Titel: Ueber die Prüfung der Oele auf einen Säuregehalt; von Alwin Rümpler, Agriculturchemiker.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 6 (S. 204–205)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi02_6

Ueber die Prüfung der Oele auf einen Säuregehalt; von Alwin Rümpler, Agriculturchemiker.

Zur Prüfung der Oele auf einen Säuregehalt gieße ich in ein Reagensglas ungefähr 1 Zoll hoch ziemlich concentrirte Sodalösung, die aus chemisch reiner, krystallisirter Soda bereitet seyn muß, weil eine geringe Menge Aetznatron, welches in nicht krystallisirter Soda enthalten seyn kann, in jedem Oele eine Emulsion hervorruft. Auf diese Sodalösung gieße ich ungefähr eben so viel des zu prüfenden Oeles, schüttle tüchtig und stelle das Gläschen einige Minuten hin. Ist das Oel säurefrei, so wird dasselbe nach oben steigen und sich als Schicht über der Sodalösung ansammeln; ist dasselbe aber säurehaltig, so bildet sich sogleich eine weiße schmierige Emulsion, die höchstens eine Schicht von wenig Tropfen oben ablagert. Bei starkem Säuregehalt wird die Emulsion so consistent, daß man das Gläschen umkehren kann, ohne daß etwas herausfließt. Sehr verschärft wird die Reaction dadurch, daß man nach dem Schütteln etwas concentrirte Kochsalzlösung in das Gläschen gießt und wieder ein wenig schüttelt; es sammelt sich dann nämlich das Oel, resp. die Emulsion bedeutend rascher auf der Oberfläche an, als dieß ohne Kochsalzlösung geschieht. Besonders auffällig ist die Reaction, wenn man 1 Zoll hoch Sodalösung mit 1/2 Zoll hoch säurefreiem Rüböl schüttelt, darauf 1/2 Zoll hoch nicht säurefreies Rüböl zugießt und wieder schüttelt; nach dem ersten Schütteln erhält man, wie aus Obigem hervorgeht, eine klare Abscheidung von Oel, nach dem zweiten Schütteln augenblicklich eine Emulsion Ich glaube den Besitzern von Maschinen, sowie den Fabrikanten von Maschinenölen einen Dienst zu leisten, indem ich meine Methode veröffentliche, da dieselbe einestheils von Laien sehr leicht ausgeführt werden kann und anderentheils bedeutend sicherer ist |205| und rascher zum Ziele führt, als die gewöhnliche Probe mit Messingblech. Ein Oel, welches nach meiner Methode noch eine Emulsion gibt, wird auch stets auf blankem Messing grün, wenn auch erst nach einigen Tagen. Uebrigens bemerke ich noch beiläufig, daß ich bisher kein vegetabilisches Maschinenöl gefunden habe, welches die beschriebene Probe aushält, mit Ausnahme von dem, welches ich mir selbst nach einer von mir entdeckten Methode dargestellt habe. Es ist möglich, daß viele von diesen Oelen ursprünglich säurefrei waren, sich aber bei längerem Lagern in den Fabriken oder Handlungen zersetzt haben, d.h. daß sie ranzig geworden sind; manche sind auch nach Methoden dargestellt, nach denen die Säure nur in der Illusion des Käufers entfernt wird, z.B. durch Kochen mit Wasser. (Deutsche Industriezeitung, 1869, Nr. 46.)

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