Titel: Verschiedene Recepte und Anwendungsweisen bei Darstellung von unzerstörbaren Tinten für Zeichnung von leinenen Geweben; von Dr. M. Reimann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 6 (S. 283–285)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi03_6

Verschiedene Recepte und Anwendungsweisen bei Darstellung von unzerstörbaren Tinten für Zeichnung von leinenen Geweben; von Dr. M. Reimann.

In dem Nachstehenden ist eine Anzahl praktisch bewährter Vorschriften zur Anfertigung unverlöschbarer Tinten ausgeführt, deren man sich unter Berücksichtigung der beigegebenen Anwendungsweisen bedienen kann, um damit Leinen zu zeichnen.

1) Silberschwarz nur für Federkiele benutzbar.

Man braucht hierzu 1 2/3 Gewichtstheile salpetersaures Silberoxyd, 16 Gwth. destillirtes Wasser, 2 Gwth. Gummi arabicum und 1/3 Gwth. grüne Seife. Von diesen Ingredienzen wird zunächst das Silbersalz in warmem Wasser aufgelöst und hierauf zu dieser Auflösung das fein pulverisirte Gummi, und ist dieses aufgelöst, die grüne Seife hinzugegeben. Das Ganze wird zuletzt filtrirt.

Anwendungsweise. Um mit dieser Tinte das Leinen zu zeichnen, muß das letztere zuvor an den zu zeichnenden Stellen mit einer Flüssigkeit angefeuchtet werden, welche in 8 Gwth. Wasser 2 Gwth. krystallisirtes kohlensaures Natron und 2 Gwth. Gummi arabicum ausgelöst enthält. Nach dem Trocknen des Leinens wird dasselbe, um die Linien und Punkte der Buchstaben, Zahlen, Zeichnungen etc. mit größerer Sauberkeit ausführen zu können, geglättet, hierauf mit einem Stift vorgezeichnet und nun erst mittelst eines Federkieles nach der Vorzeichnung mit der Tinte beschrieben. Hierzu eignen sich die Stahlfedern aus dem Grunde nicht, weil die Metalle, mit einziger Ausnahme des Goldes, die Tinte chemisch zersetzen. Eine schöne und gleichmäßige Zeichnung erhält man aber, wenn die Linien mit Hülfe einer kupfernen Schablone ausgeführt werden, die man auf das Leinen legt.

2) Silberschwarz für Stahlfedern.

2 Gwth. salpetersaures Silberoxyd werden in 5 Gwth. Ammoniakflüssigkeit aufgelöst; |284| das Gleiche geschieht mit 2 1/2 Gwth. Gummi arabicum und 3 Gwth. krystallisirter Soda in 9 Gwth. destillirtem Wasser. Sind beide Auflösungen filtrirt, so werden sie unter gutem Umrühren zusammengegossen und das Ganze mäßig erwärmt, wenn es anfangen sollte, braun zu werden. Ist die Tinte so weit fertig, so wird sie noch, um sie auf dem Leinen sichtbarer zu machen, mit etwas Magentaroth angeblendet. Bei Anwendung dieser Tinte kann man sich, wie erwähnt, der Stahlfedern bedienen.

Die Anwendungsweise ist dieselbe wie oben.

3) Silberschwarz auf feine Leinen.

4 Gwth. salpetersaures Silberoxyd werden in 24 Gwth. destillirtem Wasser aufgelöst; man fügt weiter zu dieser Solution tropfenweise so viel Ammoniak, bis der zuerst entstehende Niederschlag wieder verschwindet. Hierauf wird etwas grüne Seife mit wenig Indigo oder einem anderen Farbstoff verrieben und das Product mit 4 Gwth. Gummiauflösung vermischt; diese Mischung bringt man unter gutem Umrühren mit der Silbersalzauflösung zusammen und verdünnt hierauf letztere mit so viel Wasser, bis das Ganze 32 Gwth. ausmacht. Diese Tinte ist leichtflüssig und eignet sich vorzugsweise auf feinen Leinen sehr gut zum Zeichnen und Schreiben.

Anwendungsweise. Ist die Schrift trotten, so übergeht man sie mit einem mäßig erwärmten Stahl, worauf die Buchstaben etc. augenblicklich mit schwarzer Farbe zum Vorschein kommen. Auch diese Operation ist für feine Leinen ganz unschädlich.

4) Anilinschwarz für Federkiele und Stahlfedern.

Die Entdeckung der Anilinfarben ist die Veranlassung gewesen, daß auch das Anilinschwarz zur Darstellung von Zeichenfarben auf Leinen verwendet wird. Diese Farbe hat vor den Silberfarben den Vorzug größerer Wohlfeilheit und vollständigerer Unverlöschbarkeit; denn während in Bezug auf den letzteren Vorzug die Silberfarben durch Waschen der Leinen mit Auflösung von Natronschwefelleber und durch vorheriges Benetzen mit Kupferchloridauflösung verbleichen, so ist dieß mit der Anilinfarbe nicht der Fall, die durch ein derartiges chemisches Agens nicht angegriffen wird. Vor Entwendung weiden daher die Leinen durch keine Tinte besser als durch diese geschützt.

