Spectrums durch Mangan ließe sich wohl außer in der vorstehenden, noch in der nachfolgenden Hypothese finden. Der Mangangehalt des Roheisens muß stets so weit herabgegangen seyn, daß er kein Spectrum mehr erzeugen kann, um eine hinreichende Entkohlung des Eisens zu gestatten. Bekanntermaßen ist kieselsaures Manganoxydul kein Lösungsmittel für Eisenoxyduloxyd (Percy-Wedding, Eisenhüttenkunde Bd. I S. 544) und es wird daher die Entkohlung des Eisens um so mehr verhindert oder verzögert, je reichlicher es (im Gegensatz von kieselsaurem Eisenoxydul, einem vorzüglichen Lösungsmittel für Eisenoxyduloxyd) vorhanden ist. Hierauf beruht die wichtigste Eigenschaft des manganhaltigen Roheisens für die Stahlbildung im Puddelofen, in zweiter Linie auch die Leichtflüssigkeit der manganhaltigen Schlacken, da sich leichtflüssige Schlacken auch auf andere Weise herstellen lassen. Im Gegensatz zu Vorstehendem hat man jedoch zu Neuberg beobachtet, daß ein verbranntes Eisen bereits erfolgte, ehe die Manganlinie verschwunden.

Bei der wichtigen Rolle, welche das Mangan bei der Entkohlung des Roheisens und bei allen Stahlbildungsprocessen spielt, während künstliche Manganoxyd enthaltende Zuschläge unwirksam sind, empfiehlt sich die Anwendung des Spectrostops bei diesen Processen, um noch weitere Erfahrungen Über die Rolle des Mangans bei denselben zu sammeln. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1869, Nr. 48.)

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Polytechn. Journal Bd. CLXXXVII S. 390.

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Man vergl. polytechn. Journal Bd. CXCI S. 213.

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