Titel: Vorschrift zur Bereitung eines hämmerbaren Gußeisens für Waaren welche eine scharfe Form haben sollen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 3 (S. 281–282)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi03_3

Vorschrift zur Bereitung eines hämmerbaren Gußeisens für Waaren welche eine scharfe Form haben sollen.

Unter den verschiedenen Vorschriften zur Bereitung von schmiedbarem Gußeisen finde die hier Beachtung, nach welcher man das aus dem Rotheisenstein erblasene, schwer schmelzbare Holzkohleneisen von Ulverstone in Schottland in Tiegeln schmilzt und den sehr spröden Guß mit gepulvertem, quarzfreien Rotheisenstein in gußeisernen Tiegeln unter allmählicher Steigerung der Temperatur so erhitzt, daß nach 24 Stunden lebhafte Rothgluth erreicht wird. Die Erhitzung wird 3–5 Tage fortgesetzt und muß bei dicken Stücken und solchen, welche nach ihrer Achse durchbohrt werden sollen, wiederholt |282| werden. Nach dem langsamen Erkalten werden die Oefen entleert. Das nach dieser Vorschrift erhaltene Metall ist gutem Schmiedeeisen sehr ähnlich, es hat etwa die Dichtigkeit des Gußeisens und eine Farbe die Heller ist als die des Schmiedeeisens, aber auch nicht der des Gußeisens gleicht. Der Bruch ist meist weiß, feinkörnig, glänzend, zuweilen grau und von dem seidenartigen Ansehen des weichen Stahles mit Neigung zu Adern. Gegenstände, die stärker sind als 8–10 Millimeter, haben außen eine Zone Schmiedeeisen und im Inneren ein graues, sehr weiches Gußeisen. Gegen die Feile verhält sich das Metall wie Schmiedeeisen, nimmt aber eine bessere Politur an und ist im Allgemeinen nicht sehr hart. Durch Reibung wird es rasch abgenutzt; es ist viel klingender als Schmiedeeisen und läßt sich bei kleinen Dimensionen leicht biegen und drehen ohne rissig zu werden. Bei größeren Dimensionen bricht der gußeiserne Kern. Es läßt sich kalt hämmern, walzen und stempeln, auch bei niederer Temperatur ziemlich gut schmieden, zerbricht aber bei beginnender Weißgluth unter dem Hammer, und bei noch höherer Temperatur schmilzt das Innere unter Funkensprühen, so daß etwas starke Stücke nicht zusammengeschweißt werden können. Dagegen gelingt das Löthen mit Kupfer gut. Es widersteht dem Feuer eben so gut wie Schmiedeeisen und eignet sich daher zu Schmelztiegeln, Gießpfannen etc. Es ist eben so elastisch und fest wie gutes Schmiedeeisen, steht aber in Betreff der leichten Formveränderung selbst mittlerem Schmiedeeisen nach und widersteht heftigen Stößen weniger gut. Nach Wedding muß das zu schmiedbarem Gußeisen bestimmte Metall nur chemisch gebundenen Kohlenstoff enthalten, also weiß seyn (am besten durch Mischung von grauem und weißem Roheisen erzielt), frei von Mangan und möglichst frei von Silicium, Phosphor und Schwefel. Die Erhitzung mit Rotheisenstein erfolgt in eisernen Gefäßen bei einer niedrigen, aber 2–3 Wochen andauernden Hitze.

Während sich diese Methode für solche Waaren eignet, die ohne wettere Verarbeitung eine scharfe Form (Ecken, Kanten) haben sollen, ist die Darstellung eines stahlartigen Eisens durch Zusammenschmelzen von Roh- und Stabeisen für solche Gegenstände geeignet, bei welchen es nicht auf scharfe Formen ankommt oder die nachträglich bearbeitet werden sollen. v. C. (Deutsche illustr. Gewerbezeitung, 1869, Nr. 51)

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