Titel: Die Reductionsmittel für das Nitrobenzol zur Gewinnung des Anilins.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 7 (S. 376–377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi04_7

Die Reductionsmittel für das Nitrobenzol zur Gewinnung des Anilins.

Das zweckmäßigste Reductionsmittel für das Nitrobenzol war bisher unzweifelhaft Essigsäure mit Eisendrehspänen, Substanzen welche Béchamp vorgeschlagen hatte. Da die Essigsäure in Folge ihres hohen Preises die Gewinnung des Anilins nicht unbedeutend vertheuerte, so war man von jeher bemüht, die Menge dieser Säure auf ein Minimum herabzusetzen.

Dieß ist auch thatsächlich gelungen; denn während man in Frankreich auf 100 Theile Nitrobenzol 60–65 Theile Essigsäure und 150 Theile Eisendrehspäne anwendet, wird in England zumeist nur mit 8 bis 10 Theilen Essigsäure der Reductionsproceß durchgeführt, dagegen ist eine größere Menge von Eisen (200 Theile) und die Mitwirkung von Wasserdampf erforderlich. Indeß kann man auch Salzsäure statt Essigsäure mit gutem Erfolg anwenden, wie dieß gegenwärtig häufig geschieht.

Man hat es auch versucht, die Anwendung einer Säure ganz zu umgehen, und die Sammlung, welche die Firma Coblenz Frères (Usine de la Briche. St. Denis) auf die letzte Welt-Ausstellung zu Paris geliefert hatte, enthielt ein Muster von verkupfertem Roheisen, welches Chalamel in Puteaux (Seine-Depart.) zu diesem Zweck zuerst verwendete. Die grob gepulverten Eisendrehspäne werden in eine Kupfervitriollösung gebracht, wodurch sich metallisches Kupfer an ihrer Oberfläche ablagert, wobei man übrigens vorsichtig verfahren muß, um die Eisentheilchen nicht vollständig aufzulösen. Wird nun dieses so präparirte Eisenpulver zu einer ungefähr gleichen Quantität von nicht verkupferten Eisendrehspänen gebracht, die sich in einer genügenden Menge Wassers befinden, und wird dann das Nitrobenzol zugesetzt, so entsteht in Folge des Contactes dieser beiden Metalle ein elektrischer Strom, welcher sofort eine Wasser zersetzung |377| einleitet. Der Sauerstoff bemächtigt sich des Eisens, während der Wasserstoff den Nitrokörper in die entsprechende Amidverbindung überführt. (Aus Dr. Schrötter's Bericht über die chemischen Producte auf der letzten Welt-Ausstellung zu Paris, im österreichischen officiellen Ausstellungsbericht.)

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