Titel: Jodgrünfärberei auf Wolle; von Theodor Peters in Chemnitz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 12 (S. 478–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi05_12

Jodgrünfärberei auf Wolle; von Theodor Peters in Chemnitz.

Der Moniteur scientifique vom 15. November 1869 theilt bezüglich des von mir veröffentlichten Verfahrens zum Jodgrünfärben auf Wolle,112) einige Veränderungen in der Lösung des Jodgrünteiges mit, welche gewissermaßen bessere Resultate gegen die ursprünglich angegebene Lösung erzielen lassen. Es wird daselbst von den HHrn. Kalle und Comp. in Biebrich gesagt:

  • „1) Wenn der Arbeiter nicht genau operirt, löst sich das Grün nicht vollständig in saurem Wasser und es entsteht dadurch ein Farbstoffverlust.
  • 2) Der Farbstoff löst sich nicht vollständig und man ist genöthigt das Färbebad zu filtriren, was eine unangenehme Operation ist.“

Nach den früheren Angaben bleibt ein geringer Rückstand, den man aber sofort als Jodgrünteig wieder erkennen wird, der nicht gelöst war oder wieder ausgeschieden wurde und der, zu neuen Lösungen genommen, sich vollständig ausnutzen läßt, so daß jeder Verlust vermieden wird. Das Filtriren des Färbebades ist nicht nöthig, wenn man die filtrirte Lösung zum Färbebad nimmt, und erzielt man die schönsten und reinsten Nüancen, wie dieß im Großen constatirt wurde. Die Lösung von circa 25 Pfd. wurde nach und nach in folgenden Proportionen vorgenommen:

5 Pfd. Jodgrün in Teig

mit 10 Pfd. kaltem Wasser zerrührt,

mit 1/2 Pfd. engl. Schwefelsäure gelöst und unter Rühren

noch 90 Pfd. kaltes Wasser hinzugefügt; ferner

mit 3 Pfd. Salmiakgeist von 0,920 specif. Gewicht

alkalisch gemacht und durch ein wollenes Tuch filtrirt, gibt circa 100 Pfd. Jodgrün flüssig pro Wolle und repräsentirt die Lösung, mit welcher ich die Proportionen des Imprägnations- und Grünerzeugungsbades angegeben habe. Die Rückstände nach dem Filtriren wurden bei der zweiten Lösung sofort verwendet, so daß also schließlich noch eine Lösung vom Rückstand gemacht werden konnte. Auf diese Weise wären die Uebelstände, auf welche von den genannten Herren aufmerksam gemacht wurde, leicht zu beseitigen.

Was nun die von den HHrn. Kalle und Comp. gleichzeitig angegebene Lösungsart anlangt, nach welcher Jodgrünteig in 1–2 Thln. kaltem Wasser verdünnt und mit 6–8 Thln. Spiritus gelöst wird, so gibt diese eine vollständigere Lösung, die, wie richtig bemerkt wurde, allerdings ein sehr sorgfältig bereitetes Product von Jodgrünteig voraussetzt. Es könnten nur die Mehrspesen des Spiritus in Betracht kommen, doch wird dagegen sich Jeder seine Calculation machen, der größere Mengen verfärbt.

Das Filtriren dürfte dabei noch zu empfehlen seyn, um etwaigen unliebsamen Ausscheidungen von Farbstoff an Stellen wohin sie nicht gewünscht werden, auszuweichen. Diese Lösung soll nun nach der Mittheilung im Moniteur scientifique dem Imprägnationsbade zugesetzt werden, „welches auf 2 Pfd. Jodgrünteig 2 Pfd. Wasserglaslösung von 30 Proc. enthalten soll, und alsdann wird weiter im Grünerzeugungsbad, wie früher angegeben, manipulirt.“ Die auf diese Weise dargestellten Nüancen sind rein mit bläulichgrünlichem Stich wegen der energischen Reaction des Alkali des Wasserglases, die beim Imprägniren mehr Pikrinsäure zurückhält.

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Ich habe nun wiederholt gefunden, daß gerade das Ammoniak in einem geringen Ueberschuß die besten Imprägnationen gab, die dann die reinsten und egalsten Nüancen lieferten, und wählte deßhalb auch das Alkalisiren mit Ammoniak und habe dieß auch wieder bestätigt gefunden, als ich obige Lösung des Jodgrünteiges in Spiritus mit Salmiakgeist versetzte und diese Lösung zum Imprägniren benutzte. Ebenso vortheilhaft ist, das Grünerzeugungsbad durch Sättigen mit Ammoniak in das Imprägnationsbad umzuwandeln, sobald sich viel Farbstoff angesammelt hat. – Noch sattere Nüancen erhält man beim Färben, wenn man folgende Jodgrünteiglösung dazu benutzt:

5 Pfd. Jodgrün in Teig, zerrührt

mit 10 Pfd. kaltem Wasser,

dazu 20 Pfd. Spiritus und

2 1/2 Pfd. Salmiakgeist von 0,920 specif. Gew.

Das Gemisch ist der Vorsicht wegen zu filtriren. Man färbt nun auf die früher angegebene Weise, wozu man das Imprägnations- und Grünerzeugungsbad benutzt. Anstatt dort angegebener 50 Pfd. Jodgrün flüssig für Wolle nimmt man von der Jodgrünteiglösung nur 16–18 Pfd. proportional und imprägnirt bei 60–70° R. kürzere oder längere Zeit, je nachdem man hellere oder dunklere Nüancen zu färben wünscht, geht dann bei 40–45° R. in's Grünerzeugungsbad und bleibt mit Waare oder Garn so lange darin, bis das geübte Auge beim Umziehen keine Unegalitäten mehr entdeckt. Alsdann wird gespült, aufgerahmt oder bei circa 40–50° R. über dem Calander passiren gelassen; dieß gibt das beste Endresultat dieses Färbeprocesses. Bezüglich der Appretur – wenn diese mit gemischten oder einfarbigen Waaren vorgenommen wird – ist ebenfalls niedrige Temperatur einzuhalten. (Deutsche Industriezeitung, 1889, Nr. 50.)

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In diesem Bande des polytechn. Journals S. 275 (erstes Februarheft 1870).

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