Titel: Mineralischer blauer Farbstoff, von Tessié du Mothay in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 6 (S. 375–376)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi04_6
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Mineralischer blauer Farbstoff, von Tessié du Mothay in Paris.

Einen mineralischen blauen Farbstoff stellt der bekannte Chemiker Tessié du Mothay in Paris (französisches Patent) auf folgende Weise dar. Es werden

10 Theile wolframsaures Natron,
8 Zinnsalz.
5 gelbes Blutlaugensalz,
1 Eisenchlorid

nach einander in Wasser aufgelöst, nach gutem Umrühren wird der entstehende Niederschlag durch Filtriren oder Decantiren von der Flüssigkeit abgeschieden, abtropfen gelassen und in dünnen Schichten auf flachen Tellern einige Tage lang dem Sonnenlichte ausgesetzt. Hierbei entwickelt sich die Farbe allmählich zu einem reinen Blau. Zur Beschleunigung der Reaction kann man nach 2 oder 3 Tagen durch Auswaschen die löslichen Theile entfernen und damit gleichzeitig eine innigere Mischung bewirken, sowie die dem Sonnenlichte ausgesetzte Oberfläche erneuern; nach wiederholtem zwei- oder dreitägigem Aussetzen an das Sonnenlicht ist die Farbenbildung vollendet. Die Farbe zeigt dann ähnliches Ansehen und ähnliche physikalische Eigenschaften wie das Berlinerblau, nur ist sie weit ächter und lichtbeständiger. Eine Analyse derselben ergab folgende Zusammensetzung:

Wasser 7,85 Proc.
Zinn 31,69
Eisen 5,13
Cyan 19,41
blaues Wolframoxyd 35,60
–––––––––––
99,68 Proc.

Tessié du Mothay hält darnach den neuen Farbstoff für eine Verbindung von Wolframoxyd mit einem Doppelcyanid von Zinn und Eisen; Alfraise dagegen spricht im Moniteur scientifique, t. XII p. 92 die Ansicht aus, daß es vielmehr eine Verbindung von wolframsaurem Zinnoxyd oder zinnsaurem Wolframoxyd mit einem Doppelcyanid von Eisen und Zinn sey. Der Preis des Farbstoffes dürfte sich nach Alfraise's Ansicht etwa doppelt so hoch wie der des Berlinerblau stellen, was aber allerdings kein Hinderniß wäre, wenn die außerordentliche Aechtheit desselben neue Anwendungen gestattete. (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 6.)

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