Titel: Ueber die Conservirung und Verbesserung der Weine durch die Elektricität; von Scoutetten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 14 (S. 382–383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi04_14

Ueber die Conservirung und Verbesserung der Weine durch die Elektricität; von Scoutetten.

In das Haus eines Weinbergsbesitzers zu Digne schlug der Blitz ein; das elektrische Fluidum drang bis in den Keller und zerschmetterte darin mehrere Fässer; der in denselben enthaltene Wein floß in eine kleine Grube, welche im Boden eigens angebracht worden war, um die in Folge von Unfällen verbreitete Flüssigkeit zu sammeln. Der Eigenthümer, welcher glaubte sein Wein sey verdorben, verkaufte denselben anfänglich zu nur 10 Centimes den Liter; drei Monate später jedoch fand er sein Getränk ausgezeichnet und verkaufte es zu 60 Centimes für den Liter.

Dieser Vorfall setzte den Eigenthümer in das größte Erstaunen; er theilte denselben dem General Marey-Monge mit und dieser fragte mich, ob ich diese Erscheinung erklären könne. Ich antwortete ihm, daß dieselbe nach meiner Ansicht einer elektrischen Wirkung zuzuschreiben sey und daß man sich durch directe Versuche leicht von der Richtigkeit derselben würde überzeugen können. Es wurden nun solche Versuche begonnen; |383| dieselben ergaben befriedigende Resultate; um aber etwaigen Zweifeln und jeder Kritik zu begegnen, hat ich den General, mir die HHrn. Bouchotte und Vignotti als Mitarbeiter beizugeben. Harte und fast ungenießbare Weine wurden zu zarten und sehr angenehmen Weinen umgewandelt; alle zu den Versuchen verwendeten Sorten wurden merklich verbessert.

Durch Zufall gelangte Bouchotte zu einem merkwürdigen Resultate. Er hatte in seinem Keller ein Stückfaß rothen Moselweines von mittelmäßiger Qualität, welchen er einen Monat lang elektrisirte; eines Tages gab er seinem Küfer den Auftrag, diesen Wein auf Flaschen abzuziehen, mit dem Bemerken derselbe sey von geringer Qualität. Der Küfer jedoch fand den Wein vortrefflich, und da er glaubte sein Herr habe sich geirrt, so theilte er demselben mit, daß das Faß nicht einen mittelmäßigen Wein, sondern einen ausgezeichneten Rancio (durch das Alter gelb gewordenen Rothwein) enthalte. Bouchotte wollte sich selbst davon überzeugen und fand wirklich, daß der elektrisirte Wein sich umgewandelt und verbessert hatte.

Das anzuwendende Verfahren ist sehr einfach; eine constante Säule liefert den elektrischen Strom.

Die Leitungsdrähte können aus Messing bestehen, müssen aber stets in einem Platindraht enden, an welchem die aus Platin bestehende Elektrode befestigt ist. Die beiden Elektroden tauchen in das den Wein enthaltende Gefäß; der Strom ist beständig in Thätigkeit. (Comptes rendus, t. LXIX p. 1121; November 1869.)

Durch neue Versuche hat Scoutetten gefunden, daß die Elektricität, unter welcher Form sie angewandt werden mag – sey es als continuirlicher und directer Strom, oder als Inductionsstrom, oder als Funke –, stets in derselben Weise auf die Weine wirkt; sie modificirt dieselben, ertheilt ihnen die Eigenschaften der gealterten, und verbessert sie.

Hinsichtlich der Wirkungsweise der Elektricität glaubt er, daß die im Weine gelösten salzigen Substanzen die Flüssigkeit leitend machen, das zweifach-weinsaure Kali wird zersetzt: das in Freiheit gesetzte Kali sättigt die Säure des Weines, die Weinsäure aber wirkt vielleicht auf die fette Substanz im Weine und begünstigt die Bildung der Aether, welche ihm sein Bouquet verleihen. Endlich wird offenbar eine gewisse Menge Wassers zersetzt, daher am negativen Pol Wasserstoff und am positiven Pol Sauerstoff sich entbindet; da der Sauerstoff im Entstehungszustande kräftig wirkend ist, so muß er sofort die neuen Verbindungen erzeugen, welche die alten Weine charakterisiren und die zu ihrer Bildung viel Zeit und Sorgfalt erfordert hätten. (Comptes rendus, t. LXX p. 169; Januar 1870.)

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