Titel: Ueber die Anwendbarkeit des Marrons und Vesuvins zum Färben von Elfenbein, Knochen, Leder, verschiedenen Holzarten etc.; von C. Puscher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 8 (S. 205–206)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi02_8

Ueber die Anwendbarkeit des Marrons und Vesuvins zum Färben von Elfenbein, Knochen, Leder, verschiedenen Holzarten etc.; von C. Puscher.

Die zwei neuen Farbstoffe Marron und Vesuvin werden bekanntlich von Hrn. Knosp in Stuttgart fabricirt und zu verhältnißmäßig niederen Preisen (das Marron zu 12 Thaler per 100 Pfund in Teigform) in den Handel gebracht. Das Marron (Kastanienbraun) ist nach Angabe des Hrn. Knosp das Product der Oxydation der höheren Homologen des Anilins und Toluidins, löst sich in kochendem Wasser und hat sich bereits mit Zugabe von Alaun in der Seiden-, Wollen- und Baumwollenfärberei durch sein vortreffliches Braun, namentlich in Verbindung mit Vesuvin, Eingang verschafft.46)

Hr. Puscher hat deßhalb seine Versuche mit beiden Farbstoffen auf verschiedene Holzarten, Horn, Elfenbein, Knochen, Leder, Papier und Gelatine beschränkt.

Für sich allein gibt die warme alaunhaltige Lösung des Marrons auf erwähnten Materialien keine besonders freundlichen braunen Farbentöne; wird jedoch derselben mehr oder weniger eine wässerige Vesuvinlösung zugefügt, so können prachtvolle braunrothe Farben erzielt werden. Namentlich läßt sich damit auf Elfenbein und Knochen nach vorhergegangenem Anheizen mit verdünnter Salzsäure eine sehr billige rothe Farbe hervorrufen, die dem theuern Carminroth nicht nachstehen dürfte. Hölzer aller |206| Art, selbst Tannen- und Föhrenholz, sowie die übrigen aufgeführten Gegenstände, nehmen diese Farbenmischung begierig auf und färben sich je nach Concentration und Mischung in den verschiedensten Nuancen; so lassen sich mit ganz verdünnter Lösung die Farbe des Cedernholzes, mit concentrirter dagegen die Flecken des Schildkrots täuschend nachahmen.

Nach den von Hrn. Puscher angestellten Versuchen verliert das Marron in Teigform 78 Procent Wasser. Die trockene Masse hinterläßt beim Ausziehen mit 90procentigem Spiritus 25 Procent Rückstand, welcher etwas arsenige Säure enthält. Wenn dadurch auch ein Pfund des neuen Farbstoffes etwas über einen Gulden zu stehen kommt, so ist dieß den Preisen anderer rother Anilinfarben gegenüber ein so geringer, daß das Marron in den Farbsätzen mit großem Vortheil angewandt werden kann.

Das Vesuvin, über dessen Bereitung noch nichts bekannt ist, vereinigt durch seine leichte Löslichkeit in kaltem Wasser und Spiritus, durch seine schöne bräunlichgelbe Farbe, seine große Ergiebigkeit und einfache Methode beim Färben so viele gute Eigenschaften, daß ihm eine ausgedehnte Anwendung für die Zukunft gesichert ist. (Versammlung des Nürnberger Gewerbevereines vom 26. October 1869.)

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Man s. die Vorschriften zum Färben mit Marron und Vesuvin im polytechn. Journal Bd. CXCII S. 341 und 427.

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