Titel: Abhängigkeit der Milch von der Art der Fütterung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 13 (S. 208)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi02_13

Abhängigkeit der Milch von der Art der Fütterung.

Ueber die sechste Wanderversammlung deutscher Agricultur-Chemiker zu Halle am 16. und 17. August 1869 enthält das Octoberheft des landwirthschaftlichen Centralblattes einen Bericht, der die vielseitigen praktischen und theoretischen Fragen, die hier behandelt worden, übersichtlich zusammenstellt. Wir entnehmen demselben die Mittheilung des Hrn. Dr. Kühn über Fütterungsversuche, die zu Möckern an 11 Milchkühen angestellt wurden, um den Einfluß der Fütterung aus die Qualität und Quantität der Milch zu ermitteln.

„Herr Dr. Kühn spricht zuerst von der Theorie der Milchabsonderung und glaubt, daß diese schon von vornherein eine gewisse Unabhängigkeit der Eigenschaften der Milch von der Fütterung wahrscheinlich mache, da nach den neueren Untersuchungen jene bekanntlich nicht ein Absonderungsproduct im eigentlichen Sinne sey, vielmehr durch einen Zellbildungsproceß in der Milchdrüse erzeugt werde. Seine Versuche haben nun diesen a priori gemachten Schluß völlig bestätigt, und er sey so zu Resultaten gelangt, die mit den Anschauungen, wie sie bei den Praktikern gang und gäbe wären, im crassen Widerspruch ständen.

So sey z.B. Grünklee verfüttert worden, mit oder ohne Zusatz von Strohhäcksel, so daß das Verhältniß der stickstoffhaltigen Nährstoffe zu den stickstofffreien von 1 : 2,5 bis 1 : 3,5 geschwankt habe; dabei sey das Verhältniß der Einzelbestandtheile der Trockensubstanz der Milch, also von Fett, Casein, Albumin und Zucker so constant geblieben, als dieß die nicht zu vermeidenden Versuchsfehler irgend hätten erwarten lassen. Dieses Verhältniß der einzelnen Stoffe in der Trockensubstanz der producirten Milch sey somit von der Art der Fütterung unabhängig und nur durch die Individualität des milchenden Thieres bedingt. Ganz dasselbe hat nun Dr. Kühn auch für andere, noch viel abweichender zusammengesetzte Futtergemische gefunden, indem er Heu allein, dann Heu mit Stärke, mit Oel, mit Bohnen, Rapsmehl, Kleie und Kleber fütterte, so daß sogar in einem Falle das Verhältniß der stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien Substanzen 1 : 8,1 gewesen.

Durch Auswahl von gewissen Futtermitteln sey man daher nicht im Stande, auf den Charakter der Milch einzuwirken, z.B. die Milch fettreicher zu machen, vielmehr müsse man die zu diesem Zwecke eigenthümliche Milchviehrasse auswählen. Wohl vermöge man aber durch geeignete Fütterung auf den Wassergehalt der Milch einzuwirken, so daß es allerdings auf diesem Wege gelingen könne, den absoluten Reichthum der Milch an einzelnen organischen Substanzen, wie z.B. Fett, zu vermehren, aber man vermehre dann immer die anderen Bestandtheile, mit Ausnahme des Wassers, mit.“

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