Eine solche Tinte bereitet man sich auf folgende Weise: 8 1/2 Grains65) Kupferchlorid werden in 30 Gr. destillirtem Wasser aufgelöst und dieser Auflösung 10 Gr. gewöhnliches Kochsalz und 9 1/2 Gr. Ammoniakflüssigkeit zugefügt. Nachdem man diese Auflösung filtrirt hat, bereitet man sich eine zweite von 30 Gr. salzsaurem Anilin in 20 Gr. destillirtem Wasser, zu welcher 10 Gr. Glycerin und 20 Gr. von einer Gummiauflösung gegeben werden, welche aus 1 Gwth. Gummi und 2 Gwth. Wasser zusammengesetzt ist. Nachdem man auch diese Auflösung filtrirt hat, gießt man 4 Gwth. von dieser präparirten Anilinauflösung unter gutem Umrühren zu obiger Kupferauflösung, worauf die Tinte zum Gebrauche fertig ist. Es darf aber diese Mischung stets nur unmittelbar vor der Anwendung der Tinte vorgenommen werden.

Anwendungsweise. Diese Tinte, welche eben so gut die Anwendung eines Federkieles wie einer Stahlfeder gestattet, hat anfänglich eine dunkelgrünliche Farbe, die jedoch bereits nach wenigen Tagen tief schwarz wird. Für den Fall, daß man aber die Tinte sofort nach ihrer Bereitung brauchen will, wird nach dem Trocknen ein schönes Schwarz erhalten, wenn man das gezeichnete Leinen mit einem heißen Stahl übergeht oder über einer heißen Platte oder auch über die Flamme einer Spirituslampe vorsichtig hält. Man kann schließlich dem Schwarz eine angenehme bläuliche Nüance geben, wenn nach der eben beschriebenen Manipulation die Leinen noch durch ein warmes Seifenbad passirt werden. Es erscheinen in diesem Falle die Zeichnungen und Buchstaben auf beiden Seiten des Stoffes, wenn nur die Verdickung der Tinte so schwach war, daß sie den Stoff durchdringen konnte.

5) Manganbraun.

Ein wohlfeiles Braun zum Zeichnen der Leinen wird erhalten, wenn man 4 Gewichtstheile essigsaures Manganoxydul in 12 Gewichtstheilen Wasser auflöst und die Auflösung fitrirt.

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Anwendungsweise. Die Stellen auf dem Leinen, welche gezeichnet werden sollen, müssen zuvor mit einer Auslösung angenetzt werden, die aus 3 Gwth. Wasser 1/2 Gwch. Gummi arabicum und 1 Gwth. gelbes Blutlaugensalz enthält. Mit der Manganauflösung wird, nachdem die angenetzten Stellen getrocknet sind, nun erst gezeichnet. Um aber die Buchstaben mit brauner Farbe zum Vorschein kommen zu lassen, überfährt man dieselben mittelst eines Stiftes mit einer Auflösung von 4 Gwth. Pottasche in 10 Gwth. Wasser, welche die Ausscheidung des Manganoxydulhydrats aus seiner Verbindung mit der Essigsäure bewirkt, das dann auf Kosten des atmosphärischen Sauerstoffes zu Manganoxydhydrat sich höher oxydirt und dabei eine dunkle braune Farbe annimmt. Diese Farbe ist fest und kann weder durch Anwendung von Alkalien, noch von Säuren, mit Ausnahme von verdünnter Salzsäure, von dem Stoffe wieder weggenommen werden.

6) Platinpurpur.

Diese Tinte wird durch Auflösen von 1 Gwth. Platinchlorid in 16 Gwth. destillirtem Wasser erhalten.

Anwendungsweise. Die Stellen, welche zu bezeichnen sind, werden zunächst mit einer Flüssigkeit angefeuchtet, die man sich durch Auflösen von 3 Gwth. Soda und 3 Gwth. Gummi arabicum in 12 Gwth. Wasser bereitet. Nachdem diese Auflösung aufgetrocknet, glättet man jene Stellen und beschreibt sie hierauf mit obiger Tinte. Nachdem auch die Schriftzüge trocken geworden sind, benetzt man das Leinen mit einer Auflösung von 1 Gwth. Zinnchlorid in 4 Gwth. destillirtem Wasser, worauf die Purpurfarbe der Schriftzüge sofort zum Vorschein kommt. (Nach dem Scientific American; aus der deutschen illustr. Gewerbezeitung, 1869 S. 313.)

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7000 Grains = 1 Pfund engl. Gew. = 453,5 Grm. Zollgewicht.

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