Titel: Strychnin als Antidot bei Chloral-Vergiftung; von O. Liebreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 12 (S. 207–208)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi02_12

Strychnin als Antidot bei Chloral-Vergiftung; von O. Liebreich.

Ich hatte Gelegenheit, nach Anwendung des Chloralhydrats die Erscheinungen eines ausgesprochenen Starrkrampfes schwinden zu sehen; da die Wirkung des Strychnins bei Menschen und Thieren sich ebenfalls durch einen Tetanus und Trismus manifestirt, so versuchte ich bei Thieren, denen ich Strychnin gegeben, die giftige Wirkung des letzteren durch Anwendung von Chloralhydrat aufzuheben; in der That gelingt es, selbst bei Darreichung tödtlicher Dosen Strychnins dasselbe unschädlich zu machen. Es ist jedoch dann erforderlich, sofort nach Verabfolgung des Strychnins Chloralhydrat in Anwendung zu bringen, da die Wirkung des letzteren nicht so schnell erfolgt. Sehr günstig stellten sich die Resultate bei Anwendung des Strychnins als Antidot bei Chloral-Vergiftung. Obgleich bis jetzt glücklicher Weise keine Vergiftung mit dieser Substanz bekannt geworden ist, glaube ich, dürfte gerade diese Eigenschaft des Strychnins in praktischen Fällen verwerthbar seyn, in denen es sich darum handelt, die Chloralwirkung zu verkürzen oder unschädlich zu machen.

Es wurden zwei Kaninchen von gleichem Gewicht tödtliche Dosen Chloral gegeben; dem ersten, als das Herz nur schwach pulsirte, eine Maximaldose Strychnin; das zweite Thier starb, das erste wachte in verhältnißmäßig kurzer Zeit aus, ohne die Wirkung des Strychnins oder eine sonstige Störung nach dem Erwachen zu zeigen. Am zweiten Tage darauf wurde demselben Thier die Dose Strychnin allein gegeben; nach 10 Minuten starb dasselbe unter den bekannten Erscheinungen.

Betreffs der weiteren Versuche verweise ich auf eine demnächst erscheinende ausführlichere |208| Publication. – Mittheilung aus dem chemischen Laboratorium des pathologischen Instituts zu Berlin. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1869, Nr. 18.)

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