Titel: Mittel gegen die neue Krankheit des Weinstockes in Südfrankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 15 (S. 383–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi04_15

Mittel gegen die neue Krankheit des Weinstockes in Südfrankreich.94)

Als ein ganz untrügliches Mittel gegen diese verheerende Krankheit bezeichnet das Präsidium der deutschen Gartenbau-Vereine in Erfurt das Nicotin, welches dem die Wurzel umgebenden Boden durch Aufstreuen von Tabaksstaub und anderen Tabaksabfällen beigebracht wird. Auch der Feldabraum der Tabaksfelder, vorher zerkleinert und auf die Düngerhaufen zum Auslaugen gebracht, verhüte das Ueberhandnehmen aller Aphisarten. In Gegenden wo weder Fabriken noch Tabaksbau im Betriebe sind, baue der Weingärtner so viel, als er unbesteuert bauen darf, mische dieses Product zerkleinert unter seinen Weinbergsdünger und er hat den sichersten Schutz. Das Verfahren, den Tabak oder durch dessen Sauce präparirten Mist an die Neben anzulegen, ist so einfach, daß es hier keiner weiteren Erklärung bedarf; ich erwähne nur, daß das Präservativmittel so knapp wie möglich an den Stamm gebracht und mit Erde überhäufelt werden muß; denn die lose, bastartige Rinde des Rebstockes leitet von den Niederschlägen so viel Wasser an den Stamm herab, wie fast kein anderer Strauch, führt so die aufgelösten Nicotintheile des Tabaks nach der Wurzel herunter und verhütet |384| jede Bruthecke dieses kleinen, aber wegen seiner rapiden Vermehrungskraft so furchtbaren Inlettes.

Neu eingeführte Reben werden abgesondert eingeschlagen und mit einer mit Tabaksjauche angefeuchteten Erde eingeschlämmt. Wie wenig die Aphisarten das Nicotin, auch bei der schwächsten Verdünnung, vertragen, mag zum Schluß noch folgendes Beispiel lehren.

Pfirsichbäume oder Spaliere, deßgleichen auch Spaliere und Bäume der Pflaumen werden, wie den Cultivateuren bekannt ist, gar häufig an den jungen Trieben von den Aphis förmlich überzogen und bisher kannte man nur äußerliche Mittel, diese Pest, leider oft unter der Mitleidenschaft der befallenen Pflanzen, zu vertreiben, doch hat man jetzt ein schlagendwirkendes inneres Mittel in dem Nicotin gefunden.

An den Bäumen und Spalieren, wo sich das sogenannte Befallen der Blattläuse alljährlich wiederholt, braucht man nur im Herbst einige Pfund Tabaksstaub unter den Boden zu mischen; die so gedüngte Pflanze nimmt, ohne in ihren Culturverhältnissen sich zu schädigen, so viel Nicotin auf, daß sich keines jener schädlichen Insecten an derselben erhalten kann. (Württembergisches Wochenblatt für Land- und Forstwirthschaft, 1870, Nr. 4.)

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Man sehe in diesem Bande des polytechn. Journals S. 95 (erstes Januarheft) die Mittheilung über die Wurzellaus des Weinstockes, Aphis vastatrix Planch.

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