Titel: Ueber Selbstölung der Transmissionen; von Ingenieur Jos. Thoma in Memmingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 1 (S. 373–374)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi04_1

Ueber Selbstölung der Transmissionen; von Ingenieur Jos. Thoma in Memmingen.

Als es sich um die Anlage einer neuen großen Weberei in Volkertshausen handelte, die über 400 Webstühle nebst einer dazu gehörigen Spinnerei hatte, wurden, |374| ehe die Transmission gefertigt wurde, umfassende Versuche über verschiedene Selbstöler vorgenommen.

Das Ergebniß dieser Resultate war folgendes:

Der Selbstschmierapparat von Ziegler erwies sich als ganz unbrauchbar, indem derselbe durch seinen an und für sich sinnreichen Mechanismus zufällig gerade in dem Moment zum Oelen geöffnet werden kann, wo die Transmission abgestellt wird, in welchem Falle alsdann alles Oel aus dem Reservoir abläuft.

Die gewöhnlichen Selbstschmierer mittelst eines Dochtes, welche das Oel durch eine Röhre dem Lager zuführen, gaben ebenfalls kein zuverlässiges Resultat, indem der eine Schmierapparat viel, der andere weniger Oel consumirte, je nachdem der Docht etwas dichter oder loser in die Röhre paßte, wodurch die erste an den Selbstschmierapparat zu stellende Bedingung unerfüllt blieb, nämlich die, daß allen gleich großen Lagern in gleicher Zeit gleich viel Oel zugeführt werden könne.

Da die Unternehmer schon früher eine besondere Art Selbstschmierer eingeführt hatten, so wurden die verschiedenen Beobachtungen, über gleichmäßige Oelung sowohl als über Oel- oder Fettverbrauch zusammengestellt, und gefunden, daß die vortheilhafteste, billigste und sicherste Selbstölung in folgender Anordnung bestehe: Bei jedem gewöhnlichen oder Hänglager ist die obere sogen. Deckelschale in der Mitte mit einem länglichen Schlitz versehen, welcher bei jeder Lagergröße 1/3 der ganzen Lagerlänge bildet; dieser Schlitz ist je nach dem Lager 2–5 Linien breit. In diesen Schlitz steckt man aus Weißblech gefertigt eine passende flache Röhre circa, 2–4 Zoll hoch ein, in welche ein Deckel von Eisenblech, mit einem Knopf versehen, so paßt, daß derselbe sich darin herabbewegen kann. Diese Röhre nun wird mit einem Gemenge von gewöhnlichem Schmieröl, Schweineschmalz und Unschlitt etc., zu gleichen Gewichtstheilen geschmolzen, ganz angefüllt, was am besten mit einem schmalen Schäufelchen geschieht. Der nun aufgesetzte Deckel drückt auf die Schmiere und hierdurch wird das Fett direct mit der Welle in Berührung gebracht, wodurch die letztere etwas fettig wird. Zeigt nun die Welle die leiseste Spur von Warmwerden, so wird das Fett flüssig, fließt nach und schmiert die Welle.

Je nach der Temperatur des Saales, welche nach der Jahreszeit etwas wechselt, nimmt man etwas mehr oder weniger Oel zu der Fettmischung, damit diese nur fließt, sobald eine Temperaturerhöhung der Welle über die des Saales eintritt. Die Nachfüllung des Schmiermateriales findet alle Wochen nur einmal statt. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1870, Nr. 6.)

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