Titel: Pepsin-Essenz (Verdauungsflüssigkeit).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 16 (S. 384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi04_16

Pepsin-Essenz (Verdauungsflüssigkeit).

Unter diesem Namen wird von der chemischen Fabrik von E. Schering in Berlin (Chausseestraße 21) nach einem neuen Verfahren des Dr. med. und Chemikers Oscar Liebreich (bekannt durch Einführung des Chloralhydrats als eines neuen Schlafmittels) ein Präparat dargestellt, welches die größte Beachtung verdient. „Pepsin“ wird bekanntlich derjenige wesentliche Bestandtheil des Magensaftes genannt, welcher die Auflösung der Speisen im Magen, das erste Erfordernis; zur richtigen Verdauung derselben, bewirkt. Bei Verdauungsbeschwerden, die man gewöhnlich einem „schwachen Magen“ zuschreibt, ist die verminderte Absonderung des Pepsins Schuld an der fehlerhaften Verdauung der Speisen, deßhalb vermag eine Zufuhr von gelöstem Pepsin diesen Mangel auszugleichen und den Verdauungsgang zu regeln. Die Anwendung des Pepsins für diesen Zweck und die Darstellung verschiedener Pepsinpräparate (auf der Pariser Ausstellung von 1867 sahen wir Pepsin in die verschiedensten Formen gebracht, in Pillen, Tabletten, als Pepsinwein, Pepsinliqueur u.s.w.) ist nun zwar keineswegs neu, diese Mittel sind aber sehr in Mißcredit gekommen und haben mit Recht nicht diejenige Aufnahme gefunden, welche gerade von ärztlicher Seite gewünscht wurde, einfach deßhalb, weil das Pepsin sich in denselben nicht unzersetzt hielt, und diese Präparate bald unwirksam wurden, namentlich diejenigen in welchen das Pepsin in fester Form enthalten war. Das Verfahren Liebreich's hat diesen Uebelstand beseitigt; das Pepsin bewahrt in dieser Lösung dauernd seine Kraft. Von der Wirksamkeit einer Pepsinlösung kann man sich leicht überzeugen, wenn man dieselbe in ein Reagensglas gibt, dieses in ein Gefäß mit Wasser von 30° Cels. eintaucht und nun Blutfibrin in das Pepsin bringt. Ist das Pepsin der Lösung wirksam, so muß der Blutfaserstoff bald aufgelöst werden; zersetztes Pepsin vermag dieß nicht zu thun. Die Pepsin-Essenz hat einen angenehmen, wenig säuerlichen Geschmack und soll zu 1 bis 2 Theelöffeln nach der Mahlzeit genommen werden. (Industrie-Blätter, 1870 S. 6.)

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